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Victorine Schaack-Graas feiert 100. Geburtstag

Das Stilbewusstsein eines echten „Minettsdapp“ hört mit 100 nicht auf. Als Familienministerin Corinne Cahen und der Merscher Schöffenrat zum Gratulieren kommen, trägt Victorine Schaack-Graas eine schicke, dezent gemusterte Bluse mit einer langen Perlenkette, ist gut frisiert und voller Tatendrang. In ihrem landesweit bekannten Café Schaack-Graas in Mersch gegenüber den ehemaligen Gerichts- und Gemeindegebäuden und dem heutigen Kulturhaus, empfängt die Hundertjährige, wie in sieben Jahrzehnten ihres aktiven Berufslebens gewohnt, in gemütlichem Ambiente die Geburtstagsgäste mit Getränken und Häppchen. Die Ministerin überbringt die Glückwünsche der großherzoglichen Familie und die Verdienstmedaille der Regierung. Die Jubilarin selbst hat viel zu erzählen und ihre berührenden Geschichten machen die Vergangenheit lebendig.

Geboren wurde die rüstige Hundertjährige an einem 19. Juli in Differdingen. Ihre Schwester ist 18 Monate jünger. Als junges Mädchen arbeitete sie in Paris und Brüssel und anschließend beim Richter Heuertz in der Stadt. In den Kriegsjahren lernte Vicky Graas auf dem Hingerhaff bei Mersch ihren späteren Ehemann, den Bäckermeister und Wirt Arnold Schaack, kennen. Mit verschmitztem Lächeln erzählt sie von ihrer Hochzeitsreise, welche die beiden im kalten Winter 1944 per Fahrrad von Differdingen nach Mersch in die Rue Grand-Duchesse Charlotte antraten, wo sie alsdann das Café und die Bäckerei betrieben.

Unter all den Erinnerungen hebt die Jubilarin ihren einzigen Wirtsprotokoll hervor, erstellt zu später Stunde am 20. April 1955 anlässlich der Feiern zur Geburt des heutigen Großherzog Henri. 1095,85 Franken habe er gekostet, erinnert sich die Wirtin und der großherzogliche Hof habe die Demande en Grâce abgelehnt.

Nachgefragt gibt sie das Geheimnis ihres Altwerdens bekannt: möglichst oft mit guten Freunden bei einem “Lëtzebuerger Pättchen a Lëtzebuerger Ham” über alte Zeiten sprechen. “Dat hëlleft garantéiert, gleewt mir”, so eine resolute Hundertjährige. Keiner widersprach.