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Hundert Jahre Pfarrei Limpertsberg

(JM) - Durch Beschluss von Bischof Nicolas Adames vom 10. März 1875 war das Limpertsberger Plateau in die Pfarrei Liebfrauen eingegliedert worden. Vorher unterstand es in kirchlicher Hinsicht den Pfarrern von Siebenbrunnen und Weimerskirch.

Mit dem Beschluss, eine Kirche mit angrenzendem Pfarrhaus in Limpertsberg zu bauen, hatte der hauptstädtische Gemeinderat im Jahr 1909 dem Wunsch der Bevölkerung nach einer eigenen Kirche und einer eigenständigen Pfarrei Rechnung getragen. Die Distanz von ein bis zwei Kilometer vom Limpertsberg zur Liebfrauenkirche erschwerte vielen Einwohnern, vor allem älteren Leuten, die Ausübung ihrer religiösen Pflichten.

Am 28. Mai 1911 war die offizielle Grundsteinlegung für den neuen Kirchenbau nach Plänen von Stadtarchitekt Nicolas Petit. Bereits im Jahr 1910 hatte der Unternehmer Giorgetti mit den Bauarbeiten begonnen.

1912 zählte das Limpertsberger Plateau rund 3 000 Einwohner mit zehn Schulklassen, davon neun Primärschulklassen und eine Oberprimärklasse für Jungen, mit insgesamt 362 Schülern. Die katholische Bevölkerung auf dem Gebiet der neu zu gründenden Pfarrei betrug 2 499 Seelen.

Bischof Jean-Joseph Koppes schloss sich dem Gutachten der Kirchenfabrik von Liebfrauen an, der die Errichtung einer eigenständigen Pfarrei auf Limpertsberg befürwortete, sich aber einstimmig gegen die Übertragung eines Vikargehaltes auf die neue Pfarrei aussprach. Die Pfarrei Liebfrauen sollte ihre sechs Vikare behalten, wie es schon vor der Eingliederung des Limpertsberg der Fall war. Auch die Glacis-Kapelle sollte weiterhin zur Pfarrei Liebfrauen gehören.

Im März 1912 nahm auch der hauptstädtische Gemeinderat die Vorschläge der Kirchenfabrik von Liebfrauen für die Errichtung einer neuen Pfarrei an. In der Kammersitzung vom 17. Juli 1912 wurde das Gesetzprojekt zur Errichtung der Pfarrei Limpertsberg mit 31 gegen drei Stimmen angenommen und vom zweiten Votum entbunden. Berichterstatter war der liberale Abgeordnete Edouard Hemmer.

Durch großherzoglichen Beschluss vom 7. August 1912 wurde die durch das Gesetz vom selben Tag vorgesehene, mit einem Desservantengehalt von 1 725 Franken und einem Vikarsgehalt von 1 250 Franken auf die Staatskasse ausgestattete Pfarrei in Limpertsberg errichtet. Die Grenzen der neuen Pfarrei wurden wie folgt festgelegt: „Die neue Pfarrei begreift den Limpertsberg bis an die Grenzen der Pfarreien von Rollingergrund, Weimerskirch und Liebfrauen. Die Grenze zwischen der letzteren und der neuen Pfarrei bilden, vom Eicherberg aus, der Park der Pescatorestiftung bis zum Rondpoint, der Marktplatzring bis zur Fayencerieavenue, endlich der Liebfrauenkirchhof bis an die Grenzen von Siebenbrunnen am Berg nach Rollingergrund.“

Bereits am 2. August 1912 wurden Jean-Baptiste Bormann, Vikar zu Luxemburg-Glacis, zum Pfarrer von Limpertsberg und Neupriester Hubert Neyens aus Consdorf zum Vikar von Limpertsberg ernannt. Erst am 17. September 1912 wurde die neue Pfarrei durch bischöfliches Dekret errichtet.

Zu Mitgliedern der neu errichteten Kirchenfabrik in Limpertsberg wurden Obergerichtshofschreiber Antoine Gillen, Bürochef Léon Lang, Unterbürochef Pierre Weber, Stadtrat Victor Wirion und Rosenzüchter Jean Ketten ernannt.

Durch einen Beschluss von Bischof Pierre Nommesch vom 24. September 1934 wurden die Grenzen der Pfarrei Limpertsberg gegen Siebenbrunnen und Weimerskirch neu festgelegt.

Acht Pfarrer und 19 Vikare haben in der hundertjährigen Geschichte der St.-Joseph-Pfarrei segensreich auf Limpertsberg gewirkt. Nächstes Jahr wird auch die im neoromanischen Stil erbaute St.-Joseph-Kirche, die am 30. April 1913 feierlich konsekriert wurde, 100 Jahre alt. Auch der Limpertsberger Cäcilienchor, der 1913 als Männerchor gegründet wurde, wird sein 100-jähriges Bestehen feiern.

Foto: Gerry Huberty