4. Wildkräuter-Kochkurs am 10. Juni 2017 in Kaundorf

Die Kursleiterin Pascale Scaccia lud die 12 interessierten Teilnehmer gleich zu Beginn auf einen frischen Holunderblütensaft ein. „Das Thema des diesjährigen Wildkräuter-Kurses sind die Neophyten“, erklärte die Kräuterkundige und händigte den aufmerksamen Teilnehmern das eigens für diesen Tag angefertigte Manuskript mit allen Rezepten aus, darin auch Informationen rund um die Neophyten. „Es sind dies Pflanzen, die aus fremden Erdteilen kommen und die sich in unserer heimischen Pflanzenwelt ansiedeln.“ In der Tat sind manche von ihnen unter Umständen giftig, so zum Beispiel der Riesenbärenklau aus der Familie der Doldenblütler. Er verursacht beim Berühren in Verbindung mit dem Tageslicht Verbrennungen, die nur sehr langsam wieder ausheilen. Da aber viele nicht den Unterschied zwischen dem Riesenbärenklau und dem Wiesenbärenklau erkennen, wird letzterer unnötigerweise entfernt. Weiterhin betonte Frau Scaccia, dass es ist wichtig sei, nur so viel von einer Pflanze zu sammeln, dass sie noch stark genug zurückbleibt und dass noch etwas für die Tiere übrigbleibt. Die Pflanzen werden immer ohne Wurzeln gesammelt, damit sie weiterwachsen können.

Anschließend begrüßte Anita Lanners, zuständig für den Gewässervertrag und den Klimapakt im „Naturpark Öewersauer“, als Mitorganisator des „Wëllkraider-Kachcours“ die Teilnehmer und ging kurz auf die Programme des Naturparks ein. Sie stellte unter anderem die Kampagne „ … ohne Pestizide“ vor, da hier bei den privaten Haushalten noch vielerorts „gesündigt“ wird. In dem Kontext findet bereits seit 2016 die Aktion „pestizidfräi Blummen“ statt, bei der es zunächst darum ging, dass die Gemeinden die einjährigen Zierpflanzen aus pestizidfreiem Anbau kaufen konnten. In diesem Jahr gibt es nun schon eine ganze Reihe an Gärtnereien im Land, die pestizidfreie Zierpflanzen anbieten – auch für Privatleute. Dies ist ein wichtiger Schritt, denn neben den Tätigkeiten des Naturparks seitens der Landwirtschaft (Projekte wie LAKU, Landwirtschaftsberatung, u.a.) ist auch die Sensibilisierung der Privatleute ein wichtiges und sensibles Thema. Ein Kräuterseminar wie das hier, sei eine gute Gelegenheit, zu zeigen wie wertvoll eine reiche Biodiversität auch für den Menschen sein kann.

„Bei jedem Wildkäuter-Kochkurs, an dem ich teilnehme, wird mir bewusster wie wichtig es ist, das Wissen um die Wild- und Heilkräuter lebendig zu halten und weiter zu geben.“ Mit diesen Worten fuhr Alain Weiler in seiner Funktion als Sekretär der Umweltkommission der Stauseegemeinde, die diesen Kurses organisierte, fort. In Zeiten, wo Firmen wie Bayer (früher: Monsanto) und Co. Patente auf konventionell gezüchtete Kulturpflanzen beanspruchen und gentechnisch verändertes Saatgut herstellen, die resistent gegen Pestizide und Herbizide sind, ist es umso wichtiger, Wild- und Heilkräuter wieder neu zu entdecken. Denn sie liefern auf natürliche Weise sowohl lebenswichtige Stoffe als auch positive Energie und tragen zu einer ausgewogenen Ernährung bei. Eine Ernährung, die neben viel Bewegung, viel Schlaf, wenig Stress und einem guten sozialem Umfeld ein wichtiger Faktor ist, um Gesellschaftskrankheiten wie zum Beispiel hoher Blutdruck, hohe Cholesterinwerte oder sogar Diabetes Typ2 zu verhindern, zum Teil sogar rückgängig zu machen.

Nach dieser Einführung im Kulturzentrum „An der Lee“, das von der Stauseegemeinde zur Verfügung gestellt wurde, begab sich die Gruppe bewaffnet mit Messern und Körben auf einen zwei Kilometer langen Wanderweg. Es ging in Richtung Obersauer-Stausee über einen Spazierweg bis an die andere Seite des Dorfes um dann durch den Kaundorfer „Bongert“ zurück ins Kulturzentrum zu gelangen. Gesammelt wurden unter anderem Sauerampfer, weiße und purpurrote Taubnesseln mit Blüten, Knoblauchrauke, Löwenzahnblätter, Blüten der kleinen Marguerite und Spitzwegerich.

Zurück im Festsaal angelangt wurde der Durst der Sammler mit köstlicher Wildkräuterlimonade aus Giersch und Zitronenmelisse gestillt, bevor in Gruppen gekocht wurde. Für die kulinarische Entdeckungsreise wurden ein Senf aus japanischen Staudenknöterich, eine pikant schmeckende Wildkräuterbutter aus Bärlauch und Knoblauchrauke für das Kräuter-Fächerbrot, ein Wildkräutersalat aus Giersch und Löwenzahn garniert mit kleinen Margueriten, Wildkräuterklöße aus Süßkartoffeln und Spargel mit einer Waldmeistersauce zubereitet. Als Nachspeise kamen eine traumhaft schmeckende Quark-Joghurt-Mousse mit Rosenpesto und eine Holunderblütencrème auf den Tisch.

Alle Teilnehmer konnten eine aus Salbei hergestellte Tinktur mit nach Hause nehmen, die dort noch 28 Tage lang zimmerwarm und geschützt vor der Sonne ziehen muss. Danach wird die Tinktur in dunkle Flaschen abgeseiht. Sie ist gut bei übermäßigem Schwitzen und geeignet bei Kehlkopf- und Rachenentzündungen.

Zum Schluss sei noch darauf hingewiesen, dass im Rahmen der Möglichkeiten einige Zutaten (so zum Beispiel Zitronen und Zucker) aus dem fairen Handel bezogen wurden. Wer Fair-Trade-Produkte kauft, unterstützt die Bauern in Lateinamerika, Afrika und Asien und verbessert nachhaltig deren Arbeits- und Lebensbedingungen.


Text und Fotos: Alain Weiler