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Politische Statements überlagern Fußball bei der WM
Sport 2 Min. 21.11.2022
Katar

Politische Statements überlagern Fußball bei der WM

Spieler dürfen das "One Love"-Logo bei der WM nicht auf der Kapitänsbinde tragen,
Katar

Politische Statements überlagern Fußball bei der WM

Spieler dürfen das "One Love"-Logo bei der WM nicht auf der Kapitänsbinde tragen,
Foto: dpa
Sport 2 Min. 21.11.2022
Katar

Politische Statements überlagern Fußball bei der WM

England startete mit einem 6:2 gegen den Iran in die Fußball-WM. Doch über den Sport wird in Katar mehr und mehr nur am Rande gesprochen.

(dpa) – Am Montag sollte der Sport bei der Fußball-WM für Schlagzeilen sorgen – doch die Politik rückt mehr und mehr in den Mittelpunkt der Diskussionen. Die Auseinandersetzung zwischen acht europäischen Verbänden und dem Weltverband FIFA um das Tragen der „One Love“-Kapitänsbinde eskalierte im Verzicht der Teams um Deutschland oder England auf die Geste.

Die ersten Auftritte von Vize-Europameister England, der beim 6:2 (3:0) gegen den Iran einen guten Start hinlegte oder der Niederlande am Abend gegen den Senegal wurde dadurch deutlich in den Hintergrund gedrängt. 

Und auch das Spiel der Engländer begann mit einem politischen Zeichen, als die iranischen Spieler die Nationalhymne nicht mitsangen. Iranische Aktivisten sehen darin eine Geste der Unterstützung für die landesweiten Proteste im Land. Der iranische Staatssender unterbrach die Live-Übertragung bei der Hymne. Den Spielern könnten nun Konsequenzen drohen. 

Am Spielfeldrand trug derweil bei einer Live-Übertragung im englischen Fernsehen die ehemalige Nationalspielerin Alex Scott die „One Love“-Binde.

DFB: „Fühlt sich stark nach Zensur an“

Für den Fall, dass Kapitäne wie Englands Harry Kane sie auf dem Spielfeld getragen hätte, hatte die FIFA mit sportlichen Sanktionen für die an der symbolträchtigen Kampagne beteiligten Verbände gedroht. 

„Es handelt sich aus meiner Sicht um eine Machtdemonstration der FIFA“, sagte der Präsident des DFB, Bernd Neuendorf, am Montag im Teamquartier der deutschen Nationalmannschaft im Norden Katars. „Das ist aus unserer Sicht mehr als frustrierend und auch ein beispielloser Vorgang der WM-Geschichte.“ DFB-Geschäftsführer Oliver Bierhoff äußerte, es fühle sich „schon stark nach Zensur an“.


TOPSHOT - This picture taken on November 16, 2022 shows a woman walking past a sign along the Corniche in Doha, ahead of the Qatar 2022 World Cup football tournament. (Photo by Mariana SUAREZ / AFP)
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Die Diskussion überlagerte auch die sportliche Vorbereitung des DFB-Teams auf ihr Auftaktspiel am Mittwoch gegen Japan. „Diese Eskalation führt dazu, dass es nicht mehr um den Sport geht“, sagte Bierhoff. Auch für den deutschen Kapitän Manuel Neuer sei es „eine schwierige Situation“.

Protest nur im Rahmen der Regeln

Explizit hob die FIFA in einer Mitteilung vom Montag den Artikel 13.8.1 der Ausrüstungsregeln hervor: „Für FIFA-Finalwettbewerbe muss der Kapitän jeder Mannschaft eine von der FIFA gestellte Armbinde tragen.“ Die FIFA unterstütze Kampagnen wie „One Love“, aber dies müsse im Rahmen der allen bekannten Regeln erfolgen.

Manuel Neuer darf die Kapitänsbinde mit der Aufschrift „One Love“ in Katar nicht tragen.
Manuel Neuer darf die Kapitänsbinde mit der Aufschrift „One Love“ in Katar nicht tragen.
Foto: Christian Charisius/dpa

Zuvor hatten die Verbände aus Deutschland, Dänemark, England, Wales, Belgien, der Schweiz und den Niederlanden mitgeteilt, ihre Kapitäne nicht wie geplant mit der „One Love“-Binde auflaufen zu lassen. Begründet wurde dieser Schritt mit der Drohung der FIFA, die betreffenden Spieler würden eine Gelbe Karte erhalten. Geldstrafen, wie normalerweise bei solchen Vergehen üblich, hätte man in Kauf genommen.


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Als Folge könnten die Spielführer der Teams nun mit vom Weltverband bereitgestellten Armbinden auflaufen. Diese sollen an jedem Spieltag eine andere Antidiskriminierungs-Botschaft verbreiten. Der erste Spieltag stand zunächst unter dem Motto „Fußball verbindet die Welt“. Am Montag zog der Weltverband jedoch den für das Viertelfinale geplanten Slogan „Keine Diskriminierung“ vor. Das Tragen der Motto-Binde ist nicht verpflichtend.

Am Dienstag greifen unter anderem der zweimalige Weltmeister Argentinien gegen Saudi-Arabien und Titelverteidiger Frankreich gegen Australien ins Geschehen ein. 

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