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Luxemburgische Sportler auf der Suche nach Ablenkung

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Luxemburgische Sportler auf der Suche nach Ablenkung

Luxemburgische Sportler auf der Suche nach Ablenkung

Luxemburgische Sportler auf der Suche nach Ablenkung


17.03.2020

Nicht nur der Fußball ist von der Corona-Krise betroffen.Foto: dpa

Das Corona-Virus hat direkte Auswirkungen auf das Leben der international aktiven luxemburgischen Sportler. Fünf Athleten sprechen über ihre aktuelle Lage.

Die Corona-Virus-Pandemie bringt den Sport zum Erliegen. Das "Luxemburger Wort" hat sich bei fünf Athleten erkundigt, wie sie mit der aktuellen Krise umgehen und wie sie das Virus sportlich und privat beeinflusst. Kamil Rychlicki (Volleyball), Christine Majerus (Radsport), Tim Hall (Fußball), Anne Simon (Basketball) und Dylan Pereira (Autosport) haben in den vergangenen Tagen und Wochen ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht.

1

Kamil Rychlicki
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Foto: Lube Volley

"Die Sonne scheint. Alles ist in Ordnung." Kamil Rychlicki ist kein Mensch, der sich schnell aus der Ruhe bringen lässt. Der Volleyballer hat mit seinem italienischen Verein Lube Civitanova am 8. März das bis dato letzte Meisterschaftsspiel bestritten. Die Prioritäten im Alltag sind nun andere: "Ich habe viel Zeit zum Kochen. Ich muss mich schon ein wenig zwingen, aber wenn ich erst losgelegt habe, geht das."

Der 23-Jährige hat sich in Italien, wo seit vergangener Woche eine Ausgangssperre herrscht, auch bei den Einkäufen organisiert: "Ich bin kein Fan von Hamsterkäufen. So war ich am vergangenen Freitag zum bislang letzten Mal einkaufen. Am Wochenende hatten alle Läden geschlossen. Ich denke, dass ich am Dienstag wieder die Wohnung verlasse, um einzukaufen." Rychlicki hat die ersten Tage genossen – auch um sich einmal richtig zu erholen.

Netflix und Playstation

Demnächst stellt er seinen Tagesablauf etwas um. "Irgendwann wird der Tag kommen, an dem man sich fragt: ,Was kann ich noch auf Netflix schauen?‘ Ich habe die Zeit genutzt, um wieder mehr mit der Playstation zu spielen."

Es könnte sein, dass wir noch im Mai spielen.

Die Spieler haben vom Verein Anweisungen erhalten, um sich zu Hause fit zu halten. Wann es weiter geht, ist unklar. Bis zum 3. April ist die Meisterschaft noch auf Eis gelegt. "Es könnte sein, dass wir noch im Mai spielen. Die Frage ist aber, ob das auch Sinn ergeben würde", erklärt Rychlicki, der vor allem mit seinen Eltern in Luxemburg in Kontakt steht.

2

Christine Majerus
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Foto: Serge Waldbillig

"Es gibt aktuell wichtigere Dinge als Sport. Die Gesundheit der Allgemeinheit hat oberste Priorität." Christine Majerus ist eine Frau der klaren Worte. Die Radsportler und Radsportlerinnen stehen vor einer ungewissen Zukunft. Niemand weiß, wann und ob die Saison fortgesetzt wird.


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"Die von den Regierungen getroffenen Entscheidungen sind logisch und richtig. Wir müssen alle damit leben", sagt sie. Der Radsportzirkus pausiert, Majerus hält sich aber fit. "Ich will in Form bleiben, um später nicht wieder bei Null anfangen zu müssen. Ich sehe diese Phase aber nicht als Art Winterpause an, da ich nicht komplett abschalten kann", sagt sie. 

"Die Situation ist nicht einfach"

Am Montag trainierte Majerus während dreieinhalb Stunden. "Ich war mit dem Straßenfahrrad unterwegs, fuhr allerdings mehr im Wald als auf dem Asphalt. Es muss Spaß machen. Ich trainiere, wenn man das überhaupt so nennen kann, um mich abzulenken und den Kopf frei zu bekommen. Es bringt nichts, zu Hause zu sitzen und Trübsal zu blasen. Ich bin ohnehin in ein Loch gefallen. Die Situation ist nicht einfach." Die Boels-Dolmans-Fahrerin erklärt: "Ich bin traurig, meinen Job nicht ausüben zu können. Aber ich bin nicht wütend. Ich kann niemandem einen Vorwurf machen."

Ich kümmere mich nicht in den Krankenhäusern um die betroffenen Personen. Das sind die Leute, denen mein Respekt gebührt.

Die Topsportlerin weiß ihre Lage einzuschätzen: "Die Corona-Krise ist tragisch. Ich befinde mich allerdings in einer komfortablen Situation. Ich kümmere mich nicht in den Krankenhäusern um die betroffenen Personen. Das sind die Leute, denen mein Respekt gebührt."

3

Tim Hall
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Foto: Karpaty Lviv

In der Ukraine wurde am Wochenende noch Fußball gespielt. Tim Hall trat allerdings mit Karpaty Lviv beim 1:1 im Derby gegen den FC Lviv vor leeren Rängen an. "Das war sehr merkwürdig. Es macht keinen Spaß, ohne Zuschauer zu spielen", erklärt der 22-jährige Nationalspieler. 

Hall rechnet damit, dass das Duell am vergangenen Samstag bis auf Weiteres die letzte Begegnung der ukrainischen Meisterschaft war. "Da es kaum Tests gibt, wurde bislang erst bei wenigen Personen das Corona-Virus nachgewiesen. Ich denke aber, dass die Dunkelziffer hoch ist. Unsere Liga war eine der wenigen, in der zuletzt noch gespielt wurde. Weil die Partien in fast allen anderen Ländern abgesagt wurden, wird der ukrainische Verband jetzt aber wohl nachziehen."

Bowling und ins Restaurant

In Lviv herrscht trotz der Pandemie noch keine Panik. "Ich war am Sonntag Bowling spielen und im Restaurant. Die Leute sind noch ganz entspannt. Ich habe gehört, was in den luxemburgischen Supermärkten los ist. Ich selbst kann hier in der Ukraine noch ganz normal einkaufen gehen", sagt Hall, der gemeinsam mit Nationalmannschaftskollege Marvin Martins für Karpaty aufläuft.

Wenn die Meisterschaft annulliert wird, komme ich natürlich nach Hause.   

Da sich die Lage in Osteuropa aber wohl in den kommenden Tagen ändern wird, bereitet sich Hall auf eine mögliche Heimreise vor. "Wenn die Meisterschaft annulliert wird, komme ich natürlich nach Hause. Eigentlich sollte ich aufgrund der Länderspiele nach Luxemburg reisen, unsere Testpartien gegen Zypern und Montenegro werden aber höchstwahrscheinlich abgesagt."

4

Anne Simon
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Foto: goblackbears.com

Nach einer achtstündigen Busfahrt nach New York sind Anne Simon und ihre Teamkolleginnen von der University of Maine voller Vorfreude. Eigentlich soll das Team dort im Endspiel der America East Championship auf Stony Brook treffen. 

Wir waren sehr traurig.

Als die luxemburgische Basketballspielerin aus dem Bus steigt, erfährt sie einen Tag vor dem Höhenpunkt ihrer ersten Saison in den USA, dass wegen der Corona-Pandemie alles abgesagt wurde. "Wir waren sehr traurig", erzählt Simon. 


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Anschließend fährt das Team direkt zurück nach Hause, wo die Luxemburgerin jetzt rumsitzt. "Da fast alle Studenten heimgefahren sind, ist hier sehr wenig los", erzählt die 20-Jährige. Simon erlebte vor dem Saisonabbruch eine besondere Spielzeit. 

Weil sich einige Teamkolleginnen verletzt hatten, übernahm sie eine größere Rolle und wurde zuletzt zum America East Rookie der Saison gewählt. "Ich hatte nicht damit gerechnet, dass es so gut laufen würde", gesteht sie. 

Warten bis April

Auch die Mannschaft ist erfolgreich und wollte sich am vergangenen Freitag zum dritten Mal in Folge für das große NCAA Tournament qualifizieren, bis das Corona-Virus der University of Maine einen Strich durch die Rechnung machte. "Ich warte jetzt darauf, dass im April die Vorbereitung auf die nächste Saison beginnt. Ich wäre zwar sehr gerne in Luxemburg bei meiner Familie, doch immerhin bin ich hier bei meinen Mitspielerinnen. Wir unterstützen uns gegenseitig."

5

Dylan Pereira
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Foto: ATP

Rennen fahren gehört zu Dylan Pereiras Leben. Normalerweise reist der Luxemburger von Kontinent zu Kontinent, um auf den bekanntesten Strecken der Welt an den Start zu gehen. Aktuell ist das nicht möglich, denn auch Pereira muss wegen der Corona-Virus-Pandemie vorerst pausieren. "Momentan müsste ich eigentlich in Zandvoort (NL) sein, um Testfahrten zu absolvieren. Doch mein Team (Momo Megatron Lechner Racing, Anmerkung der Redaktion) kommt aus Österreich und darf das Land derzeit nicht verlassen." 

Am Wochenende sollte ein Rennen in Bahrain stattfinden. Insgesamt wurden vier Rennen abgesagt, an denen der Luxemburger bis Anfang Mai hätte teilnehmen sollen. Es herrscht große Ungewissheit, weil aktuell noch unklar ist, ob die Rennen verlegt oder komplett abgesagt werden. Pereira geht davon aus, dass bis Anfang Juni nicht mehr gefahren wird.

Bereit sein

Trotzdem muss er sich fit halten. "Ins Fitnessstudio darf ich nicht gehen, dennoch versuche ich meine Trainingsübungen weiterzumachen. "Hinzu kommt das Training in Rennsimulatoren. "Momentan verbringe ich mehr Zeit im Simulator als zuvor. Dies ist jedoch nicht vergleichbar mit richtigem Training." 

Man weiß nicht, wann es wieder los geht.

Zudem bestreitet Pereira Onlinerennen gegen Konkurrenten. Der 22-Jährige möchte bereit sein, sobald er wieder ins Auto steigen darf. "Man weiß nicht, wann es wieder los geht. Wenn es so weit ist, darf ich nicht noch eine Woche Training benötigen. Ich muss direkt bereit sein."


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