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Wiltz-Trainer Claude Ottelé im Interview: ,,Wir müssen versuchen, positiv zu denken"
Claude Ottelé: ,,Manchmal ist Kritik konstruktiv."

Wiltz-Trainer Claude Ottelé im Interview: ,,Wir müssen versuchen, positiv zu denken"

Foto: Ben Majerus
Claude Ottelé: ,,Manchmal ist Kritik konstruktiv."
Sport 5 Min. 13.03.2015

Wiltz-Trainer Claude Ottelé im Interview: ,,Wir müssen versuchen, positiv zu denken"

Für Claude Ottelé und den FC Wiltz läuft die Saison anders als erwartet. Dennoch gibt sich der 47-Jährige im LW-Interview optimistisch und glaubt an den Klassenerhalt.

Im LW-Interview erklärt Ottelé die Gründe für den Absturz der Wiltzer vom potenziellen Europa-Cup-Kandidaten der Vorsaison zum Kellerkind der Liga. Der 47-Jährige macht seiner Mannschaft trotz aller Rückschläge Mut im Abstiegskampf. Im Moment ist das besonders schwierig. Zuletzt gab es ein 0:4 in Rümelingen. Und nun geht es gegen Fola Esch.

Ausgerechnet jetzt kommt der Spitzenreiter nach Wiltz. Kann es noch schlimmer kommen?

Die Niederlage gegen Rümelingen war schon die höchste in dieser Saison bisher. Ich hoffe stark, dass dies jetzt nicht noch übertroffen wird. So wie wir uns am vergangenen Sonntag präsentiert haben, kann es nur noch bergauf gehen. Wenn man im Abstiegskampf steckt, sind Punkte gegen Topteams die Jokerpunkte, die am Ende entscheidend sein können. Man muss die Zähler natürlich vor allem gegen direkte Konkurrenten holen, aber auch gegen Topteams sollte man den einen oder anderen mitnehmen.

Ist der Klassenerhalt noch zu schaffen?

Ja. Es sind drei Punkte bis zum Relegationsplatz und fünf bis zu einem Nichtabstiegsrang. Noch ist alles möglich, denn wir haben noch zehn Spiele vor uns. Wir müssen versuchen, positiv zu denken. Wenn man in so einer Situation steckt wie wir jetzt, gelingt vieles nicht, was in einer etwas besseren Lage wahrscheinlich glücken würde. Trotzdem darf man den Kopf nicht in den Sand stecken.

Lassen Sie uns zurück an den Anfang gehen. Wenn Sie gewusst hätten, was auf Sie zukommt – hätten Sie trotzdem das Traineramt in Wiltz angetreten?

Ja. Erstens weiß man nie, was auf einen zukommt. Und zweitens hätte ich den Job trotzdem angenommen. Wiltz ist ein guter Verein. Dass wir jetzt so schlecht dastehen, liegt nicht nur am FC Wiltz allein. Da kommen mehrere Faktoren zusammen. Unter anderem hatten wir auch ziemlich viel Pech. Zunächst bei den Neuverpflichtungen vor dem Saisonbeginn. Wir haben die Abgänge von Cossalter und Asim Alomerovic nicht so verkraftet, wie wir uns das vorgestellt hatten. Wir hatten den Mittelfeldspieler Noutsos und den Stürmer Hajdarovic vom saarländischen Club Neunkirchen verpflichtet, aber beide verließen uns überraschend wieder, ohne dass uns noch Zeit blieb, Ersatz zu holen. Hinzu kam die Verletzung des einstigen Torgaranten Edis Osmanovic. Er hatte sich am Ende der Vorsaison einen Fußbruch zugezogen und kam in der aktuellen Spielzeit nie richtig in Tritt. Er fand nie zu seiner alten Form. Und ich glaube auch nicht, dass es bis zum Saisonende entschieden besser wird. Wenn also im Vergleich zur vergangenen Saison mehrere wichtige Leute fehlen, braucht man sich über die Ergebnisse nicht zu wundern. Das ist für einen Verein wie Wiltz schwer zu verkraften.

Warum dauert es so lange, bis Osmanovic zu seiner Bestform zurückfindet?

Zunächst brauchte es seine Zeit, bis der Fuß wieder voll belastbar war. Ich glaube schon, dass er alles für seine Genesung getan hat. Aber zuletzt hat er wieder einen Rückfall erlitten, weil er im Training einen Schlag auf die verletzte Stelle bekommen hat. Das ist natürlich Pech. Im Grunde kam er nie richtig in einen Spielrhythmus, so fehlte ihm auch die Sicherheit, die für einen Stürmer besonders wichtig ist. Es spielt sich auch viel im Kopf ab. Dass Osmanovic solche Probleme hat, wirkt sich auf die ganze Mannschaft aus. Das Wiltzer Spiel war doch ziemlich auf ihn aufgebaut.

Vor der Saison war das Ziel, die Defensive zu verbessern, weil Ihnen die vielen Gegentore in den vergangenen Spielzeiten Sorgen bereiteten. Doch nun ist das einstige Prachtstück, die Offensive, zur größten Baustelle geworden.

Ich hatte damals gesagt, dass ich mir um die Offensive die wenigsten Sorgen mache. Aber der Sturm ist nun das größte Sorgenkind. Vor dem Tor sind wir nicht realistisch genug und wir erspielen uns auch nicht genug Chancen. Natürlich hängt das mit der Form von Osmanovic zusammen. Zudem fehlt uns Amel Cosic sehr, der im Oktober einen Kreuzbandriss erlitten hat. Er war auch einer der offensiven Impulsgeber. Trotzdem soll das jetzt alles nicht so klingen, als würden wir nach Entschuldigungen suchen. Das wäre zu einfach.

Präsident Robert Nilles führte die schwache Leistung einiger Spieler auch darauf zurück, dass sie die neue Doppelbelastung aus Beruf und Sport erst gewöhnt werden mussten. Sehen Sie das ähnlich?

Das spielt schon eine Rolle. Es betraf zwei, drei Spieler, die ihre Probleme jetzt aber allmählich überwunden haben.

Am Ende der Hinrunde machte vor allem der Sieg gegen Grevenmacher Hoffnung. Wie wichtig war er so kurz vor der Winterpause?

Wenn wir gegen Grevenmacher nicht gewonnen hätten, wäre die Vorbereitung zur Rückrunde sehr, sehr schwer geworden. Der Sieg gab uns Auftrieb. Wir sind mit zwei Unentschieden auch nicht so schlecht in die zweite Saisonhälfte gestartet. Doch das 0:4 in Rümelingen war ein großer Rückschritt. Da hat die Mannschaft als Ganzes nicht funktioniert, nicht nur die Abwehr.

Inwiefern sind die Wintertransfers, die Belgier Gary Fournier und Christopher Verbist, eine Hilfe?

Sie sind gute Spieler und ganz sicher Verstärkungen, brauchen aber noch Eingewöhnungszeit. Es ist nun mal sehr schwierig, in der Winterpause starke Leute zu bekommen. Viel Auswahl gibt 
es nicht. Wir haben davon profitiert, dass ihre Vereine finanzielle Probleme hatten und daher 
unbedingt Spieler abgeben wollten.

Für Sie selbst ist es die erste Saison als Trainer in der BGL Ligue. Haben Sie selbst auch Fehler gemacht, womöglich aus Unerfahrenheit?

Ich möchte mich nicht selbst beurteilen, das sollen andere tun. Aber jeder macht Fehler, jeder Trainer, jeder Spieler, also ich natürlich auch.

Haben Sie Kritik einstecken müssen, beispielsweise von Fans?

Dass Kritik von Fans aufkommt, ist ja normal. Das sehe ich nicht als negativ an, manchmal ist Kritik konstruktiv.

Sie kennen die Mechanismen der Branche. Waren oder sind Sie in Sorge, dass Sie die Aufgabe in Wiltz nicht zu Ende führen können?

Fußball ist ein Tagesgeschäft. Da kann es schnell gehen, wenn man keine Punkte holt. Natürlich habe ich mir meine Gedanken gemacht. Aber so etwas entscheide ohnehin nicht ich, sondern die Verantwortlichen. Ich muss aber sagen, dass sie bisher nie Druck auf den Trainerstab ausgeübt haben.

Haben Sie selbst zwischenzeitlich ans Aufgeben gedacht?

Nein. Dann hätte ich das Amt gar nicht erst antreten dürfen. Wenn man A sagt, muss man auch B sagen.


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