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Erbgroßherzog Guillaume besucht Volontäre im SNJ-Zentrum

Eine andere Kultur kennenlernen, den Horizont erweitern, Erfahrungen sammeln sind nur einige der Gründe, die junge Volontäre angeben, um ihre Entscheidung, einige Monate im Ausland zu leben und zu arbeiten, zu begründen. Vergangenen Donnerstag hat Erbgroßherzog Guillaume im SNJ-Zentrum Osterbour in Fels junge Menschen getroffen, die über ihre Erfahrungen mit dem „Service volontaire“ berichtet haben. 2010 haben in Luxemburg fast 150 Jugendliche an solchen Volontariatsprogrammen teilgenommen.

Der „Service volontaire“ des „Service national de la jeunesse“ (SNJ) ermöglicht es jungen Menschen unter 30 Jahren, sich an konkreten Projekten in Luxemburg und im Ausland zu beteiligen. Dies bedeutet, dass der Volontär zwischen drei und zwölf Monaten in einer Organisation in einem Land seiner Wahl arbeitet. Bezahlt wird er für seine Arbeit zwar nicht, aber darum geht es bei einem Volontariat auch nicht. Ziel ist es, jungen Menschen die Möglichkeit zu bieten, neue Erfahrungen zu sammeln, andere Kulturen kennenzulernen und sich gemeinnützig zu betätigen. Die Kosten für diese Auslandsaufenthalte übernehmen, je nachdem, der luxemburgische Staat oder die Europäische Union.

Im Rahmen einer Weiterbildung des SNJ hat Erbgroßherzog Guillaume im Centre Osterbour in Fels vier ehemalige, aktuelle und zukünftige Volontäre getroffen, die ihm von ihren Erfahrungen berichtet haben. Béliza Mendes hat vor drei Jahren am „Service volontaire européen“ teilgenommen und hat ein Jahr lang in Prag gelebt und gearbeitet. „Ich wollte berufliche Erfahrungen sammeln, eine andere Kultur und auch mich selbst besser kennenlernen“, erzählte die 29-Jährige, die in Straßburg Spanisch und Englisch studiert hat. Ihr Volontariat hat sie bei der NGO „Duha“ absolviert, wo sie Freizeitaktivitäten für Kinder organisiert hat. „Ich habe jetzt zwei neue Familien: eine tschechische Familie mit meinen Arbeitskollegen bei Duha und eine europäische mit den anderen Volontären, die ich in Prag kennengelernt habe. Europa ist für mich jetzt kleiner geworden“, meinte sie.

Rui Miguel Fernandes Dionisio hat all diese Erfahrungen noch vor sich. Er wird für sechs Monate für TransFair-Minka mit einer Kaffee-Kooperative in Peru zusammenarbeiten. „Es interessiert mich sehr, im Bereich der Kooperation tätig zu sein, zudem möchte ich herausfinden, ob ich alleine, weit weg von Familie und Freunden, klar- komme“, so der 28-Jährige.

Ausländische Volontäre in Luxemburg

Edinho Dos Santos Texeira absolviert sein Volontariat in einer Kinderbetreuungseinrichtung in Walferdingen. Nach der 9e hat er die Schule abgebrochen und danach keinen Arbeitsplatz gefunden. Ein Cousin hat ihm daraufhin geraten, sich beim SNJ einzuschreiben. „Mir macht die Arbeit in der Maison relais wegen des Kontakts mit dem Personal und den Kindern sehr viel Spaß. Ich könnte mir gut vorstellen, später einmal den Beruf des Erziehers zu ergreifen“, erklärte der 22-Jährige.

Dass Luxemburg für ausländische Volontäre interessant sein kann, bewies Ekaterina Belousova. Die junge Russin lebt seit sieben Monaten im Großherzogtum und arbeitet als Volontärin bei der Studentenvereinigung Lisel. „Ich mache gerade eine wunderbare Erfahrung und habe in den vergangenen Monaten sehr viel gelernt. Luxemburg ist ein großartiges Land“, schwärmte sie.

Zwei ihrer Volontärkollegen, eine Polin und ein Franzose, arbeiten im nationalen Militärmuseum in Diekirch. Dort helfen sie unter anderem im Archiv oder bei den Museumsführungen für Besuchergruppen. „Sie lernen von uns, doch wir lernen auch sehr viel von ihnen“, betonte Guy Lentz, vom Nationalmuseum. Rund 150 junge Menschen haben vergangenes Jahr in Luxemburg an Volontariatsprogrammen teilgenommen. Georges Metz, Direktor des SNJ, bedauerte, dass nur wenige Jugendliche in Luxemburg an solchen Initiativen teilnehmen. „Es gibt mehr junge Leute, die ins Großherzogtum kommen, als junge Luxemburger, die einen Auslandsaufenthalt machen“, so Metz. Dies ist umso unverständlicher wenn man bedenkt, dass der luxemburgische Staat die Kosten für solche Aufenthalte übernimmt. (Text: Tatjana Konieczny / Fotos: Guy Jallay)