Change Edition

„MeteoLux“: Wetterdienst mit Sitz am Findel schafft Leitlinien für effizientere Vorhersagen


Ob Schnee, Sturm oder gar Radioaktivität – damit Bürger wie Profis, für deren Arbeit die Wettervorhersagen entscheidend sind, noch besser informiert und gegebenenfalls gewarnt werden können, setzt der seit gestern offiziell „MeteoLux“ genannte Wetterdienst auf bessere Kommunikation unter denen, die im Land Wetter- und Klimadaten erheben, auf gezielteren Service und auf klare Prozeduren bei Wetter- und Klimawarnungen.

Noch ist der Prozess längst nicht abgeschlossen. Der Name „MeteoLux“ dient zunächst einmal nur dazu, für Außenstehende sichtbarer zu werden, bekennt der Leiter der bisher eher als „Flugwetterdienst“ bekannten Institution, John Santurbano. Schon längst ist das gleichnamige Internetportal Insidern und Wetterspezialisten im Land ein Begriff. Doch geht es Santurbano um mehr: „Wir sind eben nicht nur ein Flugwetterberatungsdienst, aus dem wir hervorgegangen sind, sondern sehen uns als Dienstleister für die breite Öffentlichkeit.“

Mit einer Konferenz rund um die Meteorologie, in Anwesenheit von Nachhaltigkeits- und Infrastrukturminister Claude Wiseler, setzten die Verantwortlichen gestern ein deutliches Zeichen für neue Weichenstellungen bei der Erhebung und Weitergabe von Wetter- und Klimadaten. „Schon seit Jahrzehnten macht man Vorhersagen für die Bevölkerung im Allgemeinen, die Landwirtschaft und die Fliegerei – das ist nicht neu. Und natürlich haben wir immer schon Warnungen ausgegeben und viele Klimadaten erfasst. Die Idee ist allerdings jetzt, dass wir das ein wenig standardisieren, formalisieren und es vielleicht sogar in einem Gesetz definieren, wie genau die Datenerfassung und Lieferung neu geregelt werden kann“, so Santurbano.

Zielgerichtete Datenerfassung und Weitergabe

War denn die bisherige Abstimmung unter den verschiedenen Behörden so schlecht? „Richtige Schwierigkeiten gab es an sich nicht“, so Santurbano, „aber es gab keine Regeln dafür, wer wen wann richtig berät. Zum Januar 2013 bekommen wir dafür klare Prozeduren, die zum Beispiel bei Unwetter und Wetterwarnungen klar eingehalten werden müssen.“

Durch die rechtzeitige und klar einschätzbare Warnung vor der Schnee- und Winterwetteroffensive des bisherigen „Service météorologique de l'Administration de la navigation aérienne“ hätte zum Beispiel die „Administration des Ponts et Chaussées“ sehr viel besser mit Arbeitsplänen und detaillierten Maßnahmen reagieren können, betonte Minister Wiseler. „Das ist schon jetzt, weit vor den weiteren Maßnahmen, ein spürbares Ergebnis der besseren Verzahnung zwischen denen, die Wetterdaten liefern, und denen, die sie dringend benötigen“, betonte er im Rahmen der „Conférence sur la météorologie“ in Luxemburg-Kirchberg.

Grundlage für die weiteren Schritte sind die Ergebnisse einer von „MeteoLux“ und dem CRP Henri Tudor zusammengetragenen Studie, die einerseits nach neuen Möglichkeiten forschte, wie die von unterschiedlichen Behörden gesammelten Daten besser kommuniziert werden können, oder auch, welche Werte und Einschätzungen zu welchen Zeitpunkten an verschiedenen Stellen gebraucht werden. Ozon-Werte für die Gesundheitsbehörden, langfristige Klimastudien für die Landwirtschaft oder die Forschung an der Universität – Möglichkeiten für Kooperationen gäbe es viele. Entscheidend sind dabei aber auch die Fragen nach der Zeitperspektive und Verlässlichkeit von Prognosen; das würde auch von qualifiziertem Fachpersonal und einer breiteren Nutzung der bestehenden Messstationen abhängen.

Am Beispiel des vergangenen Wochenendes zeige sich, dass man aus den Erfahrungen gerade auch mit den winterlichen Straßenverhältnissen gelernt habe. Und auch, dass es nicht nur für die Wirtschaft, ob Landwirtschaft oder Versicherungswirtschaft, sondern gerade auch für jeden Bürger Luxemburgs entscheidend sein kann, bestmöglich gerade auch bei Warnungen vor schweren Wetterlagen informiert zu sein, so Minister Wiseler.

Mittelfristig sollen sich nach der ersten Phase der Erhebung „Synergien“ herausbilden, bei denen die verschiedenen Behörden und Experten eine Art offenes Netzwerk schaffen sollen, das seine Daten und sein Fachwissen möglichst passgenau für jeden Interessierten anbieten könne – und wie Santurbano betont, „ohne dazu neue Kosten zu verursachen“. Vielleicht schafft es das professionalisierte Netzwerk sogar, neue Einnahmequellen zu erschließen: auch wenn es nicht konkret ausgesprochen wurde, wurde in der Konferenz deutlich, welchen Wert die Wetter- und Klimainformationen besitzen. Dass langfristig auch über neue Angebotsmodelle und Dienstleistungen für zahlende Kunden neben der optimalen Grundversorgung für die breite Bevölkerung und Notfallpläne hinaus nachgedacht werden könnte, spielt sicher in den kommenden Beratungen eine Rolle.

VON DANIEL CONRAD