Change Edition

Viele Besucher im Tierheim Düdelingen anlässlich des Tags der Offenen Tür

Der alljährliche Tag Der "Offenen Tür" im Tierheim Dudelange fand dieses Jahr am 6. September statt. Von 14 bis 18 Uhr nachmittags konnte man das Tierasyl im Stadtpark Le'h besichtigen und sich von der täglich anfallenden Arbeit der freiwilligen Tierschützer und der Tierpfleger ein Bild machen. Die Verantwortlichen des Tierheims standen überdies für Fragen betreffend den Tierschutz zur Verfügung und berieten ebenfalls alle Tierfreunde, die beabsichtigten, sich ein Haustier anzuschaffen.
So konnten einige interessante Kontakte geknüpft werden, die möglicherweise in den kommenden Wochen zur Adoption des einen oder andern Hundes/Katze führen werden.
Um zu vermeiden, dass die Adoption eines Haustieres aus einer Laune heraus geschieht und nicht erst nach gewissenhafter Überlegung entschieden und von der Zustimmung der ganzen Familie getragen wird, wurden an diesem Tag selbstverständlich keine Tiere herausgegeben.

Wer sich nicht direkt für die Adoption eines Tieres interessierte, hatte nach seinem ausgiebigen Rundgang durch das Tierheim die Möglichkeit einen angenehmen Nachmittag mit Kaffee und hausgebackenem Kuchen zu verbringen, das eine oder andere Schnäppchen im SecondHandShop für Hunde-und Katzenaccessoires zu ergattern oder das Tierheim durch den Kauf eines der zahlreichen "Fanartikel" zu unterstützen. Die neuangelegte Bücherabteilung zum Thema Katze/Hund weckte ebenfalls die rege Aufmerksamkeit mancher Besucher mit Haustier.

Allgemeine Resonanz fanden dann auch die neu unterteilten Spielwiesen für die verschiedenen Hundegruppen und der mit Graffitikunst von Joël Rollinger (gratis) gestaltete Container.


Selbstverständlich benutzen die Düdelinger Tierschützer die Gelegenheit das breite Publikum über die Probleme des Tierschutzes im Allgemeinen und die des "Diddelenger Déierenasyl" im Speziellen zu informieren:

1. TIERHEIME SIND "PRIVATE" VEREINIGUNGEN IM DIENST DER ALLGEMEINHEIT

Es ist ein großer Irrtum zu glauben, die Tierheime würden ihre Hunde oder Katzen alle verschenken und sollten eigentlich froh sein, sie an den Mann zu bringen. Allein die tierärztliche Erstversorgung, die u.a. Kastration, Chip/Tätowierung, Impfung beinhaltet, liegt weit über den Adoptionsgebühren. Tierarzt und Futterkosten, Unterhalt der Gebäude usw. müssen alljährlich – hauptsächlich durch Spendengelder - aufgebracht werden und oft ist es erforderlich an allen Ecken und Enden zu sparen, damit der Betrieb im Interesse der Allgemeinheit überhaupt aufrechterhalten werden kann, da nicht wie bei andern wohltätigen Vereinigungen üblich, eine regelmäßige Unterstützung von staatlichen Stellen erfolgt.
Die Gemeinde Düdelingen ist landesweit die einzige Gemeinde, die ihr lokales Tierasyl gezielt finanziell unterstützt. Einerseits bezahlt sie Infrastrukturkosten wie Heizung, Elektrizität, Wasser, Telefon, Müllabfuhr. Andererseits leistet sie einen wichtigen Beitrag zum aktiven Tierschutz, indem sie ihren Bürgern und dem Tierasyl eine nicht unerhebliche finanzielle Hilfe bei der Kastration/Sterilisation der Hunde und Katzen zukommen lässt. Trotzdem muss das Tierasyl Düdelingen jährlich etwa 300.000 € aufbringen, um den durchschnittlich etwa 500 aufgenommenen Katzen und Hunden, die bestmögliche Pflege zukommen zu lassen.

2. ARBEITEN im TIERASYL DÜDELINGEN -
Investitionen zum Wohl der Tiere

Was die Anlagen des Tierheims betrifft, so konnten die vor 2 Jahren in Angriff genommenen Arbeiten im Laufe dieses Jahres soweit abgeschlossen werden. Alle Ausbesserungen und Reparaturen am über 35 Jahren bestehenden Tierasyl wurden bis auf die Rohbauarbeiten bzw. die Betonierung von Freiwilligen des Tierasyls durchgeführt, weil sie andernfalls finanziell nicht tragbar gewesen wären.

3. VIELE PROBLEMTIERE UND DAUERGÄSTE

A. HUNDE
Besonders bei den Hunden ist die Zahl der Tiere, die nach angemessener Zeit ein neues Zuhause finden rückläufig.
Durch diese fast ständige Komplettbelegung können weniger neue Tiere aufgenommen werden und manche Hunde warten Jahre, wenn nicht ihr ganzes Leben, auf ein neues Zuhause. Im Tierasyl Düdelingen macht der Anteil dieser bedauernswerten Tiere beinahe erschreckende 80% aus.
Was einerseits sicher zu dieser Entwicklung beiträgt, ist fehlendes Verantwortungsbewusstsein.
Dazu gehören die mangelnde Planung und Überlegung bei der Anschaffung eines Haustieres, so wie steigende Unfähigkeit und/oder Wille seine Probleme selber zu bewältigen.
Andererseits gibt es neben den unseriösen privaten "Vermehrern", die sich an der Steuer vorbei und auf Kosten der Tiere bereichern, natürlich die regelrechten Händler, bei denen jede Rasse auf Wunsch erhältlich ist und für die ebenfalls nur das Geschäft zählt. Unzureichend sozialisierte, oft kranke Hunde aus grauenhaften Massenzuchten landen nach einer wahren Odyssee bei verschiedenen Haltern schließlich im Tierheim und warten oft lange Zeit - wenn nicht ihr ganzes Leben - ehe sie vielleicht bei einfühlsamen Tierfreunden ein neues Zuhause finden.
Daneben "boomt" das Geschäft mit Tieren im Internet und über Sozialnetzwerke. Hunde, Katzen, Kleinnager, Zwergkaninchen und sogar Exoten werden wie gebrauchte Ware weitergereicht, oft an sogenannte "Tierfreunde", die von artgerechter Haltung keinen blassen Schimmer haben. Nach mehreren Besitzerwechseln enden die völlig traumatisierten Tiere dann als weitere Problemfälle in den Tierheimen...wenn sie Glück haben.


B. KATZEN
Im Tierasyl Düdelingen bereiten ebenfalls die viel zu zahlreichen schwer vermittelbaren Katzen den Tierschützern große Sorgen. Das sind einerseits die älteren Tiere, die meistens nicht einmal beachtet werden, andrerseits die handscheuen Bauern-und Scheunenkatzen, die viel Freiraum brauchen und schließlich die recht zahlreichen eigensinnigen und einzelgängerischen Miezen.
Sie alle wünschen sich ein neues Zuhause bei verständnisvollen Katzenfreunden, genauso wie die steigende Zahl von Katzen, die -oft durch die Nachlässigkeit der Vorbesitzer- chronische Krankheiten aufweisen und auf Dauermedikation und/oder Spezialfutter angewiesen sind.

4. KATZENELEND OHNE ENDE?
Die Hauptgründe für die steigende Zahl von Katzen in den Tierheimen sind neben dem unüberlegten Anschaffen einer Katze und der sich häufenden Zahl von Tierallergien, die zunehmenden Fälle von Animal Hoarding, d.h. das regelrechte Sammeln von Tieren, eigentlich eine psychische Erkrankung. Von solchen Haushalten werden dann von heute auf morgen 15 bis 20 Katzen im Tierheim abgegeben, Tiere die sich normalerweise in einem dementsprechend gesundheitlich schlechten Zustand befinden. Leider gibt es in diesen Fällen noch keine gesetzliche Handhabe und es ist keine Seltenheit, dass die Betroffenen kurze Zeit später ungestraft mit ihrer Sammelleidenschaft weiterfahren.

Seit Jahren bemühen sich Tierschutzvereine ebenfalls um die systematische Kastration der sogenannten "Niemandskatzen". Die alljährlichen Aufrufe, streunende Tiere nicht nur zu füttern, sondern auch sofort -gegebenenfalls mit der Hilfe von engagierten Tierschützern- kastrieren zu lassen, bleiben meistens ungehört. In Folge dessen landen Nachwuchs samt erwachsenen, oft handscheuen Tieren in den Tierasylen und tragen zur hoffnungslosen Überbevölkerung der Katzenhäuser bei.

Das einzige Mittel, das der Katzenschwemme entgegenwirkt, heißt systematische Kastration.
Jeder verantwortungsbewusste Katzenfreund, der seine Katze oder seinen Kater früh genug kastrieren lässt (Kastration nennt man auch den veterinärtechnischen Ausdruck beim weiblichen Tier, obwohl der Laie sehr oft noch von Sterilisation spricht, aber trotzdem dasselbe meint), vermindert dadurch das Katzenelend. Einerseits vergrößert er nicht den allgemeinen Bestand und andererseits nimmt er als "Privatproduzent" auch den zahlreichen Tieren in den Asylen nicht die Chance auf ein neues Zuhause.
Leider kursieren unter den Katzenhaltern jedoch noch die längst wissenschaftlich widerlegten Ammenmärchen von den Katzen, die unbedingt vor der Kastration einmal Junge gebären müssen oder von den kastrierten Tieren, die keine Mäuse mehr jagen usw. Daneben versuchen immer wieder selbsternannte Spezialisten mit dubiosen Studien zu belegen, dass die Kastration Tiere unglücklich macht und/oder gar nicht nötig ist.
Manche möchten ihre Kinder die Geburt und Aufzucht von Kätzchen als naturnahes Erlebnis nicht verpassen lassen, vielleicht sollten sie ihnen dann auch die Kehrseite der Medaille, nämlich überfüllte Tierheime und ausgesetzte, todkranke Tiere zeigen.
Schließlich gibt es immer öfter Zeitgenossen, welche die Kastration ihrer Katze einfach "vergessen", und dann plötzlich "ein Problem" haben, von dem sie annehmen, dass die Tierasyle es selbstverständlich sofort lösen.
Gelegentlich sind aber auch finanzielle Gründe die Ursache dafür, dass der Gang zum Tierarzt nicht stattfindet.
Genau diesen wunden Punkt hat die Gemeinde Düdelingen schon vor über 25 Jahren erkannt und eine Kastrationskampagne für Katzen (später auch für Hunde)ins Leben gerufen, Die Stadtverwaltung unterstützt ihre Bürger finanziell bei der Kastration ihrer Tiere, was natürlich zu einer wesentlichen Verminderung des Katzenelends in der Ortschaft beigetragen hat. Obwohl der Erfolg dieses Modells eigentlich für sich spricht, ist es bislang noch von keiner andern öffentlichen Verwaltung übernommen worden, weder auf lokalem, noch auf nationalem Plan.


5. OBLIGATORISCHE KASTRATIONSPFLICHT

Weiterführendere Regelungen wie die obligatorische Kastrationspflicht für alle (Freigänger)Katzen, die bereits in verschiedenen Nachbarländern besteht und schon nach wenigen Jahren zu einen erfolgreichen Rückgang der streunenden, verelendeten Katzenpopulation geführt hat, scheinen uns bei der gegenwärtigen Lage auf die Dauer der einzig tierschutzgerechte Weg , das Katzenelend auf lange Sicht zu verringern und damit die Tierheime auch finanziell zu entlasten.


6. FINANZIERUNG DER TIERHEIME:
BEISPIEL "Diddelenger Déierenasyl"

In diesem Kontext stellt sich auch immer wieder die existentielle Frage der Finanzierung der Tierheime.
Obwohl die Gemeinde Düdelingen uns gezielt unterstützt, indem sie dem Tierheim keine Gemeindetaxen verrechnet, müssen wir jährlich etwa 300.000 € aufbringen, um den bis zu über 500 aufgenommenen Tieren aus allen Teilen des Landes*, die bestmögliche Pflege zukommen zu lassen.

Müssten folglich nicht ALLE Gemeinden ihrer Verpflichtung gerecht werden und zur Finanzierung der Tierheime beitragen, die verlassene Hunde oder Katzen aus ihrem Einzugsgebiet annehmen?

Wie lange wird es dem Tierasyl Düdelingen, das sich wie alle luxemburgischen Tierheime als gemeinnützige Vereinigung nur über private Spenden, und NICHT - wie viele meinen - über öffentliche Gelder finanziert, noch möglich sein, seiner Aufgabe nachzukommen?

Wenn auf Gesetzesebene keine Änderung erfolgt, einerseits was die Finanzierung der Tierheime, andererseits was die unkontrollierte Vermehrung der Katzen und den gesetzlichen Stellenwert eines Tieres angeht, steuern wir langsam, aber sicher auf eine Katastrophe zu.

Zur allgemeinen Information:
* 75% der jährlich aufgenommenen Hunde und 80% der jährlich aufgenommenen Katzen kommen NICHT aus Düdelingen
Die meisten dieser Tiere stammen aus den umliegenden Südgemeinden, die trotz mehrmaliger (meistens unbeantworteter) Anfragen, uns KEINE Unterstützung zukommen lassen.


Déierenasyl Diddeleng

CCPL: LU52 1111 0026 3011 0000

www.asile.lu