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Olympischer Eiertanz
Leitartikel Sport 2 Min. 23.03.2020

Olympischer Eiertanz

Olympischer Eiertanz

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Leitartikel Sport 2 Min. 23.03.2020

Olympischer Eiertanz

Joe GEIMER
Joe GEIMER
Finden die Olympischen Sommerspiele statt? Das IOC spielt auf Zeit. Es herrscht Ungewissheit und Chaos. Die Sportler sind die Leidtragenden. Und das ist tragisch.

Die Corona-Krise hat die Sportwelt fest im Griff. Tagtäglich trudeln Meldungen von Absagen und Verschiebungen in die verwaisten Redaktionen. Unzähligen Veranstaltern droht der finanzielle Kollaps. Vor allem die Sportler tappen im Dunkeln. Ungewissheit, ja Ratlosigkeit dominieren derzeit den ansonsten klar durchstrukturierten Tagesablauf. Die Routine ist Chaos gewichen – und das ausgerechnet in einem olympischen Jahr, nur wenige Monate vor dem Megaevent in Tokio, das für viele der Höhepunkt ihrer Laufbahn sein soll.


(FILES) In this file photo taken on January 11, 2020 International Olympic Committee (IOC) President Thomas Bach attends a press conference closing an Olympic session in Lausanne. - Bach said on March 20, 2020 the organisation was "considering different scenarios" for the Tokyo Games, but was optimistic about holding the event as scheduled despite the coronavirus pandemic. (Photo by FABRICE COFFRINI / AFP)
IOC setzt sich Olympia-Frist
Wochenlang wehrt sich das Internationale Olympische Komitee gegen eine Verlegung oder Olympia-Absage wegen Corona. Jetzt sind die Verantwortlichen zum Handeln gezwungen.

Auf eine helfende Hand seitens des Internationalen Olympischen Komitees warten die Athleten und Athletinnen bislang vergebens. Präsident Thomas Bach und Co. lassen – wieder einmal – eine klare Linie vermissen. Die Ringe-Organisation bewegt sich irgendwo zwischen Durchhalteparolen und Vogel-Strauß-Taktik. „Es sind noch mehr als vier Monate bis zu den Spielen und es gibt aktuell keine Notwendigkeit, drastische Entscheidungen zu treffen.“ Das verkündete das IOC vor sechs Tagen nach einer Sitzung mit Vertretern aller Fachverbände der olympischen Sommersportarten.

Wäre es nicht so dramatisch, könnte man die Hinhaltetaktik glatt als geschicktes Manöver bewundern. Das IOC – vom japanischen Organisationskomitee und der dortigen Regierung kommen ähnliche Töne – zieht sich gerne Scheuklappen an. Hauptsache nicht anecken im milliardenschweren Olympia-Business. Wer will schon Verantwortung übernehmen?

Angesichts der Misere Tausender Menschen ist das sportliche Ereignis maximal sekundär. Wen interessieren schon Medaillen, wenn es für viele derzeit ums nackte Überleben geht?"

Dabei ist mittlerweile wohl fast jedem klar: Aus dem Super-Sportsommer 2020 wird nichts. Die Fußball-EM wurde bereits um ein Jahr verschoben, für die Tour de France wird es allmählich eng. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Sommerspiele über die Bühne gehen, sinkt mit jedem Tag, an dem das Corona-Virus mehr Tote fordert und die Zahl der Infizierten stetig steigt. Angesichts der Misere Tausender Menschen ist das sportliche Ereignis sekundär. Wen interessieren schon Medaillen, wenn es für viele derzeit ums nackte Überleben geht?

Absage, Verschiebung, Geisterspiele? Das IOC muss Farbe bekennen. Und zwar bald."

Es gibt aber Licht am Ende des Tunnels. Denn der Druck der Athleten wächst – und das ist gut so. Sie sind es, die den Stein ins Rollen bringen können. Sie wollen Klarheit, ob es noch sinnvoll ist, sich weiter auf Olympia vorzubereiten, sofern sie das überhaupt noch können.

Chancengleichheit ist nicht gewahrt

Viele Athletinnen und Athleten haben sich bis vor wenigen Tagen noch im Hochleistungsmodus befunden und stehen plötzlich vor der Situation, dass sie wegen Ausgangssperren, Quarantäne und Isolation pausieren müssen. Das verfälscht die Vorbereitung und schafft unfaire Voraussetzungen. Erst 57 Prozent der Athleten sind qualifiziert. Das Prinzip der Chancengleichheit für alle ist nicht gewahrt. 


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Am Sonntag sperrte sich das IOC erstmals nicht mehr öffentlich gegen die Verlegung der Spiele. Von einer Absage wollen die Oberen jedoch weiterhin nichts wissen. Die Entscheidung soll binnen vier Wochen fallen. Dann könnte es zu spät sein. Die Sportler brauchen dringend Klarheit. Denn sie machen die Olympischen Spiele erst zu dem, was sie sind: ein Fest. Und nicht etwa ein Trauerspiel.  

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