Change Edition

Wie dem Fausti ein großer europäischer Musikpreis gestohlen wurde!

Nach 1970 organisierte RTL Radio einen großen europäischen Musikpreis für Musikproduktionen. Als Ergänzung zum Grand Prix de la Chanson.


An einem schönen Wochentag kam bei RTL die Jury zusammen, um den Gewinner dieses von RTL gestifteten Musikpreises zu ermitteln. Im Jury waren in ihrer Mehrzahl Vertreter der Luxemburger Presse.


Für mich eine sehr große Freude, als Vertreter des Tageblatt der Jury anzugehören. Umso mehr, da einer der Interpreten, nämlich der Luxemburger Fausti Cima, im Jahr 1940 im Haus meiner Eltern, Bisserwee 4 in der Unterstadt Grund, geboren wurde. Wo die Familie von Fausti auf dem 1. Stockwerk wohnte. Ich war Jagang 1938, und so wurde ich der erste Spielkamerad von Fausti. Schon als sehr kleines Bübchen war Fausti von sehr guten Laune, und ich erinnere mich gerne an die frohen Stunden, die wir zusammen in dem kleinen Hof entlang der Alzette verbrachten. Hier ist dort, wo früher der Coiffeur Laden von meinem Vater, Louis Schumacher-Pleiser, war, ein Pub. Später erinnerte sich Fausti sehr gerne an diese Zeit, und sprach von meinem Vater als der "kleine Coiffeur". Womit der Fausti sehr richtig lag, denn mein im Jahr 1956 verstorbene Vater war nicht von sehr großer Gestalt. Mein Vater kam im Jahr 1900 in 2 Neiewee (rue Sosthène-Weis) (im heutigen Musikhaus) in der Unterstadt Grund zur Welt.


Bei dem europäischen Musikpreis vertrat als Interpret Fausti Cima die Luxemburger Farben.


Nachdem RTL uns (der Jury) die verschiedenen hoch interessanten Musikaufnahmen vorgespielt hatte, kamen wir in der Jury mehrstimmig zur Einsicht, dass Fausti Cima diesen ersten europäischen Musikpreis hoch verdiene.


In der Tat, die musikalische Darbietung des Luxemburger Interpreten war höchst überzeugend. Der zweifellos stärkste Beitrag.


Doch es kam anders. Zu der größten Enttäuschung der Pressevertreter aus Luxemburg (Wort, tageblatt, Journal, Zeitung, Républicain Lorrain).


Uns Pressevertretern wurde nämlich durch RTL verboten, dem besten Interpreten den Preis zu verleihen, da der Preis nicht für einen Interpreten, sondern für die beste Musikproduktion ausgeschrieben war. Ergo würde Fausti nicht in Frage kommen!


Wir diskutierten mit den Verantwortlichen von RTl, u.a. mit Herrn Claude Fischer von der Musikabteilung, eine gute halbe Stunde. Und forderten, dass RTL unserem Fausti wenigstens einen Ehrenpreis verleihen müsste. Das jedenfalls schulde RTL dem Fausti als bei weitem besten Interpreten.


Doch die Verantwortlichen von RTL schalteten auf stur. Und so ging Fausti leer aus!

Damals weinte ich bitterlich, und ich sehe mich noch heute, wie ich aus Ärger sehr heftig mit der Faust auf den Tisch haute.


Meine Forderung nach Einsicht in das Reglement ging in der Hitze der Wortgefechte unter, und ich bin heute noch felsenfest überzeugt, dass RTL nicht wollte, dass der von Luxemburg organsierte erste europäische Musikpreis an einen Luxemburger ging. Eigentlich schäme ich mich noch heute, dass ich nicht stante pede aus der Jury demissionierte.


Doch damals als Vertreter einer renomierten Luxemburger Tageszeitung, dem Escher Tageblatt, kann man nicht immer aus eigenem Ermessen in einer Jury zurücktreten. So habe ich tief in meinem Herzen meinem Fausti den ersten Preis verliehen!


Jetzt ist Fausti nicht mehr unter den Lebenden. Dennoch habe ich mir fest vorgenommen, mit diesem herzensguten Menschen, der eine einzigartige Frohnatur war, jeden Tag ein kleines Gespräch zu führen.


Sag Fausti, wie war es damals?


Hori.