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Der Echternacher Willibrordus-Bauverein besteht seit 150 Jahren

Für den Willibrordus-Bauverein aus Echternach stehen die kommenden Tage ganz im Zeichen der Feierlichkeiten zum 150. Jubiläum. Der Verein, der anfangs unter anderem gegründet wurde, um den Aufbau der früheren Klosterkirche zu fördern und zu unterstützen, hat in den vergangenen Jahren auch einen wichtigen Teil zum Erhalt des Willibrordus-Kultes geleistet.

Während der Jahreshauptversammlung des Willibrordus-Bauvereins am 15. Februar 1959 betonte Sekretär Georges Kiesel, dass es „in keinem Verein in der Stadt so wenig Möglichkeiten gibt vor der Öffentlichkeit zu glänzen und andererseits in keinem Verein soviel selbstloses Interesse, soviel tätige Mithilfe erwartet wird.“ Dass diese Worte auch heute noch Gültigkeit haben, bestätigt Präsident Pierre Kauthen in der aktuellen Jubiläumsbroschüre: „Was aber die wahre Größe des Vereins ausmacht, ist die Kleinarbeit, die im Laufe des Jahres geleistet wird. In den Anfangsjahrzehnten war es die Sorge um die Basilika, die nach ihrer Konsekration im Jahre 1868 immer wieder neue Mängel und Schäden aufwies. Es war auch die Mühe, genügend Finanzmittel herbeizuschaffen, um die notwendigen Arbeiten ausführen zu können. Und wenn sogar die Notablen der Stadt, die auch Mitglieder des Vereins waren, sich nicht scheuten, bei der jährlichen Kollekte an die Türen zu klopfen, um Spenden einzusammeln, so war dies nicht um zu glänzen, sondern bewundernswerter Aufopferungswille im Dienst einer guten Sache.“ Und gerade die „gute Sache“ war der Grund für die Schaffung des Willibrordus-Bauvereins. Immerhin galt es, die Basilika, die sich, wie Bauingenieur Anton Hartmann damals schrieb, „in einem wüsten und desolaten Zustand“ befand, vor dem Verfall zu retten.

Rückblick auf die 150 Jahre Vereinsgeschichte: Am 25. Dezember 1861 versammeln sich mehrere Echternacher Bürger, die sich zur Gründung eines Willibrordus-Bauvereins und der Aufstellung von Statuten entschließen sowie einen provisorischen Vorstand bilden. Zu den Aufgaben zählen der Erwerb der beiden Teile der früheren Klosterkirche, das Sammeln von Geld für den Wiederaufbau und „jede andere wirksame, der Kirchenfabrik zu leistende Beihilfe“. Am Pfingstmontag, dem 9. Juni 1862, findet die erste Generalversammlung mit 152 Teilnehmern statt. Erster Präsident wird Notar J. Baldauff. Zum Fest des heiligen Willibrord, am 7. November 1862, ist das erste Ziel erreicht und die Basilika gehört der Kirchenfabrik. Am 2. Februar 1863 wird Bauingenieur Anton Hartmann zum „dirigierenden Baumeister der Basilika“ ernannt. Und damit starten auch für den Willibrordus-Bauverein die Aufbauarbeiten. Um die Kosten für die Instandsetzung zu finanzieren, sammeln die Mitglieder Geld. Im Herbst 1867 wird die erste Bauphase abgeschlossen. Ein Jahr später wird die Konsekration der Basilika zusammen mit dem 50. Priesterjubiläum von Dechant Peter Thomas gefeiert. Ab Mai 1869 können die Sonntagsgottesdienste bereits im renovierten Gotteshaus zelebriert werden. Kurz: Bereits zu diesem Zeitpunkt hat der Bauverein Großes geleistet und die anfangs vorgesehenen Aufgaben mit Bravour erfüllt. Allerdings benötigt es die Unterstützung der Mitglieder wiederum, um die Kirche zu einer Grabkirche des heiligen Willibrords auszurichten; immerhin ruhen dessen Gebeine seit 1828 in der alten Pfarrkirche.

1902 beginnen die Vorbereitungen für die Gestaltung des Grabmals des Heiligen. Am Pfingstmontag, dem 4. Juni 1906, werden dessen Gebeine in einer feierlichen Prozession in einem Sarg aus Palisanderholz in die Basilika getragen.

In den kommenden Jahren trägt der Willibordus-Bauverein einen Teil der Kosten für den Unterhalt der Basilika, wie Reparaturen am Dach, die Reparatur der Turmkreuze, die Erweiterung der Beleuchtungsanlage und die Modernisierung der Heizung. Nach der Innenrenovierung der Basilika wird der Sarg des heiligen Willibrord in die neu geschaffene Confessio gesenkt. Was damals noch niemand ahnte: Das Grabmal befindet sich nur wenige Meter neben dem ersten Bodengrab von 739 in der merowingischen Klosterkirche (1949 werden die Grundmauern dieser Kirche freigelegt). Am 1. Mai 1939 erhebt Papst Pius XII. die Abteikirche Sankt Willibrord in den Rang einer päpstlichen Basilika.

Während der Kriegswirren wird der Verein am 8. März 1941 aufgelöst. Am 26. Dezember 1944 folgt ein herber Rückschlag für die Echternacher Bürger und die Mitglieder des Bauvereins. Die Basilika wird von deutschen Soldaten gesprengt, so dass das Gotteshaus in Trümmern liegt.

Für den Willibrordus-Bauverein ist dies allerdings kein Grund zum Stillstand. Die Aktivitäten werden am 29. Dezember 1946 wieder aufgenommen. Neuer Vorsitzender wird Dr. Willy Speck. In den kommenden Monaten und Jahren folgen die Lieferung und Weihe der sechs neuen Glocken, die Aufräumarbeiten, die Grundsteinlegung am 29. Mai 1949 sowie das Richtfest am 10. Mai 1951. An Pfingsten des darauf folgenden Jahres ist der Wiederaufbau beendet; am 20. September 1953 folgt die Konsekrationsfeier.

Am 8. Mai 1955 gibt sich der Willibrordus-Bauverein neue Statuten, wobei dessen Ziele klar definiert werden: „Der Verein hat zum Zweck, in jeder angemessenen Weise tätig mitzuwirken an der Gestaltung und Ausstattung der Grabbasilika des heiligen Willibrord und der wünschenswerten weiteren Entfaltung seines Kultes.“ Hierzu gehört auch die Springprozession, bei der die Mitglieder in den folgenden Jahren (und bis heute) die Betreuung der Pilger und die Aufstellung der Springer und Musikgesellschaften übernehmen.

Nach der 1300. Wiederkehr des Geburtsjahres des heiligen Willibrord mit der „Willibrordus-Ausstellung“, (über 25 000 Besucher) anno 1958, stehen 1962 die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Vereinsbestehen auf dem Programm. Zu diesem Zweck wird die Broschüre „Hundert Jahre Willibrordus-Bauverein Echternach / 1862 bis 1962“ veröffentlicht. Am 16. Februar 1964 findet die letzte Jahreshauptversammlung unter dem Vorsitz von Dr. Willy Speck statt.

In den folgenden Jahren, unter Präsident Louis Leitz, findet zwar kein größeres Jubiläum statt, aber den Mitgliedern geht die Arbeit nicht aus. So sorgen sie zum einen Jahr um Jahr für einen geregelten Ablauf der Springprozession und zum anderen unterstützen sie die Kirchenfabrik finanziell für Arbeiten an der Basilika. Folglich erfüllt man mit viel Einsatzbereitschaft die Aufgaben, die sich der Verein einst in den Statuten auferlegte.

Am 30. Mai 1966 proklamiert der Echternacher Gemeinderat den heiligen Willibrord einstimmig zum Stadtpatron. Zwei Jahre später, am 7. November 1968, erhalten im Rahmen der 100-Jahr-Feier der Konsekration der Abteikirche folgende verdienstvolle Vereinsmitglieder (Personen, die schon vor dem Zweiten Weltkrieg aktiv waren) eine päpstliche Auszeichnung: Antoine Eippers, Antoine Gierten, Nicolas Lanser, Louis Leitz, Charles Schoentgen und Willy Speck.

Nachdem Georges Kiesel seine Doktorarbeit „Der heilige Willibrord im Zeugnis der bildenden Kunst“ publiziert, wird er zum Ehrenmitglied auf Lebenszeit ernannt.

Die Springprozession

wird klassiert
Obwohl der Willibrordus-Bauverein seit 1955 die praktische Organisation im Rahmen der Springprozession übernommen hat, liegt diese immer noch in der Hand der Echternacher Geistlichen – bis 1975, als Dechant Emile Glesener dem Bauverein die komplette Verantwortung für die Organisation überträgt. Verantwortlich für die Organisationsarbeit sind die Hilfssekretäre Gérard Wohl und Paul Rippinger.

Weitere Eckdaten im Vereinsleben: Am 30. Oktober 1983 findet die 120-Jahr-Feier statt, in Erwartung des Papstbesuches anno 1985 werden bronzene Willibrord-Statuetten hergestellt und nach der Eröffnung des Abteimuseums im Jahr 1987 übernimmt der Bauverein den Verkauf der Eintrittskarten und die Überwachung des Museums. Im Juli des gleichen Jahres wird Dechant Emile Glesener verabschiedet und im September wird Dechant Théophile Walin installiert. 2008 wird das 1350. Geburtsjahr des Echternacher Stadtpatrons zelebriert.

In all den Jahren gehören neben Arbeiten und Neuanschaffungen, wie die einzelnen Glocken und das Glockenspiel, auch die Veröffentlichung des Basilikaführers in mehreren Sprachen, von Ansichtskarten, einem Pilgerbüchlein, Broschüren, Briefmarken, Schallplatten und CDs sowie die Schaffung einer Internetseite zu den Tätigkeiten.

In den folgenden Jahren sind aber auch die vielen, aufwändigen Vorbereitungen zur Klassierung der Springprozession als immaterielles Kulturerbe ein wichtiger Bestandteil der zu bewältigenden Aufgaben. Ein Datum geht in die Annalen der Stadt Echternach und des Bauvereins ein: der 16. November 2010, der Tag, an dem die Springprozession auf die Unesco-Liste der immateriellen Kulturgüter aufgenommen wird – ein Beschluss, der im Januar 2011 gefeiert wurde.

Die nächsten großen Feierlichkeiten stehen an diesem Wochenende zum 150-jährigen Bestehen des Vereins auf dem Programm. Nach der Präsentation der Jubiläumsbroschüre und des Buches „Collectarium“ (Oswald Keess), „Par-Regeschter (1704-1906)“ am heutigen Donnerstag finden die Jahreshauptversammlung am Samstag und ein Pontifikalamt mit Empfang am Sonntag statt. (Text: Nadine Schartz / Fotos: Charles Artois, Marc Wilwert)

www.willibrord.lu