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Vater von Djokovic vergleicht Tennisstar mit Jesus
Sport 4 Min. 06.01.2022
Streit um Visa für Australien

Vater von Djokovic vergleicht Tennisstar mit Jesus

Srdjan Djokovic
Streit um Visa für Australien

Vater von Djokovic vergleicht Tennisstar mit Jesus

Srdjan Djokovic
Foto: AFP
Sport 4 Min. 06.01.2022
Streit um Visa für Australien

Vater von Djokovic vergleicht Tennisstar mit Jesus

Die Einreiseverweigerung nach Australien zieht immer weitere Kreise. Jetzt gab der Vater des Tennisprofis eine Pressekonferenz.

(dpa) - Der Vater des an der Einreise nach Australien gehinderten Tennisstars Novak Djokovic hat seinen Sohn mit Jesus Christus verglichen. „Jesus wurde gekreuzigt, ihm wurde alles angetan, und er ertrug es und lebt immer noch unter uns“, sagte Srdjan Djokovic am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Belgrad. „Jetzt versuchen sie Novak auf die gleiche Weise zu kreuzigen und ihm alles anzutun.“

Der wohl ungeimpfte Djokovic war mit einer umstrittenen medizinischen Ausnahmegenehmigung nach Australien gereist, um in Melbourne an den Australian Open teilzunehmen. Die australische Grenzschutzbehörde verwehrte ihm aber die Einreise. Nach Ansicht der Behörde legte der Sportler keine geeigneten Beweise zur Erfüllung der Einreisebestimmungen vor. Er wurde in ein Hotel für Ausreisepflichtige gebracht.

Novak ist Serbien, Serbien ist Novak!

An der Pressekonferenz in Belgrad nahmen neben dem Vater weitere Familienangehörige teil. Sie fand im Restaurant „Novak 1“ statt, das dem Tennisspieler gehört. In seinen dramatischen Wortmeldungen stilisierte Srdjan Djokovic den Sohn zum „Freiheitskämpfer“.


Novak Djokovic of Serbia in action during his Men's singles finals match against Daniil Medvedev of Russia on Day 14 of the Australian Open at Melbourne Park in Melbourne, Sunday, February 21, 2021. (AAP Image/Dave Hunt) NO ARCHIVING, EDITORIAL USE ONLY
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„Novak ist Serbien, und Serbien ist Novak“, erklärte er. „Er wird kämpfen wie wir, und wie wir Serben zusammen mit dem ganzen Balkan.“ Djokovic sei „das Licht am Ende des Tunnels“ für die „Welt der Freiheit“. Diese werde nicht vom Westen gebildet, sondern von „sieben Milliarden Menschen“, die in Osteuropa, Russland, China, Lateinamerika und Afrika leben würden.

In Australien sei Djokovic „im Gefängnis“, meinte der Senior. Man habe ihm alles abgenommen außer dem Mobiltelefon, er könne sich nicht umziehen und waschen. Er streite nicht nur für sich und Serbien, sondern führe „den Kampf von sieben Milliarden Menschen auf der Welt für Rede- und Meinungsfreiheit“.

Derzeit hält sich Djokovic im Hotel Park in Melbourne auf, in dem auch abgelehnte Asylbewerber untergebracht sind. Vor dem Hotel versammelten sich am Donnerstagnachmittag serbische Fans mit Nationalflaggen, um für Djokovic zu protestieren. Aktivisten nutzten den Moment auch, um die Freilassung der dort untergebrachten Menschen zu fordern.

Ein Djokovic-Unterstützer vor dem Hotel Park in Melbourne.
Ein Djokovic-Unterstützer vor dem Hotel Park in Melbourne.
Foto: AFP/William West

Nadal: „Wenn du geimpft bist, kannst du spielen“

Von Djokovic selbst gibt es seit seinem Abflug nach Australien am Dienstag keine Aussagen mehr. Dafür äußerten sich seine Konkurrenten. Olympiasieger Alexander Zverev hielt sich mit einer Beurteilung des Falles zurück. „Es ist ein Grand-Slam-Turnier, das er neun Mal gewonnen hat. Es wäre schön für das Tennis, wenn er dabei wäre“, sagte Zverev. „Aber Regeln sind Regeln. Ich werde nie im Leben ein schlechtes Wort über Novak sagen, aber ich kenne auch zu wenig Details, um ihn in Schutz nehmen zu können.“

Auch andere Rivalen sprangen nicht für Djokovic in die Bresche. Im Gegenteil. „Ich hatte Covid, ich bin zwei Mal geimpft. Wenn du das machst, hast du kein Problem, hier und überall auf der Welt zu spielen. Das ist das Einzige, was klar ist“, sagte der Spanier Rafael Nadal. Die Regeln seien lange bekannt. Die Menschen in Australien seien in der Pandemie durch schwere Zeiten gegangen. Von daher könne er ihren Unmut über die Ausnahmegenehmigung für Djokovic verstehen. Melbourne hatte mit 262 Tagen einen der längsten Lockdowns der Welt.

„Wenn er eine faire Ausnahme von der Regel hätte, sollte er hier sein. Wenn er keine hat, dann nicht“, sagte der russische Weltranglisten-Zweite Daniil Medwedew. Die bereits seit Wochen anhaltenden Diskussionen um Djokovic und seinen Impfstatus sind auch unter den Tennisstars das Thema Nummer eins.

Viele seiner Kollegen äußerten Unverständnis über das Verhalten des Tennis-Champions.
Viele seiner Kollegen äußerten Unverständnis über das Verhalten des Tennis-Champions.
Foto: AFP/William West

Die Ausnahmegenehmigung für Djokovic hatte zuvor auch international für große Empörung gesorgt. Sogar Australiens Premier Scott Morrison äußerte sich zu dem Fall und rief die wegen der Corona-Pandemie derzeit herrschenden Einreiseregeln in Erinnerung. Dafür brauche es den Nachweis einer doppelten Impfung oder eine gültige medizinische Ausnahmegenehmigung, sagte er. „Regeln sind Regeln, vor allem, wenn es um unsere Grenzen geht“, schrieb der Regierungschef auf Twitter. „Niemand steht über diesen Regeln.“

Djokovic war offenbar der Ansicht, über die erforderlichen Dokumente zu verfügen und hatte sich daraufhin am Dienstag auf den Weg nach Melbourne begeben. Anscheinend seien die Dokumente, so schrieb die Agentur AAP, aber nur für das Turnier und nicht für die Einreise nach Australien erteilt worden. Was auch ein schlechtes Licht auf die Organisatoren um den mächtigen Turnierboss Craig Tiley wirft.

Empörung in Serbien

Am Flughafen von Melbourne war Djokovic nach seiner Ankunft am Mittwochabend mehrere Stunden lang von Beamten wegen offenkundiger Unstimmigkeiten mit seinem Visum verhört worden. Die Dokumente, die Djokovic vorgelegt hatte, sahen Medien zufolge medizinische Ausnahmen für Ungeimpfte gar nicht vor. Die Behörden des australischen Bundesstaats Victoria, dessen Hauptstadt Melbourne ist, wurden deshalb eingeschaltet - und verweigerten ihm die Unterstützung.

Ranghohe Politiker in Serbien empörten sich über die Ausweisung des Tennisstars. „Ganz Serbien steht hinter ihm“, schrieb der serbische Präsident Aleksandar Vucic in der Nacht zum Donnerstag nach einem Telefonat mit Djokovic auf Instagram. „Unsere Behörden werden alle Maßnahmen ergreifen, um die Schikanierung des besten Tennisspielers der Welt binnen kürzester Zeit zu beenden.“ Regierungsnahe Medien machten in der serbischen Hauptstadt Belgrad ebenfalls Stimmung gegen die Entscheidung der australischen Behörden. „Das ist der größte Sportskandal aller Zeiten“, titelte das Boulevard-Blatt „Kurir“ am Donnerstag.



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