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Jungels: Nichts ist unmöglich
Sport 4 Min. 07.04.2019 Aus unserem online-Archiv

Jungels: Nichts ist unmöglich

Bob Jungels steht am Sonntag ganz besonders im Fokus.

Jungels: Nichts ist unmöglich

Bob Jungels steht am Sonntag ganz besonders im Fokus.
Foto: Serge Waldbillig
Sport 4 Min. 07.04.2019 Aus unserem online-Archiv

Jungels: Nichts ist unmöglich

Joe GEIMER
Joe GEIMER
Die Tour des Flandres verspricht aus Luxemburger Sicht sehr interessant zu werden. Bob Jungels gehört zum kleinen Kreis der Topfavoriten. Und auch Alex Kirsch möchte sich in Szene setzen.

"Bob Jungels, Zdenek Stybar und Wout van Aert.“ So lautete am Freitag die Antwort von Greg van Avermaet auf die Frage, wer für ihn die Topfavoriten für die Tour des Flandres sind. Der Belgier des Teams CCC muss es wissen. Er ist selber einer der heißen Sieganwärter. Er kennt die Klassiker in Flandern so gut wie kaum ein anderer. Am Sonntag wird er zum 13. Mal bei der Ronde van Vlaanderen, dem wichtigsten Rennen im radsportverrückten Belgien, an den Start gehen.


Bob Jungels (L/Deceuninck) gewinnt Kuurne-Brussel-Kuurne 2019.
Jungels gewinnt Kuurne-Brüssel-Kuurne
Bob Jungels hat beim Klassiker Kuurne-Brüssel-Kuurne triumphiert. Er gewann dank eines beeindruckenden Alleingangs.

Dass der ehemalige Teamkollege von Jempy Drucker den Luxemburger Jungels (Deceuninck) als einer der drei aussichtsreichsten Kandidaten auf den Triumph beim Radsport-Monument Tour des Flandres handelt, wäre vor Saisonbeginn noch völliger Humbug gewesen. Doch seitdem hat sich einiges getan: Jungels ist nicht nur zu den Flandernklassikern gewechselt. Er hat dort auch umgehend mit Topresultaten für Furore gesorgt. Die bisherigen Resultate sprechen Bände: 16. beim Omloop Het Nieuwsblad, Sieg bei Kuurne-Brüssel-Kuurne, 49. bei Bruges-De Panne, Fünfter bei der E3 BinckBank Classic und Dritter bei Dwars door Vlaanderen. Jungels befindet sich in Topform.

Keine Ardennenklassiker für Jungels

Die letzte Kostprobe seiner Klasse lieferte er am Mittwoch ab: Auch wenn es nicht zum ersten Saisonsieg in einem WorldTour-Rennen reichte, hat er mit einem starken Auftritt und Rang drei aus einer Ausreißergruppe heraus gezeigt, dass er zu den derzeit Stärksten im Peloton zählt. 35 km vor dem Ziel hatte Jungels das Heft in die Hand genommen und aus dem Peloton heraus attackiert.

Die Analyse des 26-Jährigen fiel nüchtern aus: „Im Sprint hatte ich keine Chance. Aber der dritte Platz ist ein gutes Ergebnis. Es ist immer schön, auf dem Podium zu stehen, vor allem in einem Rennen mit einer solchen Geschichte.“ Der 26-Jährige ergänzte: „Ich habe mich gut gefühlt, was sehr wichtig ist.“

Zdenek Stybar oder Bob Jungels? Beide können die Tour des Flandres gewinnen.
Zdenek Stybar oder Bob Jungels? Beide können die Tour des Flandres gewinnen.
Foto: AFP

Am Sonntag wird er sein Debüt bei der Flandern-Rundfahrt geben. Auch deswegen bremst er die Erwartungen. „Ich finde es schwierig, mich selber als Favoriten zu sehen“, verrät Jungels. Luxemburgs Sportler des Jahres 2018 ergänzt: „Ich weiß aber auch, dass meine körperliche Verfassung außerordentlich gut ist. Ich werde alles versuchen, um im Finale der Tour des Flandres vorne dabei zu sein. Zwei Punkte könnten von Bedeutung sein: Die Renndistanz von 270 km liegt mir perfekt, zudem kann ich mich auf mein Team verlassen. Bislang haben wir das Frühjahr dominiert. Wieso soll dies am Sonntag nicht so sein?“


Bob Jungels (Quick-Step) freut sich über seinen Sieg bei der "Doyenne".
Jungels schreibt Geschichte
Bob Jungels hat's geschafft! Der Luxemburger Radprofi hat den Radsportklassiker Liège-Bastogne-Liège gewonnen! Nach einer Attacke 20 km vor dem Ziel triumphierte der 25-Jährige als Solist.

Jungels wird am Sonntag seinen letzten Frühjahrsklassiker der Saison bestreiten. In einer Mitteilung seines Teams wurde am Freitasg verraten, dass er sich im Anschluss in ein Höhentrainingslager im Hinblick auf den Giro d'Italia begeben wird. Die Ardennenklassiker lässt er demnach komplett aus. Auch bei Liège-Bastogne wird er seinen Titel aus dem Vorjahr nicht verteidigen.

Kirsch: „Jungels ist der Stärkste“

Jungels' Landsmann Alex Kirsch (Trek) will seinerseits dafür sorgen, dass kein Deceuninck-Profi in Oudenaarde jubelt. Wie stark Jungels ist, ist ihm natürlich nicht entgangen. „Er ist der momentan Stärkste. Das ist aber keine Überraschung. Er hat sich perfekt in das Flandern-Aufgebot seiner Mannschaft integriert. Sie kann viele Karten ausspielen“, so Kirsch.

Neben Jungels und Stybar geht das belgische Topteam auch mit Yves Lampaert (B) und dem kränkelnden Philippe Gilbert (B) an den Start. Kirsch ist sich sicher: „Jungels wird frühzeitig einen Vorstoß wagen. Er muss alleine im Zielort ankommen, um zu siegen.“ Kirsch fühlt sich wohl: „Mir geht es gut. Das Rennen am Mittwoch hat mir gezeigt, dass die Form passt.“ Auch innerhalb des Teams Trek-Segefredo hat sich die Stimmung gewandelt. Ein Aufwärtstrend war bei den vergangenen Klassikern deutlich erkennbar.

Alex Kirsch rechnet sich mit seinem Team Trek-Segafredo durchaus Chancen aus.
Alex Kirsch rechnet sich mit seinem Team Trek-Segafredo durchaus Chancen aus.
Foto: Serge Waldbillig

„Jasper Stuyven kommt immer besser in Form. Auch Mads Pedersen wird stärker. Wir werden uns etwas überlegen. Es ist wohl kein Geheimnis, dass auch wir das Heft frühzeitig in die Hand nehmen müssen. Wir dürfen nicht passiv sein und alles einfach passieren lassen. Wir müssen agieren und antizipieren.“

„Sechseinhalb Stunden Stress“

Die Frage nach dem Besonderen der Tour des Flandres beantwortet Kirsch, der im vergangenen Jahr bei seiner Premiere 69. wurde, umgehend: „Es ist ein Rennen, bei dem man sechseinhalb Stunden unter Stress steht. Die Konzentration darf nie nachlassen. Außerdem sind unglaublich viele Zuschauer am Streckenrand. Nach den Strapazen ist man körperlich und mental komplett am Ende.“

Wie schon im Vorjahr wird das Peloton in Antwerpen auf die Reise geschickt. Insgesamt stehen 17 Anstiege auf dem Programm, wobei nur der dritte Hügel neu ist: Anstelle des Edelarebergs gehört der Ladeuze-Anstieg zum Wettkampf. Anschließend sind die markantesten Punkte die Mur de Grammont, der Oude Kwaremont, den es drei Mal hoch geht und der Paterberg, den die Fahrer zwei Mal erklimmen müssen. Die letzten 13 Kilometer geht es flach ins Ziel.


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