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„Hôpital intercommunal Steinfort“ - „Fachkompetenz, Lebensqualität, Respekt“

Ende des 19. Jahrhunderts entstand in Steinfort ein erstes Krankenhaus. Nach einem Neubau Ende der 1950er-Jahre war es einige Jahre später die erste Klinik in Luxemburg, die einen eigenständigen Bereich

für geriatrische Rehabilitation anbot und ist auch noch heute eine der führenden nationalen Einrichtungen auf diesem Gebiet. Heute wird das „Hôpital intercommunal Steinfort“ (HIS) eine neue Konvention mit dem „Centre hospitalier de Luxembourg“ (CHL) unterzeichnen, um die Zusammenarbeit weiter auszubauen, mit dem Ziel einer qualitativ noch höheren Dienstleistungskette auf medizinischer sowie pflegetechnischer Ebene und somit letztendlich zum Wohl des Patienten.

„Das ,Hôpital intercommunal‘ in Steinfort ist ein Krankenhaus, aber irgendwie doch nicht“, erklärt Syndikatspräsident und Bürgermeister Jean-Marie Wirth augenzwinkernd mit Verweis auf den Namen und die langjährige Geschichte der Klinik, ihre starke Verwurzelung in der Region sowie ihre derzeitige führende Rolle auf dem Gebiet der Altenpflege. Fakt ist, dass sich das Steinforter Krankenhaus seit seinen Anfängen von einer regionalen Einrichtung für akute medizinische Behandlung zu einem nationalen Vorreiter in Sachen Altenpflege und vor allem im Bereich der „Rééducation gériatrique“ entwickelt hat.

Ursprünglich von den Industrieunternehmern Collart noch in der Rue de Hobscheid ins Leben gerufen, war das Steinforter Krankenhaus vorrangig an den medizinischen Bedürfnissen der damaligen Fabrikarbeiter und ihrer Familien ausgerichtet.

Nach Rückgang der industriellen Aktivitäten in der Region wandelte sich die Klinik in den 1930er-Jahren zum Altenpflegeheim. In den 1950er-Jahren beschloss die Gemeinde Steinfort unter Bürgermeister Demy Steichen und auf Betreiben des einheimischen Arztes Dr. René Audry, den Bau einer neuen Klinik, um die medizinische Versorgung der regionalen Bevölkerung weiter zu gewährleisten. Das „Hôpital intercommunal“ der Gemeinden Steinfort, Hobscheid und Koerich (später noch Garnich und Saeul) wurde schließlich 1957 eingeweiht. Damals standen insgesamt 57 Krankenbetten, ein OP, ein Röntgenbereich sowie ein Analyselabor zur Verfügung.

Ab den 1970er-Jahren wurden in Steinfort erste kinesitherapeutische Behandlungen und geriatrische Rehabilitation angeboten, dies in enger Zusammenarbeit mit dem hauptstädtischen CHL. Knapp zehn Jahre später wurde der Akut-Betten-Bestand auf 30 heruntergesetzt, parallel aber 52 Langzeit-Pflegebetten eingerichtet. Im Oktober 1996 nahm dann im HIS der erste „Service de rééducation gériatrique“ des Landes seinen Betrieb auf. Im Jahre 2003 wurde die enge Zusammenarbeit des Steinforter Krankenhauses mit der Klinik in Luxemburg-Eich und dem CHL durch eine erste Konvention festgehalten.



Pflegedienstleistungskette

Ziel dieses Abkommens war es, eine Kette von Pflegedienstleistungen zu bilden zwischen dem Bereich der akuten Behandlung, also den behandelnden und operierenden Spitälern, und jenem Bereich, der sich der (älteren) Patienten nach ihrem Krankenhausaufenthalt annimmt, wie HIS-Generaldirektor Luc Gindt im Gespräch mit dem „Luxemburger Wort“ erklärt.

Damit war ein strukturierter Rahmen geschaffen, damit beispielsweise eine Person (über 65 Jahre), die einen Hüftbruch erlitten hat, nach OP und Aufenthalt im Krankenhaus, anschließend nach Steinfort verlegt wird, wo sie von kompetenten Fachkräften eine umfangreiche kinesitherapeutische Behandlung erfährt, sodass sie anschließend wieder in ihr altes Leben entlassen werden kann und dafür auch körperlich und psychisch gewappnet ist. Neben Krankheiten im orthopädischen Bereich (Prothesen usw.) werden in Steinfort aber auch Patienten mit Knochen- und Gelenkleiden, neurologischen Krankheiten und Gefäßerkrankungen von einer multidisziplinären Mannschaft aus Fach- und Allgemeinärzten, Krankengymnasten, Ergotherapeuten, Krankenpflegern, einer Ernährungsberaterin und einer Sozialarbeiterin betreut.

Im Jahre 2010 ergänzte das HIS sein Rehabilitationsangebot um eine Tagesstätte im Bereich der „Rééducation gériatrique“. Das „Hôpital de jour“ empfängt tagsüber Patienten und betreut sie auf gleicher therapeutischer Ebene wie die stationären Patienten, mit dem Unterschied, dass die „Hôpital de jour“-Patienten am Ende des Tages wieder in ihr Zuhause zurückkehren.

Spezialisiert ist die HIS-Mannschaft dabei auf jene Patienten, die altersbedingt gestürzt sind oder durch ihre körperliche Verfassung mit der ständigen Gefahr leben, solche Stürze zu erfahren.

Neben dem „Rééducation“-Bereich und seinen 30 Betten unterhält das HIS aber eben auch eine „Maison de soins“, also eine „herkömmliche“ Pflegeheim-Struktur, die zeitgleich 52 Personen aufnehmen kann.

Zudem betreibt das HIS ein „Centre de jour psycho-gériatrique“, das – wie der Name es schon sagt – ebenfalls eine Tagesstätte darstellt und gleichzeitig 23 Personen empfängt, die in ihrer psychischen oder physischen Autonomie eingeschränkt sind. Hier werden den Patienten nach individuell erstellten Therapieplänen verlernte Fähigkeiten wieder antrainiert, dies mithilfe von Ausflügen, Lesen, Schreiben, Musik sowie Hand-, Küchen- und Gartenarbeiten. Dieses Angebot umfasst neben sogenannten „actes de socialisation“ aber auch kinesitherapeutische Maßnahmen, wie HIS-Generaldirektor Luc Gindt unterstreicht. Vervollständigt wird das Gesamtangebot durch die enge Zusammenarbeit mit den Hilfsnetzwerken „Help“, „Hëllef doheem“ und „Camille“.

Als Vorteil gegenüber anderen Einrichtungen im „Rééducation“-Bereich sieht Luc Gindt den Umstand, dass das HIS autonom funktioniert: Das Team aus Fachkräften entscheidet in jedem Fall zuallererst, welche Betreuung ein Patient benötigt und ob er für ein Therapieprogramm in Steinfort geeignet ist. Daraus resultiert die Möglichkeit, dem individuellen Patienten eine adäquatere Pflege zukommen zu lassen. Durch das komplette Angebot des HIS stünden die Autonomie des einzelnen Patienten und die Behandlung auf zwischenmenschlicher Ebene zudem noch mehr im Vordergrund als bei anderen Strukturen, so der Generaldirektor.



Einzelzimmer geplant

In Hinblick auf die Zukunft sieht der HIS-Präsident und Steinforter Bürgermeister Jean-Marie Wirth vor allem Handlungsbedarf im Bereich der Zimmeraufteilung in der „Maison de soins“. Das HIS verfügt nämlich in der Hauptsache über Doppelzimmer, die, so Wirth, früher oder später in Einzelzimmer umgewandelt werden müssten. Daher werde man gemeinsam mit den nationalen Instanzen Wege ausloten, wie man dieses Vorhaben in die Tat umsetzen könne.

„Es ist einfach eine Frage der Lebensqualität und des Respekts. Denn der Respekt gegenüber älteren Mitmenschen steht bei uns im Vordergrund. Und dieser Respekt fängt bei den Infrastrukturen an, mit denen man diese Menschen bei sich aufnimmt“, betont Jean-Marie Wirth wohlwissend, dass eine solche Umstrukturierung einen größeren Um- bzw. Ausbau mit sich bringt.

Ausbau ist auch ein Stichwort, was „Rééducation“ und „Hôpital de jour“ betrifft. Bei diesen Strukturen sei nicht nur die Nachfrage sehr groß, auch die Erfolge würden laut Wirth für diese Einrichtungen sprechen, sodass auch in diesen Punkten Gespräche mit den zuständigen Ministerien über einen Ausbau des Betreuungsangebots geführt würden.

Als ebenfalls sehr erfolgreich sei das „Centre psycho-gériatrique“ einzustufen, das von vielen Patienten aufgesucht wird. Beim Rundgang mit dem „Luxemburger Wort“ durch die Struktur begegnete der Bürgermeister denn auch so manchen älteren Mitbürgern aus Gemeinde oder Region, womit sich der Kreis der ganz eigenen HIS-Geschichte schließt und man sich der starken Verwurzelung des Krankenhauses in der Region vollends bewusst wird.



www.his.lu