Change Edition

„Kein Krimi mit Revolverhelden sondern Lichtglanz am Ende des Tunnels“

Der 150. Kreuzweg der Trierer Bürger stand im Zeichen der Verbundenheit mit den Katholiken aus dem benachbarten Großherzogtum – Dompropst Georges Hellinghausen wirft facettenreiche Blicke auf das Kreuz


Luxemburg/Trier. Eigentlich hätte der 150. Kreuzweg der Marianischen Bürgersodalität Trier 2020 stattfinden sollen, und dies zeitgleich mit dem 150. Jubiläum der Gründung des (Erz-)Bistums Luxemburg. Pandemiebedingt mußte der traditionsreiche Kreuzweg der Trierer Bürger auf dieses Jahr verschoben werden. Unter Einhaltung der Hygieneregeln und Maskenpflicht hatten sich am Palmsonntag rund 100 Teilnehmer am Fuße des Trierer Petrisberges versammelt, um den im 19. Jahrhundert angelegten Stationsweg zur Kapelle „Zum Kreuzchen“ zu beten.

In Anwesenheit des Trierer Bischofs Stephan Ackermann, seines Weihbischofs Robert Brahm, dem Dompropst Werner Rössel sowie dem Luxemburger Dompropst Georges Hellinghausen blickte Pfarrer Ulrich Laux, Präses der Marianischen Bürgersodalität Trier, zu Beginn der Feier auf ein Stück trierisch-luxemburgische Geschichte: Die Kongregationskirche der 1610 gegründeten Gebetsgemeinschaft war einst im Besitz der Welschnonnen, die sich von Luxemburg aus in Trier niedergelassen hatten. In der Stadt Luxemburg steht sozusagen die Welschnonnenkirche 2.0., die rund 20 Jahre später nach dem Modell des Trierer Barockjuwels errichtet wurde. In seiner Ansprache konnte Präses Laux verkünden, dass die Innensanierung der Trierer Welschnonnenkirche, die einst vom Trierer Bischof Eberhard als „heilige Arche“ bezeichnete wurde, nach Ostern beginnen wird. Anschließend lud der Rektor der Welschnonnenkirche die Teilnehmer ein, den Kreuzweg vor dem Hintergrund der Pandemie, der Amokfahrt vom vergangenen Dezember sowie den schmerzlichen Trennungen, die unsere Gesellschaft zur Zeit durchlebt, zu gehen und all diese Anliegen wortwörtlich mit auf den 265 Meter hohen Petrisberg zu nehmen.


"Das Kreuz ist der Schlüssel zu dem, wofür wir bestimmt sind"


In seinem geistlichen Impuls ging Msgr. Georges Hellinghausen, Dompropst des Kapitels der Kathedrale von Luxemburg, zunächst auf den brutalen Realismus des Kreuzes ein. Um das Kreuz als Folter- und Tötungsinstrument zu veranschaulichen, erzählte er folgende Szene: „Fragt ein Junge einen Pfarrer: ‚Da auf eurem Altar steht ein Kreuz. Wenn die damals Jesus erschossen hätten, würdet ihr dann einen Revolver aufstellen?’ Und ich ergänze: Dann würden wir womöglich hier anstelle eines Kreuzweges einen Krimi mit Revolverhelden inszenieren. Gute Frage jedenfalls, der Junge hatte recht. Das Kreuz ist widerlich, es ist schockierend. Die Frage nach dem Revolver öffnet uns wieder die Augen für das, was damals passiert ist.“, so Georges Hellinghausen, der die Zartheit des Gekreuzigten der Brutalität der Welt entgegensetzt und ergänzend sagt: „Der Kreuzweg, den wir durchbeten und pietätvoll nachempfinden werden, ist eine einzige Dramaturgie, die bedrohlicher und brutaler nicht sein könnte“. Jesus sei nicht der einzige Kreuzträger, denn auf jedem Menschenleben würde ein Kreuz liegen. Zu diesen Lebenskreuzen zählt der Geistliche aus Luxemburg auch die Entbehrungen und das Leid im Rahmen der Corona-Pandemie.

Doch sei das Kreuz nur eine Zwischenetappe: „Von Christus ausgefüllt und ausgeleuchtet, ist das Kreuz eines jeden Menschen der Schlüssel zu dem, wofür wir bestimmt sind, nämlich das ewige Leben, das Leben in Fülle, ohne Abstriche, das Leben im Überfluss, in Gott und bei Gott, in seinem Lichtglanz.“, so der Luxemburger Dompropst am Ende seiner zündenden Ausführungen.

Anschließend stiegen die Teilnehmer bei strahlendem Frühlingswetter in kleineren Gruppen den Petrisberg hoch, vorbei an den kunstvoll gestalteten 14 Kreuzwegstationen, wo Vorbeter die von Georges Hellinghausen erwähnte Dramaturgie mit Worten der Heiligen Schrift auslegten. Vor der 1844 errichteten Kapelle „Zum Kreuzchen“ erteilten Präses Ulrich Laux und Dompropst Georges Hellinghausen den Schlusssegen. Marc Jeck