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Trotz Corona-Boom: Budapest bleibt Ausweich-Hochburg im Fußball
Sport 2 Min. 05.03.2021

Trotz Corona-Boom: Budapest bleibt Ausweich-Hochburg im Fußball

Viktor Orbans ungarische Regierung pflegt gute Kontakte zur Europäischen Fußball-Union.

Trotz Corona-Boom: Budapest bleibt Ausweich-Hochburg im Fußball

Viktor Orbans ungarische Regierung pflegt gute Kontakte zur Europäischen Fußball-Union.
Foto: AFP
Sport 2 Min. 05.03.2021

Trotz Corona-Boom: Budapest bleibt Ausweich-Hochburg im Fußball

Budapest wird für die UEFA trotz extrem steigender Infektionen als Ersatzspielort immer wertvoller. Grund dafür sind die guten Kontakte zwischen der UEFA und Orbans Regierung.

(sid) - Julian Nagelsmann wollte nicht auf die besorgniserregende Entwicklung in Ungarn eingehen. „Keine Ahnung, mehr kann ich nicht sagen. Ich entscheide da eh nix“, sagte der Trainer von RB Leipzig, dessen Elf am Mittwoch ihr Achtelfinalrückspiel in der Champions League gegen den FC Liverpool (21 Uhr) in Budapest austragen wird.

Julian Nagelsmann will sich nicht zu der Situation in Ungarn äußern.
Julian Nagelsmann will sich nicht zu der Situation in Ungarn äußern.
Foto: dpa

Die Lage in Ungarn ist jedoch alarmierend. Die Infektionszahlen schießen in die Höhe, die Sieben-Tage-Inzidenz stieg am Freitag auf 327. Am Tag zuvor war Ungarn in Deutschland zu einem Hochinzidenzgebiet erklärt worden. Nach Rückreisen aus solchen Regionen droht eine zweiwöchige Quarantäne. Die sächsische Coronaverordnung sieht für Fußballprofis eine Ausnahmeregel vor. Diese Regel gilt jedoch nur bis Freitag.

Bereits sechs Mal Ausweichort

Für die Europäische Fußball-Union (UEFA) hat das bislang noch keine Folgen. Ungarn bleibt das gelobte Land, schon sechs Mal wurde die Hauptstadt Budapest mit ihrer schmucken Puskas-Arena im Europapokal zum Ausweichort ernannt - so oft wie keine andere europäische Stadt.

Die Puskas-Arena in Budapest.
Die Puskas-Arena in Budapest.
Foto: AFP

Während in Deutschland Geschäfte und Schulen allmählich wieder öffnen sollen und die Sieben-Tage-Inzidenz bei rund 65 liegt, ordnete Ministerpräsident Viktor Orban für Ungarn einen harten Lockdown an, der bis Anfang April andauern soll. Die Sorge vor einem Kollaps des Gesundheitswesens ist groß, das knapp zehn Millionen Einwohner starke Land zählte bis Freitag 15.476 Todesfälle.

Gute Kontakte der Orban-Regierung

Doch die Rolle von Budapest als Rettungsanker der UEFA in stürmischen Corona-Zeiten ist ungefährdet. Ein Grund dafür sind die guten Kontakte zwischen der Orban-Regierung und der UEFA, die laut eines Berichts der ARD-Sportschau in den vergangenen Jahren ausgebaut wurden. Zentrale Person dabei ist der Banker Sandor Csanyi. Der vermögende Orban-Freund ist der Vorsitzende des ungarischen Fußball-Verbandes und gleichzeitig Vizepräsident der UEFA.

Kein Wunder also, dass Ungarn anders als etwa Deutschland in seinen Einreisebestimmungen festgelegt hat, dass nicht-ungarische Staatsbürger ins Land dürfen, wenn sie an einer internationalen Sportveranstaltung teilnehmen. Der enge Draht des UEFA-Chefs Aleksander Ceferin über Csanyi in die Regierungszentrale von Orban zahlt sich hier aus.

Hochkarätige Spiele in der Puskas-Arena

Wen wundert es da noch, dass die 2019 errichtete Puskas-Arena auch Spielort der EM im Sommer sowie des Europa-League-Finals 2023 ist? Auch das Finale um den europäischen Supercup zwischen Bayern München und dem FC Sevilla (2:1) im vergangenen September war kurzfristig nach Budapest verlegt worden.

Am Mittwoch begrüßt Budapest wieder die Topteams der Königsklasse. RB Leipzig und der FC Liverpool können mit der Verlegung ihres Rückspiels die gültigen Reiseregeln umgehen. Wäre Leipzig an der Anfield Road angetreten, hätte dem Team im Anschluss eine 14-tägige Quarantäne gedroht.

Yussuf Poulsen und seine Teamkollegen müssen sich im Rückspiel steigern.
Yussuf Poulsen und seine Teamkollegen müssen sich im Rückspiel steigern.
Foto: AFP

Schon das Hinspiel am 16. Februar, das Leipzig als offizielles Heimteam 0:2 gegen die Mannschaft von Welttrainer Jürgen Klopp verloren hatte, war in der Puskas-Arena ausgetragen worden. Grund waren die deutschen Einreisebeschränkungen aufgrund der in Großbritannien stark vorkommenden Corona-Mutation.

Doch so oder so, bei aller Diskussion um den Standort müssen sich die Leipziger für das Rückspiel am Mittwoch sportlich enorm steigern und dürfen sich nicht wieder so krasse individuelle Fehler wie im Hinspiel erlauben. Ansonsten platzt im Achtelfinale der Traum - und Europas Ausweich-Hochburg Budapest wird für Leipzig zur Endstation.   

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