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Blumenuhr seit 80 Jahren Wahrzeichen und Anziehungspunkt im Parc Gerlache

Sie gehört zum Differdinger Zentrum wie das sprichwörtliche Salz in der Suppe: die Blumenuhr und ihr Zwerg im Eingangsbereich des Parc Gerlache, der in seiner heutigen Form auf das Jahr 1925 zurückgeht.

Vom Differdinger Schmuck- und Uhrenhändler Jean Schwickerath entworfen, wurde die Uhr 1933 auf Initiative des damaligen Bürgermeisters Emile Mark in der grünen Lunge der Stadt installiert und feiert in diesem Jahr ihren 80. Geburtstag.

Der damalige Bürgermeister, nach dem u. a. auch eine zentrale Straße in der „Cité du Fer“ benannt ist, hatte sich aus Anlass einer Reise mit der lokalen Musikgesellschaft ins schweizerische Interlaken von einem ähnlichen Modell inspirieren lassen. Der Entwurf des Juweliers wurde in Zusammenarbeit mit Stadtingenieur Léon Tockert und dem Verantwortlichen der technischen Dienste der Gemeinde Differdingen, Nicolas Anton, in die Tat umgesetzt. Auch der Uhrenmechanismus, der übrigens unterhalb der Uhr in einer Kammer im Erdwerk verborgen ist, wurde in den Differdinger Gemeindeateliers angefertigt.

„Bis sämtliche Pflanzen und Blumen heute an Ort und Stelle sind, dauert es bis zu vier Tagen. Unsere Gärtner arbeiten in Schichten“, erklärt Chefgärtner Tom Penning gegenüber dem „Luxemburger Wort“. Zunächst werden je nach Bepflanzung Schablonen ausgearbeitet, wo die benötigte Blumenanzahl berechnet wird. „Das sind ungefähr 12 000 Pflanzen, die wir benötigen“, schätzt Tom Penning. Meistens wird erstmals zur Kirmes im Mai die erste Bepflanzung durchgeführt, bevor dann eine weitere im Herbst getätigt wird.

Für die Uhr werden bestimmte Bodendecker genutzt, die nicht zu schnell oder hoch wachsen und leicht von den Gärtnern in Schuss gehalten werden können. „Wir müssen immer die Höhe der Zeiger in Betracht ziehen wenn wir die Pflanzen aussuchen“, betont der Chefgärtner.

Regelmäßig hat man aber auch Ausbesserungsarbeiten an der Uhr zu verrichten, denn manche Kinder nutzen die Zeiger als Wippe und bringen damit immer wieder den Mechanismus der Uhr durcheinander. Die Uhr abzuschaffen käme den Differdingern dennoch nicht in den Sinn. Wie Schöffe Roberto Traversini betonte „gehört die Uhr quasi als ein Wahrzeichen zur Stadt. Sie zu umzäunen wäre nicht wirklich eine Lösung, sondern würde sie nur von den Bürgern trennen.“

Zwei Jahre nachdem die beiden überdimensionalen Zeiger der Uhr, die übrigens neun Meter Durchmesser hat, erstmals im Park zu drehen begannen, bekam die Blumenuhr im Jahr 1935 auch ihren possierlichen Wächter. Ein kleiner Zwerg, der mit einigen Unterbrechungen in seinem Pavillon alle 15 Minuten weit hörbar gegen eine Glocke schlägt, wacht über Uhr und Park.

Ein trauriger Zufall wollte es, dass der Zwerg erstmals die Stunde schlug, als Ideengeber und Bürgermeister Emile Mark beerdigt wurde.

Inzwischen hat auch der Zwerg eine bewegte Zeit hinter sich, gleich zweimal wurde er von ein und dem selben Fußballfan in Differdingen entwendet und ein jedes Mal von der Polizei wiedergefunden.

In der Zeit von 1942 bis 1945 war es den Gärtnern durch die Nazi-Besatzer verboten worden, die Uhr zu bepflanzen, mit dem Argument, die Gärtner hätten Gemüse und nicht Blumen zu züchten. Doch es war dem damaligen Gemeindegärtner Jean Uhres zu verdanken, dass die Blumenuhr nach der Befreiung Luxemburgs gleich wieder mit Blumen bepflanzt wurde. Er hatte in seinem Garten nämlich im Verborgenen die für die Uhr benötigten Blumen und Pflanzen liebevoll gehegt und gezüchtet.

VON NADJA RAFALSKI (Foto: Tania Feller)