Change Edition

Économie circulaire - kein Umdenken, sondern ein Weiterdenken ist gefordert

Besichtigung der Firma PROgroup in Windhof


Am 28. Juli 2017 haben Vertreter des Schöffen- und Gemeinderats und der beratenden Umweltkommission der Stauseegemeinde auf Einladung von Frederik Demecheleer, Klimaberater unserer Gemeinde, die Firma PROgroup im Ecopark in Windhof besucht. Die Firma PROgroup bietet Produkte und Dienstleistungen im Bereich des ökologischen und nachhaltigen Bauens und der Kreislaufwirtschaft (économie circulaire) an. Der Hoch- und Tiefbau, die Forschung und Entwicklung sowie die Innendekoration sind die Aktivitätsfelder der Firma, welche von Romain Poulles (administrateur délégué) gegründet wurde.


Zunächst referierte Herr Poulles über ein aktuelles Thema: die Kreislaufwirtschaft. Mit dem ersten Foto unseres blauen Planeten, welches während der ersten bemannten Raumfahrtmission 1968 aufgenommen wurde, unterstrich Herr Poulles, dass es nur diese eine Erde gibt. Egal ob man sich im Weltall oder hier auf der Erde befindet: es ist eine Tatsache, dass die Ressourcen unseres Planeten endlich sind und zu Neige gehen. Wann dies sein wird, ist unerheblich. Es wird der Fall sein. Aber die Menschheit erschließt und verbraucht weiterhin Rohstoffe, die am Ende ihres „Lebens“ weggeworfen werden, eventuell wiederverwertet und zu einem „minderwertigem“ Produkt weiterverarbeitet werden.

Es geht aber auch anders.

Immer mehr Firmen denken um, so Herr Poulles weiter. Anstatt Produkte zu verkaufen, bieten sie zunehmend Dienste an. Zum Beispiel kann man bei namhaften Teppichherstellern eine Teppichfläche kaufen, welche durch ihre Struktur den Feinstaub in der Luft größtenteils binden kann. Der Teppich wird nur verlegt und nicht geklebt und kann so zu einem angenehmen Wohnklima beitragen. Wird der Teppich nicht mehr gebraucht, so kann er mühelos entnommen werden und der Teppichfirma verkauft werden, die ihn wieder dem Rohstoffkreislauf zuführt. Als weiteres Beispiel sind Waschmaschinenhersteller zu nennen, die Waschvorgänge (inklusive der dazu benötigten Energie, Wasser und Abwasser) und keine Waschmaschinen mehr verkaufen. Sie haben ein großes Interesse daran, dass ihre Waschmaschinen so lange wie möglich halten und legen deswegen auch große Sorgfalt auf Reparierbarkeit ihrer Geräte. Werden die Geräte nicht mehr gebraucht, so gehen sie wieder an die Hersteller zurück.


Am Beispiel des Gebäudes „Solarwind“, in dem sich unter anderem der Sitz der Firma PROgroup befindet, erklärt Frederik Demecheleer während der Besichtigung des Gebäudes, dass dieses einen positiven Einfluss auf die Umwelt und vor allem die Menschen haben kann. Gleich zu Beginn der Gebäudekonzeption wurde den eigenen Mitarbeitern und den Erwerbstätigen im Ecopark Windhof die Frage gestellt: „was kann das geplante Gebäude für euch tun?“ Viele der gesammelten Ideen wurden umgesetzt: so wurden beispielsweise eine Kindertagesstätte, ein Restaurant, ein Fitnessraum, Konferenzräume und unterirdische Parkplätze in das Gebäude integriert. Auf dem Dach wurde ein kleiner Garten angelegt; die Fassaden wurden zum Teil begrünt. In Zukunft liefern Bienen den eigenen Honig. Und von den Leistungen können alle Arbeitnehmer im Ecopark profitieren. Die Energie zum Heizen oder Kühlen des Gebäudes wird zum Teil aus Erdwärme gewonnen, zum Teil aus dem Wasser der Sonnenkollektoren. Die in den Serverräumen entstehende Wärme trägt auch zum Heizen der Arbeitsräume bei. Bei größerem Wärmebedarf wird der Pelletofen in Betrieb genommen. Die elektrische Energie kann zum Teil von den sich auf dem Gebäude befindlichen Windrädern und der Photovoltaik-Anlage geliefert werden. Das Gebäude genügt dem Passivhaus-Standard.


Weniger ist gut: weniger Müll, weniger Energieverbrauch, weniger CO2-Ausstoß. Auf den Punkt gebracht sollte man aber folgende Überlegung nach Hause, in seinen Betrieb oder in die Ämter mitnehmen: aus dem „weniger“ macht die Kreislaufwirtschaft „mehr“. Mehr für die Umwelt und nicht zuletzt mehr für die Menschen. Nicht nur weniger Müll entstehen lassen, sondern die Altgeräte oder deren Rohstoffen neuen Funktionen zuführen. Nicht nur weniger Energie verbrauchen, sondern Energie aus regenerativen Quellen nutzen. Nicht nur weniger C02 emittieren, sondern mehr Sauerstoff erzeugen.


Sinngemäß wird Nachhaltigkeit im Brundtland-Bericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen „Unsere gemeinsame Zukunft“ folgendermaßen definiert:

„Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können“.


Text und Fotos: Alain Weiler (Sekretär der beratenden Energie-, Umwelt- und Klimakommission der Stauseegemeinde)