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"König Kamil" wieder obenauf
Sport 2 Min. 01.01.2018 Aus unserem online-Archiv
Vierschanzentournee

"König Kamil" wieder obenauf

Kamil Stoch gewann das erste Springen in Oberstdorf.
Vierschanzentournee

"König Kamil" wieder obenauf

Kamil Stoch gewann das erste Springen in Oberstdorf.
Foto: AFP
Sport 2 Min. 01.01.2018 Aus unserem online-Archiv
Vierschanzentournee

"König Kamil" wieder obenauf

Joe GEIMER
Joe GEIMER
Kamil Stoch gewann am Samstag als erster Pole den Auftakt der Vierschanzentournee. Auch dank des in Deutschland perspektivlosen Trainers Stefan Horngacher ist der Titelverteidiger rechtzeitig in Topform.

(sid) - Erst klaute Kamil Stoch mit einem Traumflug Richard Freitag den Sieg, dann stibitzte er dem deutschen Bundestrainer Werner Schuster auch noch die Apfelschorle. Der polnische Skisprung-Held hatte die Pressekonferenz in Oberstdorf eigentlich schon verlassen, als er plötzlich zurück zur Bühne eilte und kurzerhand die zu Werbezwecken aufgestellte Flasche mitnahm. Schuster reagierte mit einem Grinsen - und redete einfach weiter.

"König Kamil" hatte sich die Erfrischung redlich verdient. Als erster Pole gewann der 30-Jährige den Auftakt der Vierschanzentournee, umgerechnet 2,30 m liegt Stoch in der Gesamtwertung vor Freitag und hat damit beste Chancen, seinen Coup aus dem Vorjahr zu wiederholen. "Was soll ich sagen? Es war ein fantastischer Tag", meinte der Titelverteidiger nach seinem ersten Saisonsieg.

"Die Polen erobern Oberstdorf"

Fantastisch war vor allem Stochs zweiter Sprung, der ihn von Rang vier noch an die Spitze katapultierte. "War es eine Silvesterrakete? Nein, es war mehr als das: Eine große Explosion erschütterte den Schattenberg, als Stoch bei 137 m landete", schrieb die Tageszeitung "Gazeta Wyborcza" und konstatierte angesichts der Plätze drei und fünf durch Dawid Kubacki und Stefan Hula: "Die Polen erobern Oberstdorf im Sturm."

Schon vor einem Jahr hatten Stoch, Piotr Zyla und Maciej Kot die Tournee auf den Rängen eins, zwei und vier abgeschlossen. Für Stoch, immerhin Weltmeister 2013, Doppel-Olympiasieger 2014 und Gesamtweltcupsieger 2013/2014, war der Triumph im Vorjahr die Rückkehr aus einem zweijährigen Mittelmaß. Eine Rückkehr, an der Nationaltrainer Stefan Horngacher, zuvor Schusters Assistent beim Deutschen Skiverband, großen Anteil hat.

"Schon vor zehn Jahren, als ich mit Stefan im polnischen Jugendteam gearbeitet habe, hat er mir sehr geholfen. Und daher kenne ich seine Methoden. Er hat ein tolles Team geschaffen", sagt Stoch über den Österreicher. Bei ihm reichte es, dass Horngacher die Anlaufposition korrigierte - "das war der entscheidende Punkt".

Stoch als Nachfolger von Malysz

Längst steht Stoch auf einer Stufe mit dem großen Adam Malysz, Tourneesieger von 2000/2001 und viermaliger Weltmeister. Dabei mag Stoch diesen Vergleich überhaupt nicht. "Ich will nicht besser sein als Adam. Ich will einfach nur Kamil Stoch sein und in diesem Sport alles erreichen", sagt er. Das gilt bisher bestens. In den vergangenen 40 Jahren waren nur Sven Hannawald (2002/2003) und Janne Ahonen (2005/2006) als Titelverteidiger mit einem Sieg in die Tournee gestartet.

Der Schlüssel zum Erfolg, betont Stoch, sei gerade bei der Tournee die Erholung. "Je weniger Interviews wir geben, desto mehr Zeit haben wir", sagte er mit einem Augenzwinkern und verließ die Pressekonferenz - um wenig später durstig zurückzukehren.

Inzwischen hatte dort Schuster Platz genommen - und Stoch bereits ausgiebig gelobt. "Kamil hat einen absolut tollen Sprung gezeigt. Er ist ein ganz großer Skispringer", sagte Schuster. Und vielleicht schon bald der erst neunte Springer, der seinen Tournee-Titel erfolgreich verteidigt.


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