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Sport treiben – ja, aber wo?
Sport 3 Min. 26.08.2014 Aus unserem online-Archiv
Ein globales Sportkonzept für Luxemburg (V)

Sport treiben – ja, aber wo?

Die Coque in Kirchberg ist längst ein Opfer ihres Erfolgs geworden.
Ein globales Sportkonzept für Luxemburg (V)

Sport treiben – ja, aber wo?

Die Coque in Kirchberg ist längst ein Opfer ihres Erfolgs geworden.
Foto: Marc Wilwert
Sport 3 Min. 26.08.2014 Aus unserem online-Archiv
Ein globales Sportkonzept für Luxemburg (V)

Sport treiben – ja, aber wo?

Um Sport treiben zu können, müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Nicht nur ausreichend Freizeit ist notwendig. Oftmals reicht bereits die alleinige Natur aus, um sich zu bewegen. Je mehr die Wettkampfkomponente jedoch die Oberhand gewinnt, umso wichtiger sind auch die entsprechenden Strukturen.

(LS) - Um Sport treiben zu können oder körperlich aktiv zu werden, müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Das bedeutet nicht nur, dass ausreichend Freizeit notwendig ist. Oftmals reicht bereits die alleinige Natur aus, um sich zu bewegen. Je mehr die Wettkampfkomponente jedoch die Oberhand gewinnt, umso wichtiger sind auch die entsprechenden Strukturen.

Das Arbeitspapier des „Comité olympique et sportif luxembourgeois“ (COSL) für ein globales Sportkonzept in Luxemburg behandelt in Kapitel sieben auf rund 15 Seiten die entsprechenden Rahmenbedingungen. Welche Wichtigkeit diesen zukommt, unterstreicht bereits die Seitenzahl.

Bei Rahmenbedingungen denkt man zunächst an Sportinfrastrukturen. Seien es Multifunktionshallen, Sportfelder, Schwimmbäder oder Joggingpfade. Die aktuelle Lage wird als „gut“ bezeichnet. Das COSL erinnert aber daran, dass auch im Sport ein Angebot die Nachfrage schafft. Wenn für eine bestimmte Sportart die entsprechende Struktur in einem Teil des Landes fehlt, kann sie nicht betrieben werden.

Auf nationaler Ebene gilt dies beispielsweise (aber nicht nur) für den Bahnradsport: Ohne überdeckte Bahn können die „Pistards“ hierzulande bestenfalls ein Dasein am Rande der (Sport-) Gesellschaft fristen. Ohne zeitgemäßes Fußballstadion wird auch die Nationalmannschaft die internationalen Spiele bald im Ausland austragen müssen. Aber dies gilt auch im Kleinen: In einer Ortschaft ohne Fußballverein stoßen zwangsläufig weniger Kinder zum Spiel mit dem runden Leder. Im Umkehrschluss unterstreichen die vermehrt öffnenden Fitnesszentren, dass bei der Bevölkerung ein Interesse an sportlicher Betätigung besteht. Das Angebot wird gerne wahrgenommen.

Wichtigkeit eines Inventars

Das COSL stellt fest, dass in puncto Infrastrukturen noch längst nicht alle Möglichkeiten zur Optimierung ausgeschöpft sind. Man verlangt also nicht unbedingt neue oder zahlreichere Sportstätten, sondern äußert vielmehr den Wunsch nach einer besseren Koordination zwischen den verschiedenen Trägern. Dabei geht es nicht alleine um Sporthallen, die außerhalb der Schulzeit nur zu oft leer stehen, weil sie der Autorität des entsprechenden Lyzeumsdirektors unterstehen und Vereine – selbst außerhalb der Ferien – nur mit dessen Wohlwollen zugelassen sind.

Das Luxemburger Olympische Komitee unterstützt daher das vom Sportministerium geplante Inventar aller Sportanlagen hierzulande. Dabei soll es sich, zumindest nach dem Wunsch des NOK, nicht auf eine reine Aufzählung beschränken. Vielmehr müssen auch die Nutzungsbedingungen einer genaueren Analyse unterzogen werden. Das Ziel ist ebenso einfach ausgedrückt wie schwierig zu erreichen: Einem Maximum an Menschen den Zugang zu möglichst vielen Sportstätten zu ermöglichen – mit einer entsprechenden Einstufung von Spitzen- bis hin zu Breitensportlern. Und – last but not least – entsprechende geografische Schwachstellen entsprechend aufrüsten. Eine Katalogisierung alleine reicht nicht aus. Auch müssen die entsprechenden Konsequenzen gezogen werden.

Der Reihe nach

Es ist eines der Problemfelder, die das COSL bedrücken: Laut Arbeitspapier müssen Trainingseinheiten der Nationalkader nur allzu oft so angesetzt werden, wie Zeitfenster offen sind. Und nicht, wie es aus trainingsplanerischer Sicht am sinnvollsten wäre. Bei der Zuteilung der Trainingsplätze muss dem Leistungssport unbedingt Vorrang eingeräumt werden. Das COSL schreckt auch nicht davor zurück, einen Gedankenaustausch bezüglich der Prioritäten im nationalen Sport- und Kulturzentrum Coque in Kirchberg zu fordern.

Doch Schwachstellen gibt es auch in einem ganz anderen Bereich: In vielen Grundschulen gibt es laut Arbeitsthese keine oder nur ungenügende Möglichkeiten zum „Turnunterricht“. In diesem frühen Alter soll aber der Grundstein für das spätere Interesse an der Bewegung gelegt werden. Also muss gerade hier so schnell wie möglich Abhilfe geschaffen werden. Es muss nicht gleich immer eine teure Sporthalle sein. Oftmals kann man in diesem Bereich auch mit viel weniger Mitteln wertvollen Raum schaffen – die jedoch ebenfalls zum Ziel führen.


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