Change Edition

Taktilistische Vogelhochzeit oder ungeahnte Einblicke in Wort, Bild und Ton

Das « Centre national de littérature » (CNL) lud zu einer musikalisch-literarischen Entdeckungsreise in die Kirche von Fetschenhof-Cents ein


Luxemburg. « à Fetschenhof, nous voulons du soleil, de la joie et la sensation de la libération, du bien-être » : Mit diesem Zitat des Künstlers Théo Kerg die Heilig-Geist-Kirche in Fetschenhof-Cents betreffend wurde am vergangenen Sonntag ein kurzweiliger Nachmittag eingeleitet, wo erstmalig die Zusammenarbeit zwischen dem luxemburgischen Künstler Théo Kerg (1909-1993) und dem französischen Poeten Pierre Garnier (1928-2014) gewürdigt wurde. Als Präludium zur Sonderausstellung « Texte & Image – Dialogues entre arts visuels et littérature », die ab dem 27. Juni im CNL in Mersch stattfinden wird, hatte die Kuratorin der Ausstellung, Myriam Sunnen, zu einer musikalisch-literarischen Begegnung in das taktilistische Environnement der Kirche von Cents eingeladen, um den poetischen Spatialismus des französischen Schriftstellers sowie den künstlerischen Austausch zwischen Théo Kerg und Pierre Garnier vorzustellen.


"Ornithopoésie" von Camille Kerger uraufgeführt

Im Mittelpunkt stand der Gedichtband « Ornithopoésie » von Pierre Garnier, der mit Illustrationen des Luxemburgers Théo Kerg versehen ist. Garniers Leidenschaft für die Vogelwelt hat Camille Kerger in seiner Vertonung verschiedener Auszüge aus der 1999 veröffentlichten « Ornithopoésie » aufgegriffen. Kolibri, Rabe, Kuckuck & Co. hat der Luxemburger Komponist eindrucksvoll für Sopranstimme und Marimbaphon in Noten gemeisselt. Noémie Desquiotz-Sunnen und Paul Mootz haben der Kergerschen Vogelhochzeit klangvolle Flügel verleiht. Neben der Uraufführung von « Ornithopoésie » erlebte ein weiteres Musikstück seine Erstaufführung : « Tiptoe » aus der Feder des Militärmusikers Georges Sadeler. An den Marimbaphonen spielten Michel und Paul Mootz, welche mit Johann Sebastian Bach den Konzertteil einläuteten – dem wohl einzigen Namen im Programmheft, der nicht mit dem Stadtteil Cents verwurzelt sei, so Myriam Sunnen, die ihre rezentesten Recherchen zu Pierre Garnier präsentierte.

Viel Applaus gab es am Schluss für die Protagonisten der multidisziplinarischen Begegnung rund um Théo Kerg und Pierre Garnier. Unter den zahlreichen Zuhörern waren auch Familienministerin Corinne Cahen, Familienmitglieder von Théo Kerg sowie der extra aus Amiens angereisten Tochter des Poeten Pierre Garnier, der mit « Ornithopoésie » nun auch ins luxemburgische Musikrepertoire Einzug hält. Die Veranstaltung fand im Rahmen des 50. Geburtstages der Œuvres paroissiales und der Chorale Sainte-Cécile aus Fetschenhof-Cents statt, wo Théo Kerg die Glasfenster und das liturgische Mobiliar der Kirche entwarf. Marc Jeck


+ Foto : Musiker, Künstler und Literaturwissenschaftler feierten eine besondere Vogelhochzeit inmitten der « murs de lumière » der Kirche von Fetschenhof-Cents, die vor genau 50 Jahren geplant wurde. (Foto : Claude Desquiotz)