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FÉDÉRATION DES ENRÔLÉS DE FORCE, VICTIMES DU NAZISME, LUXEMBOURG

„Dir sitt net vergiess“

Gedenkfeier für die Luxemburger „Moorsoldaten“ in der Gedenkstätte Esterwegen (Emsland)

Offiziell begann das Programm einer Erinnerungsreise der Zwangsrekrutiertenföderation in die Moorlager des Emslandes mit einer Besichtigung der Erinnerungstafeln in Börgermoor. Dieses von den Nationalsozialisten errichtete und zunächst für 1.000 „Schutzhäftlinge“ geplante Konzentrationslager wurde ab April 1934 ein dem Reichsministerium der Justiz unterstelltes Strafgefangenenlager. Mit Kriegsbeginn wurde es ausserdem Strafvollzugsanstalt für „Militärstrafgefangene“, die wegen Fahnenflucht, „unerlaubter Entfernung“ oder „Wehrkraftzersetzung“ inhaftiert waren. Im KZ Börgermoor entstand übrigens das weltberühmte Lied „Die Moorsoldaten“, das von drei Insassen stammte und am 27. August 1933 von 16 Häftlingen erstmals aufgeführt wurde.

Auf dem früheren Lagerfriedhof in Esterwegen, das nach Dachau zeitweilig das grösste deutsche KZ war, fand eine erste offizielle Gedenkzeremonie statt. An dem 1985 eingeweihten Denkmal der Luxemburger, das die Form des Grossherzogtums hat, kam es zur Niederlegung von Kränzen seitens der Luxemburger Regierung und der Zwangsrekrutiertenföderation.

Zur zentralen Feier in der 2011 eröffneten Gedenkstätte Esterwegen, die als europäischer Gedenkort an alle 15 Emslandlager und ihre Opfer erinnert, hatten sich u.a. der aus Berlin angereiste Luxemburger Botschafter Jean Graff, die Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann, der stellvertretende Landrat Willfried Lübs und der Landtagsabgeordnete Bernd Busemann eingefunden.

In seinem Grusswort ging der stellvertretende Landrat Willfried Lübs auf die Leidensgeschichte des Grossherzogtums Luxemburg nach der Okkupation durch Nazideutschland am 10. Mai 1940, die am 30. August 1942 dekretierte Zwangsrekrutierung und den Generalstreik am nächsten Tag ebenso ein wie auf die Deportationen und das Massaker von Sonnenburg am 30. Januar 1945. Besondere Erwähnung fand in der Rede die von SS-Reichsführer Heinrich Himmler angeordnete Hinrichtung von zehn kriegsgerichtlich verurteilten luxemburgischen Zwangsrekrutierten als Vergeltung für den am 20. Juli 1944 -auch Tag des Stauffenberg-Attentates auf Hitler- von Refraktären in Junglinster erschossenen NS-Ortsgruppenleiter.

Botschafter Jean Graff dankte in seiner Amsprache den Verantwortlichen der Gedenkstätte Esterwegen und der Zwangsrekrutiertenföderation für die Organisation der Gedenkzeremonie. Er erinnerte an die fast 3.000 gefallenen Zwangsrekrutierten aus Luxemburg und die etwas mehr als 10.000 „Lëtzebuerger Jongen“, die zur Teilnahme am Krieg eines verbrecherischen Regimes gezwungen wurden. Angesichts der neuesten Entwicklungen sei es eine herausfordernde Aufgabe und Schuldigkeit der heutigen Generation, die Erinnerung an die Opfer von damals hochzuhalten.

Erny Lamborelle, Präsident der „Fédération des Enrôlés de Force Victimes du nazisme“, zeigte sich erfreut über die Wiederaufnahme der Kontakte zwischen Luxemburg und den Moorlagern des Emslandes. Angesichts neuester Erkenntnisse plädierte er für eine neue Studie über die Verhaftungen und Internierungen in den Moorlagern und die nachfolgenden Massaker von Sonnenburg und Lingen. Wiederholt beteuerte Präsident Lamborelle an die Adresse der „Lëtzebuerger Jongen“, die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurden: „Dir sitt net vergiess!“

Im Beisein von Bürgermeister Heinz Tellmann kam es auch in Lingen-Schepsdorf, wo sieben der zehn Zwangsrekrutierten in den Moorlagern als „Geisel in deutschem Gewahrsam“ wegen des vorerwähnten Attentates von Junglinster hingerichtet wurden, zu einer Kranzniederlegung, die mit dem Absingen der „Heemecht“ beschlossen wurde. (C.)

Text zum Foto:

Botschafter Jean Graff trägt sich bei der zentralen Erinnerungsfeier in das Goldene Buch der Gedenkstätte Esterwegen ein. (Foto: Jean Ferber)