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Jakobsen außer Lebensgefahr
Sport 2 Min. 06.08.2020

Jakobsen außer Lebensgefahr

Fabio Jakobsen, der ein Teamkollege von Bob Jungels ist, wird viel Zeit für seine Genesung benötigen.

Jakobsen außer Lebensgefahr

Fabio Jakobsen, der ein Teamkollege von Bob Jungels ist, wird viel Zeit für seine Genesung benötigen.
Foto: dpa
Sport 2 Min. 06.08.2020

Jakobsen außer Lebensgefahr

Aufatmen in der Radsportwelt: Der am Mittwoch bei der Polen-Rundfahrt schwer gestürzte Fabio Jakobsen wird mit dem Leben davonkommen.

(dpa/jg) - Patrick Lefevere wählte drastische Worte. „Ich werfe ihm einen Mordanschlag vor, nichts mehr und nichts weniger“, sagte der Teamchef des belgischen Radsport-Teams Deceuninck-Quick Step, am Donnerstag im belgischen Radio. Lefevere meinte den niederländischen Radprofi Dylan Groenewegen, der am Tag zuvor auf der ersten Etappe der Polen-Rundfahrt Quick-Step-Profi und Landsmann Fabio Jakobsen beim Zielsprint in Kattowice abgedrängt und durch seine Aktion einen folgenschweren Crash ausgelöst hatte.

„Alle Knochen in seinem Gesicht sind gebrochen“, erklärte der Belgier, nachdem Jakobsen zuvor fünf Stunden operiert worden war. Der 23 Jahre niederländische Straßenmeister, der in ein künstliches Koma versetzt wurde, war nach dem Fahrmanöver Groenewegens bei sehr hoher Geschwindigkeit direkt in die Absperrgitter gekracht und reglos liegengeblieben.

Rennärztin Barbara Jerschena gab nach der OP zumindest erste Entwarnung und sagte der Nachrichtenagentur PAP, Jacobsen habe die Operation gut überstanden und sei nicht mehr in Lebensgefahr. Bis Freitagmorgen soll Jakobsen schrittweise aus dem künstlichen Koma geholt werden. „Die Versuche, den Patienten auf dem künstlichen Koma zu holen, wird schrittweise erfolgen, daher wird dies vermutlich erst morgen in den frühen Morgenstunden der Fall sein, und erst dann können wir neue Informationen über seinen Gesundheitszustand geben“, sagte ein Sprecher des Krankenhauses in Sosnowiec.

Teamchef wählt drastische Worte

Bereits am Vorabend hatte Lefevere gesagt, dass Groenewegen eine Gefängnisstrafe verdiene. Diese Worte bedauere er nicht, sagte er: „Wir werden Schritte unternehmen, um bei der UCI und der Polizei Anzeige zu erstatten.“ Trotz des schweren Sturzes kündigte Lefevere an, dass sein Team an der zweiten Etappe an den Start gehen werde.


Die Rettungskräfte waren schnell vor Ort und versorgten Fabio Jakobsen rasch.
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Der Radsportweltverband UCI teilte am Mittwochabend mit, dass man den Fall an die Disziplinarkommission weitergeleitet habe, um Sanktionen gegen Groenewegen zu beantragen. „Die UCI verurteilt das gefährliche Verhalten auf das Schärfste“, hieß es in dem Statement.

Groenewegen entschuldigt sich

„Ich finde es schrecklich, was gestern passiert ist. Ich kann nicht beschreiben, wie schlimm ich es finde für Fabio und die anderen, die gestürzt oder betroffen sind. Im Moment ist die Gesundheit von Fabio das Wichtigste. Ich denke ständig an ihn“, twitterte Groenewegen am Donnerstag. Auch der Sturzverursacher kam nicht unbeschadet davon, wurde er doch am Donnerstag in Opole am Schlüsselbein operiert.

Der bei dem Unfall am Mittwoch ebenfalls schwer am Kopf verletzte Mitarbeiter sei wieder bei Bewusstsein und ebenfalls in einem „stabilen Zustand“, wie die Rennorganisatoren mitteilten. Zudem würden noch drei weitere Radprofis in Krankenhäusern behandelt.

Kirsch übt Kritik

Der Luxemburger Alex Kirsch (Trek), der wie Ben Gastauer (Ag2r) an der Polen-Rundfahrt teilnimmt, fand kritische Worte: „Ich hoffe, dass alle gestürzten Fahrer wieder gesund werden. Und ich hoffe, dass die UCI etwas unternimmt und den Fahrer, der diesen schrecklichen Sturz verursacht hat, sperrt. Außerdem sollten wir uns Gedanken über solche Zielankünfte auf abschüssigem Gelände machen“, schreibt er auf Twitter.   

Bereits im Vorjahr sorgte ein folgenschwerer Sturz bei der Polen-Rundfahrt für einen dramatischen Zwischenfall, als der erst 22 Jahre alte Belgier Bjorg Lambrecht auf der Etappe nach Zabrze bei vergleichsweise moderatem Tempo gegen eine Betonkonstruktion prallte und später seinen schweren Verletzungen erlag.


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