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"Wir sind kein Frauenfußball, wir sind nicht die NFL"
Sport 2 Min. 11.07.2019

"Wir sind kein Frauenfußball, wir sind nicht die NFL"

Sport 2 Min. 11.07.2019

"Wir sind kein Frauenfußball, wir sind nicht die NFL"

Tom RUEDELL
Tom RUEDELL
Der Coach einer amerikanischen Eishockey-Mannschaft hat eine klare Nachricht an seine Spieler: Wer die Hymne nicht respektiert, "soll sich lieber gleich verpissen, denn er wird hier kein Eis sehen." Das Video der patriotischen Kabinenansprache ist jetzt schon ein viraler Hit.

John Krupinsky, Eishockey-Trainer und im Hauptberuf Polizist, ist überrascht, als ihn Donald Trumps Lieblingssender Fox News auf seine Popularität in den sozialen Netzwerken anspricht: "Damit hätte ich nicht gerechnet", sagt der Coach der Danbury Hat Tricks, einer unterklassigen Profimannschaft in der Federal Hockey League. "Ich hätte gedacht, dass das hier in der Stadt rumgereicht wird. Aber nicht 6,5 Millionen Mal weltweit."

Wovon spricht der Mann?

Vor einigen Wochen hatte sich Krupinsky vor dem Trainingsauftakt mit einem nicht-sportlichen Thema an seine Spieler gewandt. Auf einem Handyvideo sieht man ihn in der Kabine der Danbury Ice Arena im Bundesstaat Connecticut stehen. Auf den Bänken vor den Spinden sitzen halb angezogene junge Eishockey-Spieler. Ausrüstung liegt herum, im Hintergrund steht ein Kühlschrank. Die Arena hat 3000 Sitzplätze - das hier ist "Small Town Hockey", irgendwo an der Ostküste. Er habe "am ersten Tag der Saisonvorbereitung etwas sehr Wichtiges" zu sagen, so der Coach. Und dann kommt's.   


TOPSHOT - United States' forward Megan Rapinoe poses with the Golden Boot and Golden Ball awards after the France 2019 Women�s World Cup football final match between USA and the Netherlands, on July 7, 2019, at the Lyon Stadium in Lyon, central-eastern France. (Photo by FRANCK FIFE / AFP)
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"Wir sind kein Frauenfußball. Wir sind nicht die NFL. Falls es hier irgendwen gibt, der die amerikanische oder die kanadische Hymne nicht respektiert: Der soll seine Sachen packen und sich sofort verpissen. Denn er wird in dieser Halle das Eis nicht betreten."  

Der Trainer ist überzeugt: "Wir haben dieses Problem im Eishockey nicht. Wir sind besser. Ich glaube auch nicht, dass es passiert, denn wir sind der patriotischste Sport, den es gibt." 

Der Hymnenstreit erreicht die Provinz

Der "Hymnenstreit" im US-Sport hat damit, mit einiger Verspätung, die unteren Ligen erreicht: Krupinskys Kabinenansprache ist eine Antwort auf die Protestaktionen von Sportlern wie Colin Kaepernick oder Megan Rapinoe, die neuerdings wieder für Schlagzeilen sorgen. 


Colin Kaepernick während der Nationalhymne.
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Kaepernick, ehemaliger Quarterback des NFL-Teams San Francisco 49ers hatte 2016 damit begonnen, sich während der Nationalhymne hinzuknien, um auf virulenten Rassismus in der amerikanischen Gesellschaft hinzuweisen. 

Diese Protestform brachte Kaepernick Zuspruch im Kollegenkreis, aber auch heftige Kritik ein: US-Präsident Trump nannte ihn und weitere Spieler, die sich dem Protest angeschlossen hatten, "Hurensöhne". Kaepernick ist seitdem vereinslos. 

"Coach des Jahres" oder Zensur?

Das Video aus der amerikanischen Eishockey-Provinz wurde in den sozialen Netzwerken tausendfach geteilt und wird ebenso kontrovers diskutiert. "Coach des Jahres", sagen die einen. "Unamerikanisch, weil gegen die Meinungsfreiheit", sagen die anderen. 


Krupinsky selbst habe die Ansprache als seine Aufgabe als Coach und Amerikaner angesehen, sagte er gegenüber Fox News: "Ein Coach muss dafür sorgen, dass er seine Mannschaft im Griff hat."


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