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Ehemaliger Radprofi Lull Gillen verstorben

„Gentleman mit schnellen Beinen“
Weltrekordhalter mit glanzvollem Palmarès auf der Bahn

Der Luxemburger Radsport ist in Trauer. Im Alter von 81 Jahren verstarb am 11. August nach längerer Krankheit einer der besten Radsportler des Großherzogtums, Lull (Lucien) Gillen.

Gillen, Sohn des ehemaligen Bahnfahrers Maurice Gillen (Olympia-Teilnehmer 1924 in Paris), wurde am 7. Oktober 1928 in Luxemburg geboren und trat frühzeitig in die sportlichen Fußstapfen seines Vaters. Bereits 1943 gewann der bei Pignon Bonneweg Lizenzierte Débutantsrennen, 1946 den Titel dieser Klasse sowie das Critérium des Jeunes.

Die Studenten-Weltmeisterschaften 1947, die von Landsmann Willy Kemp gewonnen wurden, beendete er als Sechster. Noch besser lief es bei diesen WM-Rennen auf der Bahn, wo er die Silbermedaille in der Verfolgung gewann und im Sprint Vierter wurde. Diese Resultate ermutigten Gillen, im Alter von 19 Jahren zu den Profis zu wechseln.

Er betätigte sich aber nicht nur auf der Bahn, sondern wartete auch weiterhin bei Straßenrennen mit beachtlichen Erfolgen auf. So gewann Gillen im Tour de Luxembourg 1953 die Etappe in Diekirch und zwei Jahre später die Tour de l'Oise, übrigens vor Kemp und Marcel Ernzer.

Glanztaten auf der Bahn
Die Bahn allerdings hatte es ihm angetan. Sein glanzvolles WM-Palmarès begreift 19 Teilnahmen in der Verfolgung. Der großgewachsene Athlet (1,87 m) wurde 1949 Vize-Weltmeister hinter Fausto Coppi (I), war zweimal Dritter (1952, 1954) und dreimal Vierter (1948, 1950, 1951).

Den Höhepunkt bildete der Weltrekord über fünf Kilometer, den er am 19. November 1955 in Mailand in Italien erzielte. Zur Eröffnung des neuen Palazzo dello Sport mit einer neuen 200-m-Bahn bestritt er ein Verfolgungsrennen über vier Kilometer gegen Aldo Moser (I), das er locker gewann. Anschließend bat er die Veranstalter, noch über fünf km starten zu dürfen, wo er dann den Weltrekord des Schweizers Rolf Graf um über 2" auf 6'19"1/5 verbesserte. „Eccezionale Gillen“ titelte die „Gazetta dello Sport“ am Tag danach.

Der Luxemburger bestritt vor allem Sixdays, insgesamt 143 an der Zahl. Diese Sechs-Tage-Wettbewerbe bildeten den Hauptbestandteil seiner Karriere mit elf Siegen, 24 zweiten und 29 dritten Rängen! Damals wurden noch ununterbrochen 145 Stunden abgewickelt mit nur drei bis vier Stunden Schlaf pro Nacht.

1948 bestritt er sein erstes Sechstagerennen in New York, zusammen mit Mett Clemens, und beide platzierten sich als ausgezeichnete Zweite. Sein erster Erfolg an der Seite des Dänen Kai-Werner Nielsen datiert von 1952 in Kopenhagen. Zusammen mit dem Italiener Fernando Terruzzi gewann er 1953 in Kopenhagen, Dortmund und St-Etienne, 1954 erneut in Kopenhagen, 1955 in Berlin und Gent. In Kopenhagen wurde auch 1956 gewonnen, diesmal zusammen mit Gerrit Schulte (NL). Peter Post (NL) war sein Partner beim Erfolg 1959 in Münster. 1963 war Gillen in Montréal mit Robert Lelangue (B) erfolgreich und 1964 mit dessen Landsmann Emile Severeyns, diesmal in Québec. Auf dieser kanadischen Piste beendete er dann im April 1966 seine glanzvolle internationale Karriere.

Gillen war lange Jahre Präsident von Panathlon Luxemburg, zudem Präsident des „VC Le Guidon Bartringen“ und zu seinen Ehren werden jährlich die „6-Days Lull Gillen“ organisiert. Der nach seiner Profikarriere im Bankwesen Tätige war ein eifriger Verfechter des Baus eines überdachten Veledroms in Luxemburg, war während rund 15 Jahren Mitglied des Gemeinderats Bartringen und erhielt 2005 den „Prix d'honneur“ der Luxemburger Sportpressevereinigung.(grl-Fotos: LW-Archiv))