Change Edition

Das „Stop Littering“-Projekt der Regionalschule Obersauer

Eine Aktion gegen den Müll

„Das zunehmende Vermüllen unserer Landschaft, insbesondere entlang der Straßen, ist ein Resultat unserer Wegwerfgesellschaft. Was kann man dagegen tun?“ Mit dieser Frage hat sich die beratende Energie-, Umwelt- und Klimakommission der Stauseegemeinde beschäftigt. Ein möglicher Ansatz, damit in Zukunft weniger Müll neben den Straßen landet, stellt die Aufklärungsarbeit bei den Jugendlichen dar – denn sie sind unsere Zukunft! Deswegen hat die Umweltkommission, unter der Führung von Frau Esméralda Tock, zusammen mit den Lehrern der Regionalschule Obersauer in Harlingen, der ANF (Administration de la Nature et de la Forêt) und dem Naturpark Obersauer das Projekt „Stop Littering“ ins Leben gerufen. Hauptakteure bei diesem Projekt waren die Schüler aller Cycles der Regionalschule in Harlingen und speziell die Schüler der Umwelt-AG.

David Marth (Président du Comité d’école) hat im Rahmen des „Éveil aux sciences“ mit den Schülern des Cycle 3 und der Natur-AG des Cycle 4 das Thema „Müll“ aufgearbeitet. Der erste Schritt bestand darin, auf folgende Fragen eine Antwort zu finden: Was ist Müll? Wie kann man Müll vermeiden oder zumindest vermindern, auch im Schulalltag? Was wird unter Wertstoffen verstanden und wie werden sie recycelt?


Neben der theoretischen Aufarbeitung des Themas „Stop Littering“ wurden die Schüler auch praktisch aktiv. Fünf Gitterboxen, die vom technischen Dienst der Stauseegemeinde bereitgestellt wurden, haben die Jugendlichen mit Pet-Flaschen und Aluminium-Dosen gefüllt, um diese neben den Straßen zu positionieren. Großflächige Plakate, die unter der Leitung von Anne Scheer des Naturparks Obersauer produziert wurden und deren Motive von Schülern aller Klassen entworfen wurde, sollen die Autofahrer darin erinnern, ihren Müll nicht aus dem Fenster zu schleudern, sondern in die dafür vorgesehenen Tonnen zu entleeren. Die Holz-Rahmen der Plakate wurden vom Förster Jeannot Huijben mit seinen Arbeitern realisiert. Die Plakate mit den Gitterboxen werden in den drei Gemeinden des Schulsyndikats (Bauschleiden, Stauseegemeinde, Winseler) aufgestellt. Auch auf dem Schulgelände wird eins der Plakate die Kinder an die Aktion erinnern. Die Plakate beinhalten Müllfotos oder Zeichnungen, die von den Schülern angefertigt wurden. Die besten Plakate wurden durch eine Jury prämiert, welche sich aus Vertretern der Umweltkommission, des Naturparks Öewersauer, der Lehrerschaft und den Schülern der Umwelt-AG zusammensetzte.


Wie sehen die Schüler des Comité der Natur-AG, unter der Leitung von Jacques Kass, das Thema „Littering“? Nachfolgend die Gedanken von Can Güler, Šeyla Bešić, Alexa Gaudron, Soraya Güler, Sarah Leunessen und Talha Bosnjak:

Über mehrere Wochen hat die Natur AG mit Hilfe mehreren Klassen und Organisationen (Forstverwaltung, Gemeindeverwaltungen, Naturpark, ...) das Projekt Littering (Vermüllung) auf die Beine gestellt. Wir haben Wettbewerbe organisiert und Aktivitäten gemacht bei denen jeder viele neue Dinge gelernt hat. Bei diesem Wettbewerb ging es um Flyer und Bilder die um das Thema Littering handeln. Einige Bilder dieses Wettbewerbes werden in unserer Schule und sogar am Straßenrand aufgehängt um jeden darauf aufmerksam zu machen, wie schädlich unser Abfall doch ist. Schließlich gibt es Plastikinseln die mit ihrer Fläche fast so groß wie Europa sind. Šeyla hat auch eine Vorstellung über diese Plastikinseln im C3 gehalten. Wir haben auch gemeinsam in Klassen unseren Schulhof entmüllt um heraus zu finden wer am meisten Müll liegen lässt. Die Schüler oder andere? Herausgefunden haben wir, dass nicht wir alleine für den Müll um unsere Schule zuständig sind.“


Reden ist gut – aber handeln ist noch besser. Auch aus pädagogischer Sicht sinnvoll:

Vom Greifen zum Begreifen.

Deswegen führten die Schüler und Lehrer Säuberungsaktionen auf dem Gelände der Schule und entlang verschiedener Straßen in Harlingen durch. Vor allem auf dem Fußballplatz wurde viel Müll (Pet-Flaschen, Dosen) eingesammelt. Die Kinder der Natur-AG haben ein Flyer entworfen, welches die Einwohner der drei Gemeinden des Schulsyndikats zur aktiven Teilnahme an den Säuberungsaktionen „Grouss Botz“ aufforderte. So wurde nach der „Grouss Botz” der Stausee-Gemeinde ein Teil der gesammelten Mülltüten auf eine große Plane entleert. Alle Jugendlichen trennten nach Pet-Flaschen und Dosen und füllten diese in die dafür von dem technischen Dienst der Stausee-Gemeinde bereitgestellte Gitterbox ein. Der während der Säuberungsaktion der Gemeinde Bauschleiden gesammelte Müll wurde auf einem Anhänger vom technischen Dienst zur Regionalschule in Harlingen gebracht und anschließend von den Schülern des Cycle 3 und 4 sortiert: getrennt wurden Pet-Flaschen, Dosen, Glas, Polyethylen-Folien (PE-LD 4) und Metall. Alles, was nicht in diese Kategorien passte, wurde als Restmüll entsorgt. Eines viel bei dieser Aktion besonders auf: vor allem Pet-Flaschen und Metalldosen landen in der Natur anstatt in dem dafür vorgesehenen Platz auf dem Wertstoffhof.


Projektabschluss und Ausblick.

Am 14. Juli 2017 wurde das Projekt offiziell eingeweiht und der Öffentlichkeit vorgestellt. In seiner Rede ging Romain Schroeder (Präsident des Schulsyndikats der Regionalschule Obersauer) auf die Müllproblematik entlang Luxemburgs Straßen ein. In der Tat landen jährlich über 100 kg Müll pro Kilometer entlang den Autobahnen und mehr als 200 kg Müll pro Kilometer werden entlang der Nationalstraßen eingesammelt. Danach unterstrich David Marth, dass dieses Projekt keine „One-Shot-Aktion“ war, sondern im Rahmen der „Naturparkschoul“ pädagogisch und praktisch aufgearbeitet wurde. Für ihn an erster Stelle steht die Müllvermeidung. Man merkt, dass die Kinder sensibler für den Müll entlang der Straßen geworden sind. Das Projekt hatte auch einen nachhaltigen Einfluss auf das diesjährige Schulfest: hier wurde vor allem auf Porzellan und Metallbesteck anstatt Plastik zurückgegriffen. Der Präsident des Naturparks Obersauer, Charel Pauly, würdigte dieses Projekt mit Hinblick auf Luxemburgs größtes Trinkwasserreservoir: den Obersauer Stausee. Eine saubere Umwelt kommt also nicht zuletzt der Wasserqualität des ganzen Landes zu gute. Esméralda Tock von der Umweltkommission sprach den Schülern und Lehrern ihren Respekt für das Gelingen dieses Projekts aus. Sie wünschte sich, dass alle Anwesenden den positiven Einndruck dieses Projekts mit nach Hause nehmen und mit der Familie und Freunden teilen würden. Zum Schluss ging die Schulinspektorin Laurence Zeien darauf ein, dass die Schulgemeinschaft nicht nur Kenntnis von der Müllproblematik nahm, sondern reagierte und aktiv wurde. Ihr war es zu Beginn nicht bewusst, welches Ausmaß dieses Projekt annehmen würde: sowohl die Lehrer aber vor allem die Schüler können stolz auf ihre Arbeit sein.


Alle beteiligten Schüler der Aktion „Stop Littering“ sind sich einig: sie fordern die Landespolitiker auf, endlich ein Pfand auf Dosen und Pet-Flaschen einzuführen und damit Verantwortung für eine saubere Umwelt zu übernehmen. Alle Erwachsenen sollten eigentlich Vorbilder für unsere Jugend sein. Eigentlich. Die Kinder der Regionalschule Obersauer machen es uns vor. Macht bitte weiter so!


Text und Fotos: Alain Weiler (Sekretär der beratenden Umweltkommission der Stauseegemeinde)