Umfrage zum Thema Chronische Krankheiten

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Eine der größten Herausforderungen, die in den kommenden Jahren auf die Europäische Union zukommt, sind die Belastungen des Gesundheitssektors durch den demografischen Wandel und die Veränderung der Lebensgewohnheiten. Insbesondere wiederkehrende Krankheiten tragen einen erheblichen Teil dazu bei.

Die hohen Prozentzahlen (86 Prozent) von Todesfällen in der Europäischen Union sind nämlich die Folge solch chronischer Krankheiten. Darunter versteht man langfristige, meist nicht übertragbare (d. h. nicht ansteckende) Erkrankungen, die in den meisten Fällen nicht heilbar sind, aber lebenslange Versorgung erfordern. Alle EU-Mitgliedstaaten sind vom Problem chronischer Krankheiten betroffen.

VON AUSGEWÄHLTEN CHRONISCHEN KRANKHEITEN BETROFFENE EU-BÜRGER (in Mio)
Krebs36
Neurodegenerative Erkrankungen9
Psychische Erkrankungen125
Herz-Kreislauf-Erkrankungen100
COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankungen)und Atemwegserkrankungen55
Diabetes56

80 Prozent über 65-Järhige betroffen

Zahlen belegen diese Entwicklung. Chronische Krankheiten in Europa betreffen über 80 Prozent der über 65-Jährigen und machen mittlerweile fast 80 Prozent der Gesundheitshaushalte der EU-Mitgliedstaaten aus. Zudem deuten die Trends darauf hin, dass immer mehr junge Leute unter chronischen Krankheiten leiden.

Anzahl chronischer Krankheiten nach Altersgruppe
Anzahl chronischer Krankheiten nach Altersgruppe

Unterschiedliche Ansätze

Die aktuelle Situation erfordert 
eine umgehende Neudefinition des europäischen Gesundheitssystems, damit es den Bedürfnissen und Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht wird. Angesichts der Veränderungen, die in den kommenden Jahrzehnten erforderlich sein werden, ist ein Paradigmenwechsel erforderlich – und dieser Paradigmenwechsel soll von den Debatten herbeigeführt werden. Wie Dr. Margaret Chan, Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), sagt: „Alle Minister sind Gesundheitsminister.“ Um Verhaltensänderungen über die gesamte Wertkette hinweg anzusprechen, sind unterschiedliche Ansätze und Denkweisen erforderlich.

Veränderliche Verbrauchererwartungen als Herausforderung

Veränderliche Krankheitsmuster, soziodemografische Übergänge, neu entstehende Technologien, neue Versorgungs- und Betreuungsmodelle, veränderliche Verbrauchererwartungen und Änderungen im politischen und wirtschaftlichen Umfeld (Globalisierung, wirtschaftliche Einschränkungen) gehören zu den Herausforderungen, die ein Umdenken und neue Ansätze erfordern.

Prävention hilft, 
Krankheiten zu vermeiden

Nehmen wir zum Beispiel Prävention: Laut der WHO könnte das Vermeiden von Zigaretten, Alkohol und Junkfood in Kombination mit täglich 30 Minuten Bewegung bis zu 80 Prozent der neuen Herzkrankheiten, Schlaganfälle und Typ-2-Diabetes-Fälle verhüten. Aber wie können wir Menschen zu gesünderen Lebensgewohnheiten anhalten und das Entstehen chronischer Krankheiten verhindern?

Thema Prävention zu wenig in den Haushalten berücksichtigt

Häufig wird darauf hingewiesen, dass nur rund drei Prozent des EU-Gesundheitshaushalts für Prävention ausgegeben wird, und dass Bürger oft nicht ausreichend informiert sind, um die richtigen Entscheidungen für ihre Gesundheit treffen zu können. Aber wer ist hierfür verantwortlich – der öffentliche Sektor oder der einzelne Bürger?

Sollten angesichts der Tatsache, dass heute zehn Prozent der Patienten – die sogenannten Hochkostenpatienten – 65 Prozent der Ausgaben der Gesundheitshaushalte ausmachen, Anreize für richtige Verhaltensweisen und 
Lebensgewohnheiten geschaffen werden? Welche Rolle haben Arbeitgeber oder Schulen?

Bei Antworten sollen Bürger helfen 

Bei Fragen dieser Art ist weiterhin unklar, wie die richtige Antwort lauten sollte. Deshalb startet das Atomium European Institute for Science, Media and Democracy eine Bürgerengagement- und Medienkampagne auf REIsearch, um eine öffentliche Debatte zwischen Entscheidungsträgern, Wissenschaftlern und Bürger zu starten.

Debatte lancieren

Diese Debatte hat das Ziel, einen echten öffentlichen Diskurs zu diesem Thema ins Leben zu rufen und die vorliegenden Erkenntnisse, die Beschränkungen und die Meinungen von Bürgern in ganz Europa besser zu verstehen. Laut Habermas ist ein öffentliches Umfeld, das einer demokratischen Gesellschaft würdig ist, sowohl von der Qualität des Diskurses als auch von der Quantität der Partizipation abhängig: Zur Umsetzung dieses Prinzips auf europäischer Ebene möchte "REIsearch" beitragen.

Ergebnisse offiziell vorgestellt

Die Ergebnisse dieser Kampagne werden dem Europäischen Parlament und der Europäischen Kommission Ende April vorgelegt. Xavier Prats Monné, Generaldirektor der Generaldirektion Gesundheit und Lebensmittelsicherheit der Europäischen Kommission, sagte: „Nur durch einen neuartigen Dialog zwischen Forschern, Bürgern und Entscheidungsträgern wird Europa in der Lage sein, die immer komplexeren Herausforderungen zu bewältigen. Sektoren- und länderübergreifende Kooperation ist in der Tat der beste Anstoß für kreatives Denken und der wichtigste Anreiz für die innovative Lösung vielschichtiger Probleme.

"REIsearch" bietet einen positiven Schub in Richtung evidenzbasierter Entscheidungsfällung, informierterer Bürger und besserer Wissenschaft – deshalb freue ich mich sehr auf die Ergebnisse der ersten REIsearch Initiative zum Thema Chronische Krankheiten“.


„REIsearch“ in zehn europäischen Ländern eingeführt

Die "REIsearch"-Initiative will eine Brücke bauen zwischen Bürgern, Forschern und politischen Entscheidungsträgern, bei denen es um wissenschaftliche Forschung und um die in den nächsten Jahren auf Europa zukommenden gesellschaftlichen Herausforderungen geht.

Die innovative, gemeinnützige europäische Initiative, die von der Europäischen Kommission mitfinanziert wird, will veranschaulichen, wie ein technologisches Tool in Kombination mit einem umfassenden Netzwerk aus führenden Medien, Forschungsinstituten, Forschern, zivilgesellschaftlichen Organisationen und Bürgern politischen Entscheidungsträgern dabei helfen kann, die Gesamtheit aller Kenntnisse und Erfahrungen – ungeachtet deren Ursprungs – zu nutzen, um bessere, auf Evidenz und Erfahrungen basierte Entscheidungen zu treffen, die der Gesellschaft als Ganzes zugutekommen.

Jean-Claude Juncker für die Initiative

"REIsearch" wird von Atomium – European Institute for Science, Media and Democracy gefördert, das vor sieben Jahren im Europäischen Parlament vom ehemaligen französischen Präsidenten Valéry Giscard d’Estaing und von Michelangelo Baracchi Bonvicini, dem heutigen Ehrenvorsitzenden und Vorsitzenden des Instituts, gegründet wurde. Auch Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker unterstützt diese Initiative: „Innovation und neue wissenschaftliche Entdeckungen verbessern das Leben der Menschen und machen unsere Wirtschaft wettbewerbsfähiger. Wissenschaft sollte offen sein und ihren traditionellen Elfenbeinturm verlassen, um sich Diskussion und Kritik zu stellen und neue Perspektiven aufzunehmen. Deshalb begrüße ich Bemühungen wie die „REIsearch“-Initiative, bei der Europäer in die Debatte über Wissenschaft und Forschung eingebunden werden und neue Ideen darüber liefern sollen, wie manche der dringendsten Probleme unserer Gesellschaft gelöst werden können.“

Auch Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker unterstützt die "REIsearch"-Initiative
Auch Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker unterstützt die "REIsearch"-Initiative


"REIsearch“ will die Herausforderung meistern, die Erfahrungen von EU-Bürgern und das Fachwissen von EU-Forschern zusammenzubringen, um damit Politiker beim Fällen von Entscheidungen zu unterstützen, die Auswirkungen auf die Gesellschaft als Ganzes haben.

Luxemburger Wort mit zehn Medienpartner dabei

"REIsearch" koordiniert zehn europäische Medienorganisationen: Der Standard, El País, EuroScientist, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Gazeta Wyborcza, La libre Belgique, Luxemburger Wort, Público, Sole24ore und The Irish Times, die durch ihre Online-Ausgaben sowie durch die REIsearch-IT-Plattform eine Kampagne für Bürgerengagement führen sollen. Elsevier, Mendeley, OpenAIRE und die Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Kommission (JRC) sorgen für das Engagement der Forscher.

(chl mit Atomium European Institute for Science, Media and Democracy)