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Spannender Titelkampf bahnt sich an
Sport 8 Min. 19.09.2015 Aus unserem online-Archiv
Saisonauftakt im Handball

Spannender Titelkampf bahnt sich an

Sascha Marzadori möchte auch dieses Jahr wieder mit dem HB Esch eine wichtige Rolle spielen.
Saisonauftakt im Handball

Spannender Titelkampf bahnt sich an

Sascha Marzadori möchte auch dieses Jahr wieder mit dem HB Esch eine wichtige Rolle spielen.
Foto: Fernand Konnen
Sport 8 Min. 19.09.2015 Aus unserem online-Archiv
Saisonauftakt im Handball

Spannender Titelkampf bahnt sich an

Der Meister HB Düdelingen spürt den Atem der Konkurrenz im Nacken. Käerjeng hat Ambitionen.

Viel spannender hätte die vergangene Saison im Handball nicht sein können. Quasi erst mit der Schlusssirene wurde der neue Meister gekürt. Dank eines Sieges mit einem Treffer Unterschied am letzten Spieltag in Esch konnte der HB Düdelingen den 23. Titel seiner Vereinsgeschichte feiern. Es war fast schon auf eine dramatische Art und Weise wie die Spielzeit 2014/2015 zu Ende ging.

Es wäre wohl vermessen, eine ähnlich spannende kommende Meisterschaft zu verlangen, doch die Vorzeichen auf einen erneut knappen Ausgang sind durchaus vorhanden. Es hat den Anschein als hätten sich die fünf Topteams vor allem auf dem ausländischen Markt weiter verstärkt, sodass das Spielniveau nochmals ansteigen sollte. Vor allem der HB Düdelingen, 
Käerjeng und die Red Boys sollten sich auf einem fast identischen Niveau begegnen. Doch auch der HB Esch, der sich im Umbruch befindet, und Berchem dürfen unter keinen Umständen unterschätzt werden, denn die beiden Traditionsvereine hegen ebenfalls Ambitionen.

Der Meister in Lauerstellung

Es war schon etwas überraschend, dass der HBD trotz der verletzungsbedingten Ausfälle von Poeckes und Hummel am Ende den Titel feiern konnte. Mit mannschaftlicher Geschlossenheit und einer exemplarischen Einstellung legte das Team von Trainer André Gulbicki wichtige Komponenten für den Erfolg an den Tag. In der an diesem Wochenende beginnenden Spielzeit wird es erneut genau darauf  ankommen.

Poeckes hat wegen seiner anhaltenden Schulterprobleme seine Karriere beendet, sodass der HBD vor allem im Rückraum nachlegen musste, da auch Hummel in der Vergangenheit immer wieder von diversen Verletzungen gebremst wurde. Mit den Neuzugängen Rydz und Semenov, der bereits auf Champions-League-Erfahrung zurückgreifen kann, hat der Rekordlandesmeister Abhilfe geschaffen und möchte nun natürlich erneut ganz oben mit mischen. Frauen-Trainer Maelseveic soll vor allem mit seiner Erfahrung abseits des Feldes helfen. „Es wird sicherlich etwas Zeit brauchen, bis wir im Rückraum optimal eingespielt sind. Das Potenzial der Neuzugänge ist aber ganz klar vorhanden, sodass wir hier gut aufgestellt sein werden“, zeigt sich der Trainer zufrieden. Doch der Kader scheint, wie jetzt im Europapokal gesehen, dünn besetzt, sobald es zu Ausfällen kommt.

Der verletzte Keeper Hensen wird in diesem Jahr nicht mehr zum Einsatz kommen, sodass die Hauptlast auf den Schultern von Jovicic und Herrmann liegt. „Beide genießen mein vollstes Vertrauen und können sichere Rückhalte sein“, weiß der gebürtige Pole, der seine Mannschaft in der Titelfrage in Lauerstellung sieht: „Wir wollen uns zuerst stabilisieren und dann schauen, was wir erreichen können. Wir sind wie in der vergangenen Saison sicherlich nicht Titelkandidat Nummer eins, denn die Konkurrenz ist groß“.

Käerjeng möchte den Titel

Im Zuschauen hat der HB Käerjeng den Titel in der abgelaufenen Saison verloren. Wehrlos musste man mit ansehen, wie Düdelingen Sekunden vor Schluss Meister wurde. Mit dem Pokalgewinn wurde diese Enttäuschung zwar etwas gemildert, richtig zufrieden war das Team jedoch nicht. Auch zur neuen Saison hat man in der Brauereistadt hohe Ansprüche. „Wir haben eine Mannschaft, die gewinnen kann, vielleicht sogar gewinnen muss. Wir brauchen uns definitiv nicht zu verstecken. Wir wollen ganz klar Meister werden“, bekräftigt Trainer Riccardo Trillini.

Dafür wurde der ohnehin bereits starke Kader trotz des Abgangs von Marrochi weiter verstärkt. Aus der Bundesliga kam der Slowene Praznik, der im EHF-Cup in Ystad (S) bereits eine Kostprobe seines Könnens abgab. Molitor soll die Sorgen auf Linksaußen vertreiben, derweil mit Kekesi und Cenusa erfahrene Back-ups am Kreis und im Tor geholt wurden. Auch der wiedergenesene Giannopoulos kann quasi in die Kategorie der Neuzugänge einfügt werden.

Allerdings macht mit Volpi ein Leistungsträger ein paar Sorgen. Der Italiener, Garant für den Titel im Vorjahr, spielte aufgrund von diversen Verletzungen nur eine durchschnittliche Saison. Und wieder plagt sich der wurfgewaltige Rückraumspieler mit einer Ellenbogenverletzung herum. Trillini sieht dem jedoch entspannt entgegen. „Zum Glück muss er nicht operiert werden. Außerdem ist es wichtig am Ende der Saison fit zu sein, denn dort werden die Titel vergeben“, weiß der italienische Erfolgstrainer. Und bei dieser Vergabe will der amtierende Pokalsieger ein gehöriges Wort mitreden.

Zurückhaltung beim HB Esch

Beim HB Esch kannte man in der vergangenen Saison eine Achterbahn der Gefühle. Nach einer starken Hinrunde baute der Fusionsverein spielerisch ab, um letztendlich in der Schlussphase der Play-offs nicht mehr um den Titel zu spielen. Dieser Misserfolg führte zur Trennung von Trainer Pascal Schuster, auch Interimscoach Marc Fancelli konnte das Ruder nicht mehr herum reißen.

Nun hat der Deutsche Holger Schneider die Regie in Esch übernommen und soll wieder für Erfolge sorgen. Ob der HB Esch allerdings ein Wort um den Titel mitreden kann, darf angezweifelt werden. Mit Zuzo und Mauruschatt haben gleich beide Keeper den Verein verlassen und auch Kreisläufer Trivic hat sich nach Deutschland verabschiedet. Verstärkt hat sich der Fusionsverein lediglich mit Keeper Milosevic, der von Saarlouis aus der zweiten Bundesliga kommt. Sonst wird der Kader nur mit talentierten Eigengewächsen aufgestockt.

„Wir haben uns ganz bewusst für diesen Schritt entschieden. Wir wollen uns vermehrt auf die eigene Jugend konzentrieren“, gibt Schneider einen Einblick in seine Philosophie. Esch nimmt also billigend ein Übergangsjahr in Kauf und man darf gespannt sein, wie das erfolgsverwöhnte Umfeld mit Rückschlägen umgehen wird. „Ich denke nicht, dass wir mit Düdelingen und Käerjeng konkurrieren können. Da sich auch die Red Boys enorm verstärkt haben, sehe ich uns eher als vierte Kraft“, meint der 52-jährige Deutsche.

„Wir werden intensiv arbeiten, damit die jungen Talente, denen wir vertrauen, ein gewisses Niveau erreichen. Natürlich wollen wir Schritt für Schritt wieder dahin kommen, wo der Verein in den vergangenen Jahren war, nämlich nach oben“, zeigt sich Schneider dann doch kämpferisch.

Berchem vor dem nächsten Schritt

Berchem war die Überraschungsmannschaft der vergangenen Saison. Belohnt wurde das forsche Auftreten der Roeserbanner mit Rang vier und der damit verbundenen Teilnahme am Challenge Cup. Nun möchte man beim ehemaligen Meister den nächsten Schritt in der Entwicklung machen, auch wenn man in der Tabelle ganz leicht auch von den Red Boys überholt werden könnte. Diese Möglichkeit ist auch Trainer Agron Shabani bewusst. „Die Konkurrenz hat sich sehr verstärkt. Es wird definitiv nicht einfach, erneut derart gut abzuschneiden, da wir auch unseren Überraschungseffekt verloren haben“, weiß der Berchemer Coach.

Unabhängig von der Konkurrenz möchte Shabani die Mannschaft weiterentwickeln und deshalb wird bei den Roeserbanner auch kein klares Saisonziel formuliert. „Das Team ist immer noch relativ jung und braucht noch Zeit, um das gesamte Potenzial an den Tag zu legen. Wir werden keinen Druck ausüben und keine spezielle Platzierung fordern“, meint Shabani. In der abgelaufenen Spielzeit bestach Berchem durch einen enormen Willen und eine exemplarische mannschaftliche Geschlossenheit. Diese Faktoren werden auch diesmal bei den Grün-Weißen eine enorm wichtige Rolle spielen: „Wir haben nicht die ganz großen Individualitäten und Rückraumspieler in unserem Kader, deshalb ist es sehr wichtig, dass wir erneut mit einer großen Begeisterung auftreten“.

Im aktuellen Kader stehen ganze neun Spieler mit ausländischem Pass. Ist Berchem dabei seine Identität zu verlieren? „Ich sehe das nicht so. Alle Spieler arbeiten hier in Luxemburg. Wir haben keinen einzigen Profispieler im Kader, deshalb sehe ich hier überhaupt keine Thematik“, meint Shabani.

Red Boys wollen angreifen

Eine enttäuschende Saison kannten die Red Boys. In Differdingen lief es alles andere als nach Plan, am Ende wurde sogar die Qualifikation für den Europapokal verpasst. Dies führte zur Trennung von Trainer Srdjan Skercevic, der durch Goran Vukcevic, bereits von 2007 bis 2011 bei den Differdingern in der Verantwortung, ersetzt wurde. „Das Konzept stimmt. Der Verein möchte wieder Erfolge haben“, begründet der 48-Jährige seine Rückkehr.

Zu beneiden ist der Ex-Trainer von Tongeren (B) jedoch nicht. Der Kader erlebte nämlich mit neun Ab- und sechs Zugängen eine Runderneuerung und so gilt es in erster Linie, Automatismen zu finden. „Die neuen Spieler haben sich gut integriert und es scheint auch sportlich zu passen“, zeigt sich Vukcevic bislang zufrieden. In der vergangenen Saison bekamen die Red Boys keine Konstanz in ihr Spiel, das soll sich ändern. „Es beginnt bereits beim Abwehrverbund. Die Torhüter müssen optimal mit der Verteidigung zusammen arbeiten. Stehen wir hier sicher, dann kommt automatisch unser Angriff auf Touren“. Doch genau hier gibt es bereits ein Problem. Neukeeper Zuzo wurde in der Vorbereitung am Meniskus operiert und wird wohl erst nach der Länderspielpause im November zurückkehren. So muss zunächst die zweite Neuverpflichtung im Tor, der Pole Grzybowski, sein Können unter Beweis stellen.

Dennoch hofft man in der kommenden Saison auf eine Verbesserung. Helfen sollen dabei auch die Neuzugänge Kratovic und Knez. „Vom Papier her sind wir sicherlich stärker geworden. Doch auch die Konkurrenz hat aufgerüstet, sodass es eine offene und spannende Saison wird, in der wir eine interessante Rolle spielen wollen“, hofft Vukcevic.

Petingen, Schifflingen und Strassen orientieren sich dagegen eher nach unten. 

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