Geocoptix

Abheben für eine bessere Zukunft

Drohnen eines Luxemburger Start-ups erforschen die Umwelt

Die Landwirtschaft ist eines von vielen Einsatzfeldern der Drohnen.
Die Landwirtschaft ist eines von vielen Einsatzfeldern der Drohnen.
Foto: LW Archiv

Von Birgit Pfaus-Ravida

Spielzeuge zum Bespitzeln von Nachbarn, Killermaschinen, mit denen Kriege geführt werden, riskante Apparate, die mit Flugzeugen kollidieren können ... – Drohnen verursachen bei so manchem Menschen Unsicherheit. „Drohnen haben leider nicht überall ein gutes Image“, betont Gilles Rock. „Wir bezeichnen sie lieber als unbemannte Flugsysteme. Unsere Technologie setzen wir gezielt und verantwortungsbewusst ein. Und natürlich halten wir uns an alle Vorschriften.“

In seinem kleinen Büro auf dem Trierer Petrisberg holt der junge Geograf aus Luxemburg, der Ende 2016 seinen Doktor an der Universität Trier gemacht hat, eine schwarze Drohne mit mehreren Rotoren von einem Schrank. Wenn an dem imposanten Gerät noch ein Kamerasystem angebracht ist, etwa eine Wärmebild-, Multi- oder Hyperspektralkamera, wiegt es gut und gerne zehn Kilo. Bis zu einem Hektar Fläche kann man damit in einer halben Stunde scannen, dies mit einer Auflösung, die in einem Bereich unter einem Zentimeter alles genau wiedergibt. Mit dem viel leichteren Modellflugzeug, in das eine kompakte Kamera eingebaut ist, können sogar bis zu 50 Hektar Fläche in 30 Minuten abgedeckt werden.

„Die Vermessung aus der Luft läuft damit ungleich schneller ab als die auf dem Boden“, erklärt Gilles Rock. Außerdem seien die unbemannten Flugsysteme auch dann einsetzbar, wenn Satelliten oder bemannte Flugzeuge wegen Wolken keine freie Sicht auf die Erdoberfläche hätten oder schlicht keine so hohe Auflösung liefern könnten.

„Precision Farming“ ist das Zauberwort. Weil aus den Bildern herausgearbeitet werden kann, wo sich etwa kranke, nicht gut versorgte oder von Schädlingen befallene Pflanzen befinden, können gezielt an den Stellen Maßnahmen ergriffen werden. „Anhand von Helligkeitsunterschieden in unseren Bilddaten können wir beispielsweise sehen, welche Pflanzen wahrscheinlich krank oder weniger gut mit Nährstoffen versorgt sind“, erklärt der Geograf.

Gut für Landwirte und Natur

Die Bilder bieten somit Aufschluss über Schädlinge, Wachstumsfortschritte, gestresste Pflanzen oder Wildschäden. In Zukunft sollen die Ergebnisse an Landwirte geliefert werden, die dann Dünger oder Chemikalien mit ihren GPS-gesteuerten Traktoren punktgenau ausbringen können. „Das ist für die Umwelt gut – und letztendlich auch für den Geldbeutel, weil einfach viel weniger Chemie gebraucht wird. Außerdem können die Abläufe in der Landwirtschaft optimiert werden“, betont Gilles Rock.

Finanziert wird die 2014 gegründete Firma „Geocoptix“ derzeit vor allem von öffentlichen Auftraggebern und Ingenieurbüros. Rock und sein Kollege Andreas Kaiser – beide Anfang 30 – lassen ihre Geräte nicht nur über landwirtschaftlichen Flächen fliegen, sondern vermessen auch Steinbrüche und Baugrundstücke – eine effiziente Alternative zur klassischen Vermessung. Dazu haben die beiden mit einer Ingenieursgruppe das Unternehmen „Luxsense geodata“ in Luxemburg gegründet. Sie können außerdem in der Forstwirtschaft unterstützend tätig werden, indem sie von Borkenkäfern befallene Bäume identifizieren, im Weinbau Pilzbefall, Viren und Wildschäden aufdecken und in der Erosionsforschung helfen.

Katastrophen vermeiden

Andreas Kaiser hat sich schon im Studium und während seiner Doktorarbeit auf dieses Gebiet spezialisiert. Im ostdeutschen Sachsen konnte er untersuchen, wie sich der Bergbau auf den Boden auswirkt und welchen Einfluss die noch von vor der Wende stammenden riesigen Ackerflächen auf die Bodenerosion haben. Dadurch konnte er den Landwirten bei der Erstellung eines Plans helfen, wie sie etwa durch zusätzliche Pflanzungen von Grünstreifen verhindern können, dass nach Starkregen Schlamm von den Feldern die Dörfer überflutet. „Was den Starkregen angeht, arbeiten wir zurzeit mit dem Schweizer Unternehmen ,Meteologix‘ von Jörg Kachelmann zusammen“, erklärt Kaiser. Je präziser man im Voraus über Wetterereignisse Bescheid wisse, desto besser könne man reagieren. Dinge vorherzusagen sei generell ihr Ziel – und nicht erst einzugreifen, wenn es zu spät ist.

Die Firmengründer betonen, wie wichtig der Kontakt zur Forschung in ihrem Beruf ist. „Mit Drohnen fliegen hat heute nichts Geheimnisvolles mehr, das kann jeder lernen. Aber die Anwendungen wissenschaftlich fundiert benutzen, das kann unseren Erfolg ausmachen“, sagt Gilles Rock.

Gilles und Andreas arbeiten neben ihrem Business mit „Geocoptix“ noch an den Universitäten Trier und Eichstätt. „Im Prinzip sind wir rund um die Uhr beschäftigt. Aber das ist es wert“, sagt Gilles Rock zufrieden.