Wissenschaft

So sah der "Mann von Loschbour" aus

(SK/dpa) - Rund 80 Jahre ist es her, dass Nicolas Thill bei Reuland im Müllerthal ein Skelett eines unserer Vorfahren entdeckte. Nun hat der "Mann von Loschbour" eines seiner Geheimnisse gelüftet. Dank der DNA, die sich in seinen Backenzahnen finden ließ, sowie modernen wissenschaftlichen Techniken wissen wir heute, wie der sogenannte "erste Luxemburger" aussah.  

Erste Hypothesen, die nach dem Fund am Zusammenfluss von Loschbour und Schwarzer Ernz gemacht wurden, haben sich bestätigt. Es handelt sich um einen erwachsenen Mann, der vor 8000 Jahren gelebt haben soll. Doch die neuen Analysemöglichkeiten erlaubten den Wissenschaftlern nun, sein Aussehen zu rekonstruieren.

Demnach war der Mann 1,60 Meter groß und mit einem Gewicht zwischen 58 und 62 Kilogramm robust. Als er starb, war er zwischen 34 und 47 Jahre alt. Seine Haare waren dunkel (braun oder schwarz), die Augenfarbe blau. Eine Rekonstruktion in 3D, die aufgrund seines Schädelbaus und genetischer Daten möglich wurde, lässt darauf schließen, dass er recht hübsch aussah.

Die Rekonstruktion zeigt den Mann im Alter von etwa 30 Jahren.
Die Rekonstruktion zeigt den Mann im Alter von etwa 30 Jahren.
Photo: F. Le Brun et N. Herber, Anubis (c) CNRA, Luxembourg

Erbgut-Analyse des "Mannes von Loschbour"

Doch enden damit nicht die Erkenntnisse, die die Forscher Jean-Michel Guinet, Dominique Delsate und Foni Lebrun vom Musée national d'histoire naturelle gewinnen konnten. Sie arbeiteten an einer internationalen Studie mit, die sich mit den Vorfahren der heutigen Europäer auseinandersetzt. Die Ergebnisse der Gruppe aus Genforschern und Paläontologen werden am Donnerstag in der renommierten Wissenschaftszeitschrift "Nature" vorgestellt.

Sie fanden anhand einer Erbgut-Analyse heraus, dass die meisten der heutigen Europäer von mindestens drei verschiedenen Populationen abstammen: Von Jägern und Sammlern aus Westeuropa, den ersten europäischen Bauern und von einer Population aus dem Norden Eurasiens, die wiederum eine Verbindung zu den Ureinwohnern Amerikas besitzt.

Als die Menschen in Europa noch als Jäger und Sammler umherzogen, entstanden im Nahen Osten vor etwa 11.000 Jahren die ersten bäuerlichen Kulturen. Die Menschen begannen, Pflanzen anzubauen und Tiere zu domestizieren, sie wurden sesshaft. Mit der Zeit breitete sich diese bäuerliche Lebensweise nach Westen aus.

Europäer stammen von drei statt zwei Populationen ab

In Mitteleuropa vollzog sich der Umbruch vermutlich vor etwa 7500 Jahren. Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass das Erbgut der ersten europäischen Bauern sich von dem der europäischen Jäger und Sammler unterscheidet. Es weist stattdessen mehr Ähnlichkeiten mit dem modernen Menschen aus dem Nahen Osten auf.

Um die Abstammung der heutigen Europäer zu erklären, reichen diese zwei Populationen laut den Forschern jedoch nicht aus. Sie untersuchten nun das Erbgut von insgesamt neun Ur-Europäern: von einer etwa 7000 Jahre alten Bäuerin, deren Überreste in Deutschland gefunden worden waren und von acht etwa 8000 Jahre alten Jägern- und Sammlern, darunter der "Mann von Loschbour". Dann verglichen sie das Erbgut mit dem von 2345 Menschen aus 203 modernen Populationen weltweit.

Dieses Video in französischer Sprache aus dem Jahr 2012 gibt Informationen über den Fund des Skeletts und die anschließende Forschung:

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