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Nationalspieler Thomas Grün im Interview: "Zolver ist und bleibt mein Verein in Luxemburg"
Sport 5 Min. 09.03.2015

Nationalspieler Thomas Grün im Interview: "Zolver ist und bleibt mein Verein in Luxemburg"

Thomas Grün strebt eine Profikarriere an.

Nationalspieler Thomas Grün im Interview: "Zolver ist und bleibt mein Verein in Luxemburg"

Thomas Grün strebt eine Profikarriere an.
Foto: Ant Deister
Sport 5 Min. 09.03.2015

Nationalspieler Thomas Grün im Interview: "Zolver ist und bleibt mein Verein in Luxemburg"

Thomas Grün hat sich ein hohes Ziel gesteckt: Der 20-jährige Basketballer möchte den Sprung in eine professionelle Liga im Ausland schaffen. Derzeit spielt der talentierte Akteur im Espoirs-Team von Sluc Nancy (F), in dem er eine tragende Kraft ist.

(KT) - Momentan zählt Luxemburg keinen Profibasketballer in seinen Reihen. Grün, der das Basketball-ABC in Zolver lernte, will dies jedoch ändern. Zudem freut er sich darauf, im Sommer mit der Nationalmannschaft aufzulaufen. Seinen luxemburgischen Ex-Verein hat er ebenfalls nicht aus den Augen verloren.

Sie spielen seit dieser Saison in Nancy in der Espoirs-Mannschaft. Wie haben Sie sich dort eingelebt?

Es dauerte einige Zeit, bis ich mich an die neue Umgebung gewöhnt hatte. Für mich war es eine neue Stadt, ein neues Umfeld und eine neue Mannschaft. Allerdings wurde ich sehr gut aufgenommen, was mir geholfen hat, mich schnellstmöglich zu integrieren – auch auf sportlicher Ebene.

Nach drei Jahren in Urspring (D) folgte der Wechsel nach Frankreich. Warum haben Sie sich für Nancy entschieden und nicht etwa für ein College in den USA?

Nachdem ich das Abitur in Deutschland abgeschlossen hatte, gab es einige Optionen: Für mich war klar, dass ich Basketball auf einem höheren Niveau spielen wollte. Meine erste Wahl wäre ein College in den Vereinigten Staaten von Amerika gewesen, doch ich benötigte auch einen Plan B, falls es mit den USA nicht klappen würde. Ich habe leider kein Angebot von einem College erhalten, das meinen Anforderungen gerecht wurde und habe mich dann dazu entschieden, in Europa zu bleiben. Mit Nancy stand ich bereits vor meiner Zeit in Urspring in Kontakt und deshalb hat sich diese Möglichkeit dann ergeben. Ich habe keinen Moment gezögert, denn der Verein bietet mir sehr gute Bedingungen.

Wie sieht Ihr Alltag aus?

Ich habe an fast jedem Tag zwei Trainingseinheiten. Um 9 Uhr beginnt der Tag mit Individualtraining, anschließend geht es weiter mit Krafttraining. Nach dem Mittagessen und einer kleinen Pause gehe ich meistens mit einem Mannschaftskollegen in die Sporthalle, um zu werfen, bevor unsere zweite Trainingseinheit um 17 Uhr beginnt. Zwischendurch stehen oftmals Videoeinheiten auf dem Programm, in denen wir die Spiele mit unserem Trainer analysieren.

Das klingt ja bereits fast nach einer Profikarriere. Wie würden Sie den Leuten in Luxemburg das Niveau beschreiben, auf dem Sie momentan spielen?

Mein Alltagsleben würde ich auf jeden Fall als professionell beschreiben, weil Basketball den Tagesrhythmus komplett bestimmt. Das Niveau ist für mich schwer einzuordnen. Eventuell könnte man das Niveau mit der Pro B in Deutschland vergleichen, wobei hier in Frankreich mehr Wert auf die Athletik gelegt wird.

Sie machen kein Geheimnis daraus, dass es Ihr Ziel ist, Basketballprofi zu werden. Wie stehen Ihre Chancen, dieses Ziel zu erreichen?

Es ist mein großer Wunsch, mich im Profigeschäft zu etablieren, dafür gebe ich alles. Allerdings steht ein großes Fragezeichen hinter diesem Unterfangen, da ich einen Ausländerposten bekleiden würde. Egal, ob ich mich in Deutschland oder Frankreich durchsetzen möchte, ich muss mit den Spielern aus dem Ausland um einen Platz im Team streiten und nicht mit den Einheimischen, was die Situation deutlich schwieriger gestaltet. Meine Chancen, als Profispieler aktiv zu werden, würde ich daher als gering einschätzen, jedoch möchte ich diese kleine Chance unbedingt nutzen.

In welcher Liga wären Sie langfristig gerne aktiv?

Am liebsten würde ich in einer ersten Liga spielen. Ob dies nun in Frankreich oder Deutschland ist, ist eigentlich nebensächlich. Mein persönlicher Favorit wäre die BBL (Basketball-Bundesliga in Deutschland, Anm. der Red.), weil ich das Land und die Lebenskultur sehr schätze.

Sie sind 1,96 m groß. Wie würden Sie Ihre Spielweise beschreiben?

Aktuell spiele ich in Nancy als Aufbauspieler. Dies war eine Umstellung, weil ich vorher in Deutschland als Flügelspieler eingesetzt wurde. Jedoch passt die Leaderrolle zu mir, ich mag es, Verantwortung zu übernehmen. Ich würde sagen, dass ich momentan ein stärkerer Spieler auf den Flügelpositionen bin, weil meine größte Schwäche das Ballhandling ist, was als Aufbauspieler natürlich ein Problem ist (lacht). Jedoch kann ich dies mit meiner Körpergröße kompensieren. Zudem konnte ich in den vergangenen Jahren meinen Wurf aus der Distanz stabilisieren, was mir enorm hilft. Eine weitere Stärke ist mein Zug zum Korb. Defensiv kann ich Flügelspieler ordentlich verteidigen, doch ich muss noch viel arbeiten, um mit schnellen Aufbauspielern mitzuhalten.

Ihr Ex-Verein Zolver liegt derzeit auf Halbfinalkurs. Inwiefern verfolgen Sie die Spiele der Total League?

Als ich in Deutschland war, habe ich die Liga aus den Augen verloren. Mittlerweile verfolge ich die Resultate jedoch wieder regelmäßig und bin ab und zu bei den Spielen in Zolver. Es freut mich für den Verein, dass es derzeit gut läuft, nachdem es zuvor einige schwierige Jahre gab. Zolver ist und bleibt mein Verein in Luxemburg, daran wird sich auch nichts ändern.

Spieler wie Samy Picard sind nach einigen Jahren nach Luxemburg zurückgekehrt, um wieder in ihrer Heimat zu spielen. Ist dies auch eine Option für Sie oder nur eine Notlösung?

Primäres Ziel ist es ganz klar, eine professionelle Karriere in Deutschland oder Frankreich zu starten. Sollte ich nach zwei Jahren in Nancy allerdings nicht die Möglichkeit erhalten, um diesen Weg zu gehen, ist es durchaus möglich, dass ich nach Luxemburg zurückkehre, um nebenbei zu studieren. Wenn mir der Sprung ins Profigeschäft nicht gelingt, will ich auf jeden Fall ein Studium aufnehmen. Dies würde sich mit dem Sport in Luxemburg durchaus kombinieren lassen.

Würde eine Rückkehr nach Luxemburg eine Enttäuschung für Sie bedeuten?

Ja. Wenn man sein Ziel nicht erreicht, ist man immer etwas enttäuscht. Andererseits sage ich mir, dass ich so hart an mir arbeite, wie es nur geht. Wenn es dann am Ende nicht klappt, kann ich mir auch keine Vorwürfe machen.

Sie standen im Sommer erstmals in der Nationalmannschaft der Männer. Wie war diese Erfahrung für Sie und welche Rolle wollen Sie in Zukunft in dieser Mannschaft übernehmen?

Es war eine tolle Erfahrung. Bei der A-Mannschaft verläuft alles professioneller als bei den Jugendteams, mit denen ich schon öfters unterwegs war. Ich habe nicht viel Spielzeit erhalten, aber trotzdem zahlreiche Erfahrungen gesammelt. In den kommenden Jahren erhoffe ich mir, in die Rotation einbezogen zu werden.

Stellen die Spiele der kleinen europäischen Staaten im Juni ein Ziel für Sie dar?

Ich würde mich sehr freuen, wenn ich den Sprung in die Mannschaft schaffen würde und mit nach Island reisen dürfte. In Luxemburg habe ich vor zwei Jahren mehrere Sportarten als Zuschauer verfolgt und war begeistert. Es macht Spaß, seine Landsleute anzufeuern und dann auch von ihnen unterstützt zu werden.


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