(na) - Etwa 50 Personen machten sich am Donnerstag auf eine etwas speziellere Tour durch die Gemeinde Differdingen. Ziel waren Häuser, aus denen Personen, vor allem Juden, während des Zweiten Weltkriegs deportiert wurden. Dort wurden Stolpersteine vom deutschen Künstler Gunter Demnig verlegt.
Zwei Freunde nehmen Forschung auf
„Als ich einmal in der Gemeinde nachfragte, ob es Judendeportationen in Differdingen gegeben hatte, wurde ich mit großen Augen angeschaut. Es konnte aber nicht sein, dass sich bisher niemand die Frage gestellt hatte“, erklärt Michel Braquet, früher Gemeinderatsmitglied.
Zusammen mit seinem Freund, dem Historiker Cédric Faltz, begannen beide nachzuforschen. Letzterer benötigte etwa eineinhalb Jahre, um die Namen und die Schicksale von 38 Personen wiederzufinden, die aus der Gemeinde deportiert und umgebracht wurden. Nur einer sollte die Vernichtungslager überleben.
„Sie waren damals zu gutgläubig"
Unter den 37 anderen befand sich auch Ariane Finkelsteins Urgroßmutter. „Sie waren damals zu gutgläubig, glaubten, dass sie hier sicher seien“, sagt sie über ihre Vorfahren. Ein anderer Teil der Familie, in Esch/Alzette lebend, war noch am Tag der Invasion durch Nazideutschland am 10. Mai 1940 geflohen.
Sie blieben in Briefkontakt. Bis auf einmal keine Briefe mehr aus Differdingen kamen. Die Familie war am 16. Oktober 1941 im Ghetto Litzmannstadt (Polen) deportiert worden und sollte im Vernichtungslager von Chelmno umgebracht werden. Vor etwa einem Jahr sind in der Rue Emile Mark, vor dem Haus mit der Nummer 33, fünf Stolpersteine gelegt worden, die an die ganze Familie erinnern.
Individuelle Geschichten statt nackter Zahlen
Deren jüngstes Mitglied, Rachel, war damals gerade erst neun Jahre alt. Am Donnerstag kamen zu den 15 bereits eingebauten Steinen 23 hinzu. Sechs Millionen ermordete Juden sei eine abstrakte Zahl, unter der man sich nichts vorstellen könne, erklärte der Künstler Gunter Demnig.
Die individuellen Geschichten von Menschen, die im gleichen Dorf lebten, könnten eher zum Überlegen anregen. Mittlerweile wurden in 20 Ländern in Europa über 55.000 Stolpersteine verlegt.
Am Freitag wird er einen Stolperstein in Beles und elf in Mondorf verlegen. In Esch/Alzette wurden 2013 Stolpersteine in und um die Fußgängerzone verlegt. Damit werde ein wichtiges Stück Geschichte aufgearbeitet, so am Donnerstag Bürgermeister Roberto Traversini. Es gehe nicht darum, mit dem Finger auf jemanden zu zeigen, sondern darum, sich den Spiegel vor die Nase zu halten.


















