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Lebende Geschichte auf Schloss Vianden

Am 31. August und 1. September bekamen die Besucher von Schloss Vianden die Geschichte des Gebäudes auf hierzulande noch ungewohnte Weise präsentiert. „Lebende Geschichte“ bedeutet „Darstellung historischer Lebenswelten durch Personen, deren Kleidung, Ausrüstung und Gebrauchsgegenstände in Material und Stil möglichst realistisch der dargestellten Epoche entsprechen“ (wikipedia).

Im „grossen Saal“ (heute: „Rittersaal“) lebte die Zeit des ausgehenden 13. Jahrhunderts wieder auf, und dabei wurde an die Grafentochter Yolanda erinnert:

Yolanda entstammte einer der mächtigsten Familien Europas, und sollte dementsprechend nach den politischen Plänen ihrer Eltern Heinrich und Margaretha von Vianden günstig verheiratet werden. Doch Yolanda verspürte schon als Kind die Berufung zu Gott, und im jugendlichen Alter gelang es ihr nach heftigem und langandauerndem Steit mit Eltern und anderen einflussreichen Familienangehörigen, ins sehr arme Kloster Mariental einzutreten. Später sollte dieses Kloster unter ihrer Führung als Priorin aufblühen, und Yolanda blieb im luxemburger Volksgedächtnis in Erinnerung. Sie wird heute als Selige verehrt, ihr Schädel liegt in einem Reliquiar in der Viandener Trinitarierkirche.

Die Lebensgeschichte Yolandas wurde von einem Zeitgenossen, Herrman von Veldenz, schon kurz nach ihrem Tod niedergeschrieben. Erst vor einem Jahrzehnt wurde der „codex mariendalensis“ auf Burg Ansemburg wieder gefunden und befindet sich heute im luxemburger Staatsarchiv.

Letztes Wochenende konnten die Besucher von Schloss Vianden sehen, wie es in einer Schreibstube jener Zeit zuging. Die Verse der Yolanda-Dichtung wurden dort, mit Federkiel und Eisengallustinte, zu Pergament gebracht.

Gleich daneben konnte man zusehen wie aus einzelnen Blättern ein Buch entsteht.

Die Hauptattraktion im Raum waren aber die im Habit von Yolandas Orden (Dominikanerinnen) gekleideten Frauen welche an der 12 Meter langen Stickerei der Geschichte Yolandas beschäftigt waren. Auf der antiken Leinwand entsteht eine Abfolge von Szenen aus dem Leben Yolandas, welche den Kampf der jungen Grafentochter gegen die mächtige Familie zeigt, bis man ihr schliesslich den Eintritt ins Kloster gestattet. Wenn die Stickerei erst einmal fertig ist, kann man an den Bildern die Geschichte der Yolanda von Vianden lesen; eine Art früher „Comic“. Früher wurden solche Werke (wie etwa die Tapisserie von Bayeux) in Kirchen dem leseunkundigen Volk gezeigt.

Als Ergänzung und Gegenpol zu dieser bedächtigen Belebung im grossen Saal der Burg konnten sich die Besucher im Burghof mit Pfeil und Bogen versuchen.

Auch wenn die Stickerinnen das ganze Wochenende über fleissig gearbeitet haben, so bleibt doch noch sehr viel Arbeit bis die „Yolanda-Tapisserie“ fertig gestellt ist. Alle Beteiligten fiebern deshalb ungeduldig der nächsten Gelegenheit entgegen, die Leinwand wieder in den Hallen der Burg aufzuspannen und das grosse Werk fortzusetzen … und für die Besucher der Burg Vianden den Aufenthalt zu bereichern …