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Netflix, Playstation und Indoortraining
Sport 4 Min. 23.03.2020

Netflix, Playstation und Indoortraining

Auch Bob Jungels muss es derzeit etwas ruhiger angehen lassen.

Netflix, Playstation und Indoortraining

Auch Bob Jungels muss es derzeit etwas ruhiger angehen lassen.
Foto: Serge Waldbillig
Sport 4 Min. 23.03.2020

Netflix, Playstation und Indoortraining

Joe GEIMER
Joe GEIMER
Die Radprofis halten sich, so gut es geht, fit und überbrücken die Zeit mit den ganz normalen Dingen des Lebens.

Isolation, Quarantäne, Ausgangssperren. Es sind Begriffe, die derzeit auch die Topsportler beschäftigen und betreffen. Da stellt sich die Frage: Wie hält man sich in Zeiten der Corona-Pandemie fit? Immerhin stehen für einige der Asse im Sommer die Olympischen Spiele in Tokio auf dem Programm. Falls diese stattfinden.

Skurril ist die Situation derzeit im Radsport. Vor allem aus Frankreich wird die Kritik immer lauter. Die Angst vor einem unfairen Wettbewerb wächst – sollte die Saison noch einmal lanciert werden. Profis aus einigen Ländern hätten in Zeiten der Corona-Pandemie einen wesentlichen Vorteil gegenüber anderen, heißt es.

Christine Majerus schaut sich beim Training an, was sonst noch so in der Welt passiert.
Christine Majerus schaut sich beim Training an, was sonst noch so in der Welt passiert.
Foto: Twitter

In Frankreich sollen auch die Besten nicht mehr auf der Straße unterwegs sein. Genau wie in Spanien und Italien. Anweisungen von oben. Das schränkt ein. Marc Madiot, Teamchef von Groupama-FDJ, malt den Teufel in seiner gewohnt dramatischen Art und Weise an die Wand: „Ein Tour de France, bei dem die französischen Fahrer chancenlos sind, wäre katastrophal.“


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In Italien können die Radprofis theoretisch eine Sondererlaubnis beantragen, die man der Polizei bei Kontrollen vorzeigen muss. Der Radsport-Verband hat die Athleten allerdings dazu aufgerufen, zu Hause zu bleiben. Ähnliche Restriktionen gibt es derzeit in Belgien, Deutschland und den Niederlanden noch nicht. Trainingsfahrten im Freien sind gestattet.

Für Aufsehen sorgte jüngst Oliver Naesen (Ag2r). Der Belgier radelte 365 km (!) quer durch Flandern und erklärte dem TV-Sender Sporza anschließend: „Ich habe das wirklich gebraucht. Wenn du auf dein Handy schaust oder fernsiehst, hörst oder siehst du nur Sachen über das Corona-Virus. Das ist nicht schön.“ Seine Zwölf-Stunden-Tour wurde nur von kleinen Pausen von insgesamt 40 Minuten Länge unterbrochen. Wie die Strava-Daten zeigen, startete Naesen mit einem Trainingspartner um 5.30 Uhr noch bei Dunkelheit in Teralfene westlich von Brüssel und kehrte um 18 Uhr zurück.

Geniets zockt Playstation 

In Dänemark, Argentinien und beispielsweise der Metropole New York wurde den Menschen in den vergangenen Tagen gar aktiv dazu geraten, das Fahrrad den öffentlichen Verkehrsmitteln vorzuziehen. Die Beschlüsse der einzelnen Regierungen könnten also kaum unterschiedlicher sein. 

Und wie sieht es für die einheimischen Topsportler aus? Christine Majerus (Boels) lebt im Pariser Ballungsraum, Kevin Geniets (Groupama) in Chambéry. Sie dürfen nicht mehr auf der Straße trainieren. Majerus nutzte zuletzt das gute Wetter, um die Form auf dem Rollentrainer im eigenen Garten zu halten. Ansonsten beschäftigt sich die 33-Jährige mit Näh- und Gartenarbeit. 

„Ich darf gar nicht mehr raus. Das ist nicht einfach. Das Appartement ist nicht riesengroß. Das kann ganz schön beengend werden“, sagt Geniets, der seinen Sinn für Humor jedoch noch nicht verloren hat: „Zumindest war die Wohnung noch nie so sauber.“ 

Jungels: „Ich muss selber kochen“

Netflix ist bei den Radprofis nicht nur während der Trainingslager und Etappenrennen sehr beliebt. Geniets schaut aktuell die Serie „Elite“. „Das Problem ist, bei der Riesenauswahl das Richtige zu finden.“ Die Playstation macht der 23-Jährige auch gerne an: „Formel 1 oder Rallye. Sonst kommt für mich nichts infrage. Allerdings kann ich auch nicht den ganzen Tagen zocken.“

Bob Jungels (Deceuninck) ist derzeit in Luxemburg und kann zum Training auf die Straße. „Aber nur alleine“, sagt der 27-Jährige. „Nach einer Pause fängt er bald wieder mit dem Training an. „Dann ähnelt der Alltag dem während eines Trainingslagers. Nur, dass ich selber kochen muss“, lacht er.

Ich habe mehr Zeit für meine Tochter Emma. Die ist ganz begeistert. Ansonsten heißt es: Terrasse putzen, Wohnung aufräumen und zu Hause bleiben.

Jempy Drucker

Davon abgesehen geht er mit der Situation recht locker um: „Man hat mehr Zeit für Dinge, die sonst zu kurz kommen. Ich bin bei der Familie, gehe mit den beiden Hunden spazieren und erledige den Frühjahrsputz.“ Netflix und Co.? „Mindhunter“ hat es Jungels angetan. „Ich schaue Sachen aus vielen Bereichen. Während der Rennen ziehe ich Komödien vor. Da kann man mental gut abschalten. Ansonsten dürfen es auch gerne ernstere Dokumentationen sein.“

Jempy Drucker (Bora) weiß ebenfalls, wie die kommenden Tage und vielleicht auch Wochen aussehen: „Ich habe mehr Zeit für meine Tochter Emma. Die ist ganz begeistert. Ansonsten heißt es: Terrasse putzen, Wohnung aufräumen und zu Hause bleiben.“


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Genau wie Alex Kirsch (Trek) ist er kein fanatischer Netflix-Liebhaber: „Nicht, wenn ich zu Hause bin“, verrät er. Und Kirsch fügt hinzu: „Ich bevorzuge eine gute Lektüre. Ich will es grundsätzlich vermeiden, zu lange an irgendwelchen Bildschirmen zu kleben.“ 

Ähnliche Töne lässt Michel Ries (Trek) verlauten: „Den ganzen Tag vor dem Fernseher, das ist nichts für mich. Dann koche ich lieber und erledige kleinere Arbeiten zu Hause. Aber es können noch lange Wochen werden. Schließlich sind wir es gewohnt, permanent unterwegs zu sein."

Wie die Profis die Zeit bis zu den nächsten Rennen überbrücken:  







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