Gedenktafeln: Hemingway war auch in Luxemburg

Der Todestag des Nobel- und Pulitzer-Preisträgers Ernest Hemingway, der sich am 2. Juli 1961 zum 50. Mal jährte, gab Anlass zu etlichen Biografien und Erinnerungsschriften über den Jäger, Soldat, Kriegsberichterstatter, Schriftsteller und Lebemann Hemingway. Bei aller Erinnerung, vergessen wird leider allzuoft, dass Hemingway auch in Luxemburg war und zwar als Kriegsberichterstatter für die US-Zeitschrift „Colliers“ im Dezember 1944 an der Luxemburger Front.

Ein Gedenkstein erinnert in Rodenburg, einem kleinen Ort zwischen Junglinster und Betzdorf, an Hemingways-Verbleib in Luxemburg. Dort hatte er sein Quartier nahe der Front.

Am 17. Dezember 1944 traf Hemingway stark erkältet und mit Fieber von Paris kommend in einem Privatkonvoi im US-Hauptquartier in der Stadt Luxemburg ein. Anschließend ging es zum Befehlsstand des 22. US-Infanterieregiments, der sich in einer umgebauten ehemaligen Mühle in Rodenburg befand, wo Hemingway auch übernachtete. Er verzichtete auf Drängen des Regimentsarztes auf den Frontbesuch und legte sich zunächst ins Bett. Fieber macht durstig, und auf der Suche nach Getränken entdeckte Hemingway den Weinkeller. Er leerte etliche Flaschen Wein während der einwöchigen Bettruhe. Wegen der bitteren Kälte und seiner fiebrigen Erkrankung wollte Hemingway nicht die Latrine außerhalb des Hauses aufsuchen und benutzte die leeren Weinflaschen als Nachttopf. Er verkorkte diese Flaschen wieder und beschriftete die Etiketten mit „Schloss Hemingstone", um Verwechslungen auszuschließen. Eines Nachts griff er im dunklen Weinkeller versehentlich eine Flasche „Hemingstone-Wein". Mündlichen Überlieferungen zufolge soll Hemingway von dem Geschmack nicht begeistert gewesen sein.

Nach seiner Genesung beobachtete Hemingway am 22. Dezember von den Höhen bei Breitweiler in der Nähe von Consdorf den Kampf der US-Armee, die trotz hoher Verluste den Durchbruch der deutschen Wehrmacht verhinderte. Bei einer Patrouillenfahrt an der Sauer in der Nähe von Dickweiler geriet Hemingway unter starken Beschuss und entkam nur mit knapper Not. Sein Artikel in der ihm eigenen zynischen und schonungslosen Schreibweise über die schweren Kämpfe in der luxemburgischen Ostregion um Echternach, Berdorf, Lauterborn, Osweiler und Dickweiler erschien im Januar 1945 im Magazin „Time & Life".

Seine damalige dritte Ehefrau Martha Gellhorn traf Heiligabend 1944 in Luxemburg ein, und es kam zu heftigen Streitigkeiten zwischen den beiden Eheleuten. Nach mehreren Partybesuchen am Heiligabend übernachteten die Hemingways in Rodenburg – wahrscheinlich war es ihre letzte gemeinsame Nacht. Hemingway reiste in den ersten Januartagen 1945 zurück nach Paris. Die Ehe mit Martha Gellhorn wurde fast ein Jahr nach dem Ehekrach in Luxemburg geschieden.