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Zweites Spiel in der Gruppe B: England verschenkt ersten EM-Auftaktsieg
Sport 3 Min. 11.06.2016 Aus unserem online-Archiv

Zweites Spiel in der Gruppe B: England verschenkt ersten EM-Auftaktsieg

Vasili Berezutski

Zweites Spiel in der Gruppe B: England verschenkt ersten EM-Auftaktsieg

Vasili Berezutski
Foto: Reuters
Sport 3 Min. 11.06.2016 Aus unserem online-Archiv

Zweites Spiel in der Gruppe B: England verschenkt ersten EM-Auftaktsieg

Joe GEIMER
Joe GEIMER
Englands Nationalmannschaft hat auch im neunten Anlauf einen Auftaktsieg bei einer Fußball-Europameisterschaft verpasst. Das zweitjüngste Team des Turniers kassierte gegen Russland den Treffer zum 1:1 in der Nachspielzeit.

(dpa) - Durch einen Ausgleich in vorletzter Minute hat England auch im neunten Anlauf den ersten Auftaktsieg bei einer Fußball-EM verpasst. Russlands Vasili Berezutski schockte die "Three Lions" in der Nachspielzeit und erzielte per Kopfball das schmeichelhafte 1:1. Dier hatte die überlegenen Engländer in Marseille in der 73.' in Führung gebracht.

Angetrieben von Kapitän Rooney in ungewohnter Mittelfeldrolle ließ die Mannschaft von Trainer Roy Hodgson aber zu oft die letzte Genauigkeit vermissen. Der ansonsten überragende russische Keeper Akinfeev sah beim Gegentreffer nicht gut aus, der kürzlich eingebürgerte Neustädter gab bei Russland ein ordentliches Pflichtspieldebüt. Vor der Partie lieferten sich Anhänger beider Teams am Alten Hafen von Marseille gewalttätige Auseinandersetzungen.

England dominiert Halbzeit eins

Von Beginn an dominierten die Engländer mit einem ultraoffensiven 4-1-2-3-System. Lallana vom FC Liverpool bot sich in der siebten Minute die erste der beiden besten Chancen der ersten Hälfte: Bei seinem Schuss aus elf Metern bekam Akinfeev gerade noch rechtzeitig die Fäuste hoch. In der 22.' verzog Lallana, sein Flachschuss ging am langen Eck vorbei.

Die junge Mannschaft von Trainer Roy Hodgson erarbeitete sich dank ihrer Schnelligkeit und der gewachsenen fußballerischen Fähigkeiten immer wieder Vorteile. Rooney schien im linken Mittelfeld gut aufgehoben. Der 30-Jährige wurde immer wieder als Anspielstation und Vorbereiter gesucht. Er genoss die Freiheiten ohne direkten Gegenspieler in seiner Rolle sichtlich und verteilte klug die Bälle. Auch Rooney prüfte Schlussmann Akinfeev, der erneut faustete (35.').

Russland kontert

Einziges Manko beim Weltmeister von 1966: Trotz der Überlegenheit gelangen bis zur Pause keine Tore, auch weil zu oft das letzte Zuspiel nicht gelang. Torjäger Kane - einer von fünf Spielern von Tottenham im Team - bekam keinen brauchbaren Ball und blieb gegen die erfahrene Innenverteidigung ohne Wirkung.

Russland zog sich weit in die eigene Hälfte zurück und verlegte sich aufs Kontern. Ein Kopfball von Ignashevich (17.') blieb bis zur Pause aber der einzige Versuch auf das Tor. Keeper Hart musste erst wieder bei einem Kopfball-Aufsetzer von Dier auf den eigenen Kasten eingreifen (59.'). Ein Schlenzer von Smolov (63.'), der am Pfosten vorbeiging, war danach noch gefährlicher.

Zu diesem Zeitpunkt verlief die Partie vor den 62 343 Zuschauern nicht mehr so einseitig. Die Engländer hatten das Tempo ein wenig herausgenommen und waren weiterhin nicht zielstrebig genug. Bis 20 Minuten vor Schluss: Rooney sah seinen Flachschuss aus 14 m schon auf dem Weg ins Tor, Akinfeev bugsierte den Ball noch an die Latte (71.'). Diers Freistoß rauschte dann an ihm vorbei ins Netz. Zu diesem Zeitpunkt sahen die Engländer wie die Sieger aus, freuten sich aber zu früh.

Ausschreitungen nach dem Abpfiff im Stadion

Auch nach dem Abpfiff des ohnehin von Krawallen überschatteten EM-Spiels zwischen England und Russland gab es im Stade Vélodrome von Marseille Ausschreitungen. Nach dem späten Ausgleich der "Sbornaja" wollten russische Fans einen englischen Block stürmen, Leuchtraketen flogen, Fahnen wurden von den Zäunen gerissen.

Die englischen Fans flüchteten sich an den Rand, die Treppen hoch oder über die Zäune in den Innenraum. Es kam zu Schlägereien, die Ordner wurden überrannt.

Über Stunden war es den gesamten Samstag über am alten Hafen und vor dem Stadion zu schweren Ausschreitungen gekommen, ein Mann aus England musste wiederbelebt werden. Er schwebt in Lebensgefahr. Es gab vier weitere Verletzte, sechs Personen wurden festgenommen.

Bilder der Ausschreitungen zwischen Gruppen aus England, Russland und Frankreich zeigen, wie Fans am Boden liegen, andere treten auf sie ein. Im französischen Fernsehen waren fliegende Stühle und Jagdszenen zu sehen.


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