Skandal in der Leichathletik: Worum geht es im Wada-Bericht?
(sid) - Systematisches Doping, offenbar gedeckt von höchster politischer Ebene in Moskau - die unabhängige Untersuchungskommission der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) unter Vorsitz von Richard Pound hat in Genf ihren Bericht zu den Dopingvorwürfen gegen Russland vorgestellt.
WIE LAUTEN DIE ERGEBNISSE?
Die Ergebnisse des Berichts offenbaren schonungslose Verfehlungen in der IAAF und in Russland:
- Bestechung und Korruption bis hin in die höchsten Führungszirkel der internationalen Leichtathletik,
- eine weit verbreitete Betrugskultur in Russland, offenbar gestützt durch staatliche Stellen bis hin zum Sportminister Witali Mutko.
Wichtigste Forderung des Berichts: Der Ausschluss des russischen Leichtathletik-Verbandes aus dem Weltverband IAAF. Damit dürften keine russischen Athleten bei internationalen Wettbewerben starten - auch nicht bei Olympischen Spielen 2016.
IST DER START RUSSISCHER LEICHTATHLETEN IN RIO DAMIT AUSGESCHLOSSEN?
Nein. Erst einmal muss die Wada die Empfehlungen unterstützen, danach die IAAF den Ausschluss des russischen Verbandes beschließen.
Selbst dann besteht aber noch eine Chance: Sollte Russland bis zu den Olympischen Spielen erfolgreiche Veränderungen im Anti-Doping-Kampf nachweisen, wäre eine Rückkehr auf die internationale Bühne noch vor Rio möglich. Kommissions-Chef Pound sprach jedoch davon, dass dies womöglich Monate dauern könnte.
WAS SAGT RUSSLAND?
Sportminister Mutko betonte, die Kommission könne niemanden ausschließen. Zurecht.
Ein Anwalt des Verbandes verfiel jedoch sofort wieder in altbekannte Muster: Die Vorgänge seien "politisch motiviert". Einsicht ist bisher keine zu erkennen. "Im Moment sind alle Vorwürfe haltlos", sagte Nikita Kamayew, Geschäftsführer der russischen Anti-Doping-Agentur.
WAS SAGT DER WELTVERBAND IAAF?
Der hat sich vor allem in Person von Präsident Sebastian Coe zuletzt äußerst zurückhaltend gezeigt, prüft nun aber Sanktionen. "Unseren Athleten, Partnern und Fans versichere ich, dass wir Fehler in unserer Führung oder unseren Anti-Doping-Programmen in Ordnung bringen werden", sagte der Brite und gab Russland Zeit, bis Ende der Woche zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen.
WIE GEHT ES WEITER?
Jetzt liegt der Ball bei der Wada, der IAAF und dem IOC. Und die stehen durch den schonungslosen Bericht massiv unter Druck. Riskieren sie den großen Bruch mit dem mächtigen Russland oder verspielen sie auch noch das letzte Rest Glaubwürdigkeit? Die nächsten Wochen und Monate dürften spannend werden.
Auslöser war eine TV-Dokumentation
Mit der Forderung nach drakonischen Strafen und schweren Vorwürfen bis in russische Regierungskreise hinein hat die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada auf die Dopingaffäre in Russland reagiert. Die Ermittlungskommission der Wada empfahl am Montag in Genf, Russland aus dem Leichtathletik-Weltverband auszuschließen und fünf Athleten sowie fünf Trainer auf Lebenszeit zu sperren. Das Kontrolllabor in Moskau soll geschlossen, dessen Direktor abgelöst werden. Dem russischen Sportminister Witali Mutko wurde vorgeworfen, er solle angeordnet haben, „bestimmte Dopingproben zu manipulieren“.
Das Gremium war eingesetzt worden, um die in einer ARD-Dokumentation erhobenen Vorwürfe über Doping im russischen Spitzensport zu untersuchen. In dem Film „Geheimsache Doping - Wie Russland seine Sieger macht“ waren am 3. Dezember 2014 geheime Aufzeichnungen in Bild, Ton und Schrift mit Hinweisen auf staatlich unterstütztes Doping präsentiert worden. Im Hintergrund soll offenbar ein Betrugs- und Vertuschungsapparat gewirkt haben.
Die Kommission wird vom früheren Wada-Chef Richard W. Pound geleitet. Dem Gremium gehören zudem der anerkannte Sportrechts-Experte Richard McLaren und der deutsche Kriminalbeamte Günter Younger an.
In diesem Jahr wurden zahlreiche russische Leichtathleten wegen Dopings gesperrt; Verbandspräsident Valentin Balachnitschew trat Mitte Februar von seinem Amt zurück.