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Die Gemeinde Frisingen während der beiden Weltkriege

Alle Bürgermeister, Schöffen und Räte von 1800 bis 2022.


Frisingen. Informativ und historisch wertvoll ist die Dokumentation, welche die Gemeindeverwaltung Frisingen gemeinsam mit Lokalhistoriker Marcel Mousel veröffentlicht hat. Im ersten Teil werden alle Gemeindeverantwortlichen nebst Gemeindesekretären und Einnehmern von 1800 bis heute namentlich aufgezählt. Im zweiten Teil werden Kriegsgeschehen aus den beiden Weltkriegen in den drei Ortschaften geschichtlich und anekdotenhaft beleuchtet.

So wurde die Bezeichnung „Maire“ oder „Bürgermeister“ erst im Jahre 1800 von Napoleon Bonaparte eingeführt. Nach der Einverleibung des ehemaligen Herzogtums durch die Franzosen nach der französischen Revolution in das Departement des Forêts wurde bis 1800 ein Gemeindevorsteher als „agent municipal“ bezeichnet.

Im zweiten Teil beleuchtet der Autor die Geschehnisse während der zwei Weltkriege. Mit dem Einmarsch in das Großherzogtum verletzte Deutschland im August 1914 die Neutralität des Landes, basierend auf die Bestimmungen der Londoner Vertrages aus dem Jahre 1867. Die Besetzung führte zu Lebensmittel- und Futterknappheiten, welche zu Rationalisierungen von Lebensmitteln und einem Blühen des Schwarzmarktes führte. In jeder Ortschaft entstand ein lokales Komitee für den Versorgungsdienst.

Die Lebensmittelknappheit führte zu Gaunereien. So wurde ein Milchproduzent aus Frisngen mit einer Geldbuße wegen des Panschens von Milch mit Wasser belegt.

Der zweite Weltkrieg

Mit einem Rückblick auf die 100-Jahrfeiern zur Unabhängigkeit des Landes im Jahre 1939 starten die Berichterstattungen um den 2. Weltkrieg. Angesichts der von Nazi-Deutschland ausgehenden Kriegsgefahren stand das luxemburgische Volk stolz zu seiner Unabhängigkeit. Gefeiert wurde in Frisingen am 30. April, in Hellingen am 15. Mai und in Aspelt am 21. Mai. Freiheitsbäume halten die Erinnerungen an die Feiern wach.

Anschließend befasst der Autor sich mit der sogenannten „drôle de guerre“, dem Sitzkrieg zwischen dem 1. September 1939 und dem 10. Mai 1940. Er beschreibt die Geschehnisse um den 10. Mai und die nachfolgenden Tage mit, von beiden Seiten durchgeführten militärischen Operationen und Scharmützeln, wie etwa der Beschießung von Hellingen durch die Franzosen.

Die Kriegswirren führten zu einem Exodus von etwa 50000 luxemburgischen Einwohnern nach Frankreich. Aus der Gemeinde Frisingen flohen etwa 250 Einwohner. Die Hälfte fand Aufnahme in Saint-Julien de Coppel in der Auvergne (F). Die daraus entstandene Freundschaft wurde mit einem Partnerschaftsvertrag am 13. Juli 2004 besiegelt.

Ebenso wird von Refraktären und Einwohnern aus der Gemeinde im aktiven Widerstand, von Umgesiedelten und Zwangsrekrutierten, Opfern und Unterdrückung bis zur Befreiung durch die Amerikaner berichtet. Mit der Operation „Bettembourg“ täuschten die US-Streitkräfte unter General S. Patton Jr. die Anwesenheit von 20000 US-Soldaten am Ort genannt „Mosselter“ bei Hellingen vor.

Auf der Flucht vor den Kriegswirren der Ardennenoffensive im Dezember 1944 fanden viele Flüchtlinge aus dem Ösling Aufnahme und Trost bei der lokalen Bevölkerung. Am 14. Juli 1946 machte Winston Churchill auf der Durchreise Station in Frisingen.

Die reich, mit viel unbekanntem Fotomaterial um die Zeitgeschehen bebilderte Dokumentation ist mit ihren 448 Seiten gegen die Zahlung von 45 Euro bei der Gemeindeverwaltung in Frisingen erhältlich. Wegen seines Gewichtes von 2,8 Kilogramm wird das Buch nicht per Post zugestellt.

Pierre Mousel via mywort