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Tipps des Sportpsychologen in Corona-Zeiten
Sport 4 Min. 25.03.2020

Tipps des Sportpsychologen in Corona-Zeiten

Frank Muller: "Zurzeit riskieren Sportler, sich etwas gehen zu lassen und in Netflix zu versinken."

Tipps des Sportpsychologen in Corona-Zeiten

Frank Muller: "Zurzeit riskieren Sportler, sich etwas gehen zu lassen und in Netflix zu versinken."
Foto: Stéphane Guillaume
Sport 4 Min. 25.03.2020

Tipps des Sportpsychologen in Corona-Zeiten

Joe TURMES
Joe TURMES
Wie können sich Athleten in Zeiten der Corona-Pandemie motivieren? Sportpsychologe Frank Muller gibt Antworten.

Die Corona-Pandemie und die damit verbundene Absage der Sportveranstaltungen zwingt die Athleten zu einer Wettbewerbspause. Sportpsychologe Frank Muller hat dennoch weiterhin viel Arbeit. "Es gibt natürlich einerseits Athleten, deren Saison beendet ist und die deshalb kein sportpsychologisches Coaching in Anspruch nehmen. Bei anderen ist dies allerdings nicht der Fall und ich unterstütze diese dann virtuell. Es gibt verschiedene Kommunikationsmöglichkeiten wie Skype oder Zoom", betont er.

Der 32-Jährige hat sich mit Fachliteratur auseinandergesetzt, um seine Kunden so gut wie möglich beraten zu können. "Ich habe mich mit psychologischer Literatur beschäftigt, die Krisen behandelt. Die Vereinigung der US-amerikanischen Sportpsychologen hat Empfehlungen gegeben, wie sich Sportler, aber auch ihre Trainer, verhalten sollen."

Wie lauten die Ratschläge für Sportler? "Sie sollten sich in dieser Situation ähnlich verhalten wie bei einer Verletzungspause. Auch wenn eine Blessur auftritt, ist es wichtig, dass sie nicht stehen bleiben und weiterhin an ihrer körperlichen Verfassung arbeiten", so Muller. "Es ist notwendig, weiterhin physisch aktiv zu bleiben. Dies gilt beispielsweise auch für die Schwimmer, die im Moment nicht trainieren können, da die Schwimmhallen geschlossen sind."

Ziele setzen 

Muller legt allen Sportlern ans Herz, Krafttraining, Stabilisationsübungen oder Laufeinheiten zu absolvieren. "Es ist ideal, wenn sie sich überlegen, welche Übungen in ihrer Sportart besonders nützlich sind und ein wöchentliches Programm planen. Sie sollen ihren Alltag strukturieren."

Die Sportler sollen ihren Alltag strukturieren.

Dies gelte vor allem für Kollektivsportler, die gewohnt sind, in einer vorgegebenen Struktur zu funktionieren. In der aktuellen Situation seien allerdings alle Athleten, unabhängig ob Kollektiv- oder Individualsportler, gefährdet, in einen Schlummermodus zu verfallen. "Zurzeit riskieren Sportler, sich etwas gehen zu lassen und in Netflix zu versinken. Kurz- und mittelfristige Ziele können dabei helfen, nicht zu lethargisch zu werden."

Ziele und ein damit verbundenes Programm seien nicht nur gut für den Körper. "Wer aktiv ist, stärkt auch seine Psyche." Doch nicht nur körperliche Betätigung habe positive Effekte. Muller hält auch viel von Meditation, der Lektüre von Autobiografien von berühmten Sportlern oder dem Schauen von Sportdokumentationen. 

 Schlaf und Ernährung sind wichtig 

Muller spricht von einem Gesamtpaket, das stimmen muss, damit die Motivation über einen langen Zeitraum erhalten bleibt. Der ehemalige Basketballnationalspieler weist auf die Notwendigkeit von ausreichend Schlaf, einer gesunden Ernährung und dem regelmäßigen Austausch mit der Familie, Freunden oder Teamkollegen hin. Aber auch Anforderungen und ein damit verbundener positiver Stress würden verhindern, dass der Athlet in ein Loch fällt.

Der Sportpsychologe rät ebenfalls zu positivem Denken: "Es bringt nichts, sich nur auf die negativen Aspekte, die mit der Corona-Pandemie einhergehen, zu konzentrieren. Es gibt auch einige positive Begleiterscheinungen, wie beispielsweise, dass einem nun mehr Zeit zur Verfügung steht. Die einheimischen Basketballspieler beispielsweise können sich nun nach dem Saisonabbruch genau überlegen, was in der abgelaufenen Spielzeit nicht gut gelaufen ist und wie sie das bei der Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs ändern wollen."

Der Trainer kann helfen

Die Corona-Pause für den Sport droht sich über Wochen oder Monate hinzuziehen. Muss ein Sportler ein schlechtes Gewissen haben, wenn er an einem Tag trotz aller Pläne nicht motiviert ist und im Bett liegen bleibt? 

"Dies kann natürlich vorkommen. Sportler sind keine Roboter. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass sich der Athlet bereits im Vorfeld eine Strategie überlegt, wie er wieder aus diesem Motivationsloch finden kann."

Helfen könnte ihm in diesem Fall auch der Trainer. "Ein Trainer hat in der Regel viel Erfahrung und kennt abwechslungsreiche Methoden, um den Sportler wieder anzutreiben."

Frust ist normal 

Neben Motivationslöchern kann auch Frust auftreten, beispielsweise bei Sportlern, die in Topform sind und nun noch ein Jahr auf Olympia warten müssen. "Es ist völlig normal und nachvollziehbar, dass Athleten frustriert sind. Natürlich gibt es in Corona-Zeiten Leute mit größeren Problemen als Sportler. Frust ist dennoch ohne schlechtes Gewissen erlaubt, da sich das Leben eines Athleten halt um den Sport dreht." Muller warnt dennoch vor zu viel Selbstmitleid. 

Der 32-Jährige war noch nicht mit Sportlern konfrontiert, die mit existenziellen Ängsten aufgrund der Corona-Pandemie konfrontiert sind. Für den Fall der Fälle hat er jedoch einen Plan: "Ich würde dem Sportler deutlich machen, dass er sich nur mit den Aspekten befassen soll, die er beeinflussen kann. Es bringt wenig, sich mit Problemen zu beschäftigen, die außerhalb seines Kontrollbereichs liegen."

Frank Muller geht zurzeit nicht für T71 auf Korbjagd.
Frank Muller geht zurzeit nicht für T71 auf Korbjagd.
Foto: Christian Kemp

Muller hat aktuell gut Zeit, Sportler zu beraten. Da der Verband die Basketballsaison frühzeitig beendet hat, kann sich der T71-Spieler im Moment fast ausschließlich auf seinen Beruf konzentrieren. "Ich hatte vor der Zwangspause ein hohes Pensum. Nun kann sich mein Körper etwas regenerieren und auch in mentaler Hinsicht kann ich etwas abschalten", gewinnt er der ungewohnten Situation Positives ab. Der Sportpsychologe muss mit gutem Beispiel vorangehen.

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