Dramatische Notlandung von Cargolux-Maschine in Luxemburg

Bei der Boeing 747 ließ sich nach dem Start das Fahrwerk nicht einfahren. Die Maschine musste umkehren und in Findel notlanden.

Die Maschine von Cargolux nach der Notlandung am Sonntagabend auf dem Flughafen Luxemburg. Foto: Raymond Michaux

(jt/lm/ThK/MeM) - Ein Flugzeug der Frachtfluggesellschaft Cargolux hat am Sonntagabend nach einem technischen Problem eine Notlandung auf dem Flughafen Luxemburg durchführen müssen. Verletzt wurde bei dem Zwischenfall niemand.

Wie Cargolux am späten Sonntagabend mitteilte, konnte die Maschine vom Typ Boeing B747-400 F und der Kennung LX-OCV nach dem Start in Luxemburg das Fahrwerk nicht einfahren. Laut Flugzeugbeobachtungs-Website „Flightradar“ befand sich die Maschine, die nach Chicago unterwegs war, über Belgien, als sie umkehren musste, und ließ dann laut Flugdaten bei Ettelbrück Kerosin ab.

Während der Notlandung löste sich das rechte, innere Fahrwerk vom Flugzeug. „Das Flugzeug kam jedoch kontrolliert zum Stehen“, so Cargolux. Rettungskräfte warteten bereits auf der Landepiste. „Keine Personen an Bord oder am Boden wurden verletzt“, teilte das Unternehmen mit. Die Notlandung erfolgte um 18.52 Uhr.

Ein Video auf Twitter zeigt offenbar die Notlandung des Cargolux-Flugzeugs.

Das beschädigte Flugzeug blieb laut Cargolux vorerst auf der Landebahn stehen. Die Bergungsarbeiten seien im Gange. Erst Mitte April war eine Cargolux-Boeing 747 bei einer harten Landung in Luxemburg beschädigt worden.

Was die technische Störung an der Hydraulik des Fahrwerks bewirkte und wieso es dann bei der Landung abknickte, ist Gegenstand amtlicher Untersuchungen. Weitere Details wollten weder das Unternehmen, noch die Flugsicherung oder das Transportministerium nennen. Da der Vorfall noch untersucht werde, könne man keine Auskunft geben, schrieb das Ministerium auf Anfrage.

Luxair leitet Flüge nach Liège um

Der Zwischenfall auf dem Flughafen Luxemburg wirkte sich auch auf den Passagierverkehr aus. Die Start-und-Lande-Bahn in Findel wurde am Sonntagabend geschlossen. Luxair musste mehrere Flüge nach Liège umleiten, darunter LG5554 aus Oslo, LG9514 aus Hamburg und LG6996 aus Mailand, wie das Unternehmen am Sonntagabend mitteilte. Andere Flüge mussten gänzlich gestrichen werden. Die Fluggesellschaft wies darauf hin, „dass alle Passagiere der betroffenen Flüge informiert wurden und dass alle Verfahren eingehalten werden“.

Der Flug aus Oslo hatte nach Angaben eines Passagiers beim Abflug etwa 20 Minuten Verspätung, wodurch die Maschine nicht wie geplant noch vor dem Cargolux-Flieger in Luxemburg ankam. Kurz nachdem der Anflug auf Luxemburg angekündigt wurde, wurden die Passagiere über die Planänderung aufgeklärt. „Wir konnten wegen Treibstoffmangels nicht so lange in der Luft bleiben, bis die Startbahn in Luxemburg gereinigt ist. Wir fliegen nach Liège, hieß es“, schildert der Betroffene gegenüber dem „Luxemburger Wort“.

Dort angekommen, wurde das Flugzeug getankt, die Reise solle in einer Stunde fortgesetzt werden. In der Zeit wurden die Passagiere mit den Resten der Bordverpflegung versorgt, da sie die Maschine nicht verlassen konnten.

„Auf einmal hieß es, die 400 Gestrandeten aus umgeleiteten Flügen würden mit sieben Bussen nach Luxemburg befördert“, erzählt der Passagier aus der Maschine aus Oslo weiter. Nachdem alle Insassen ihr Gepäck zurückerhalten hatten, mussten sie eine weitere Stunde warten, bis der erste Bus eintraf. Erst gegen 1.30 Uhr trafen die Passagiere am Flughafen Findel ein. „Für mich gab es zu dem Zeitpunkt kein Shuttle zum Parkplatz mehr. Da jedoch auch bei den Taxis Riesengedränge war, bin ich die zweieinhalb Kilometer gelaufen“, beklagt er.

Start-und-Lande-Bahn öffnete in der Nacht wieder

Der Flughafenbetreiber Lux-Airport schrieb am Sonntag um 22 Uhr auf Twitter, dass die Start-und-Lande-Bahn des Flughafens Luxemburg gesperrt sei. „Unsere gemeinsamen Teams arbeiten an der Räumung der Landebahn. Geplante Ankünfte werden umgeleitet, Abflüge verzögern sich oder werden gestrichen. Bitte erkundigen Sie sich bei Ihrer Fluggesellschaft nach Ihrem Flugstatus.“

In der Nacht konnte die Landepiste jedoch wieder für den Flugverkehr geöffnet werden, wie Luxembourg Airport gegen 1 Uhr via Twitter mitteilte. Zu dem Zeitpunkt konnten auch die Flugverbindungen wieder aufgenommen werden. Der Flugverkehr dürfte am Montagmorgen wieder nach Plan verlaufen.

Die Flugroute des Cargolux-Fliegers bei Flightradar24

„Fuel Dump“

Der Treibstoffschnellablass ist eine Notfallmaßnahme. Da ein Flugzeug kurz nach dem Start noch vollgetankt und damit meist zu schwer ist, um direkt wieder sicher zu landen, entscheidet der Pilot, Kerosin abzulassen. Das geschieht dann durch einen kontrollierten Treibstoffschnellablass, für den die Regelungen der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) gelten: Piloten dürfen Kerosin nur in einem besonderen Luftraum mit geringer Verkehrsdichte und über möglichst dünn besiedeltem Gebiet ablassen. Dabei muss das Kerosin in einer Höhe von mindestens 1.800 Metern abgelassen werden. Durch die hohe Austrittsgeschwindigkeit, die Turbulenzen und Verwirbelungen hinter dem Flugzeug wird das Kerosin in einem feinen Nebel verteilt. Laut Studien – beispielsweise des deutschen Umweltbundesamts – wird der größte Teil des Nebels durch die Strahlungsenergie der Sonne in Wasser und Kohlendioxid umgewandelt. Gesetzlich ist vorgeschrieben, dass jedes Mal, wenn ein Flugzeug Benzin ablassen muss, der Vorgang von den zuständigen Behörden untersucht wird. (MeM)