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Jagd nach Anerkennung
Sport 3 Min. 08.11.2019

Jagd nach Anerkennung

Colm Cannon ist seit 2014 für das Nationalteam im Einsatz.

Jagd nach Anerkennung

Colm Cannon ist seit 2014 für das Nationalteam im Einsatz.
Foto: Stéphane Guillaume
Sport 3 Min. 08.11.2019

Jagd nach Anerkennung

David THINNES
David THINNES
Von Freitag an findet in Kockelscheuer die Olympia-Vorqualifikation statt. Der Luxemburger Kapitän Colm Cannon beschreibt, was Eishockey im Großherzogtum bedeutet.

Colm Cannon sieht auf Anhieb nicht aus wie ein Eishockeyspieler. Ein Hinweis auf die Ausübung seiner Sportart gibt die zwei Zentimeter große Narbe über dem rechten Auge: „Da habe ich einen Puck abgekriegt.“ Beim Interviewtermin trägt der 33-Jährige Kostüm und Krawatte, die er aber kurz danach für seine Eishockeymontur inklusive Trikotnummer neun, mit einem aufgenähten „C“ oben links austauscht. 

Cannon ist Kapitän der Luxemburger Nationalmannschaft, die von Fraitag bis Sonntag in Kockelscheuer die Olympia-Vorqualifikation für die Spiele 2022 in Peking (CHN) bestreitet. In genau dieser Halle machte der gebürtige Engländer, der im Alter von fünf Jahren mit seinen Eltern ins Großherzogtum auswanderte, seine ersten Schritte im Eishockey: „Ich hatte kurz zuvor Disney on Ice gesehen und war fortan vom Schlittschuhlaufen begeistert. Eishockey habe ich dann sofort geliebt“, blickt Cannon zurück. 

Trainingslager in der Schweiz und in Kanada

Und in den folgenden Jahren unternahm er alles Mögliche, um sich weiterzuentwickeln: „Ich war im Alter von acht Jahren in der Schweiz. Dort nahm ich an einem Lehrgang teil. Am meisten geprägt hat mich aber meine Zeit in Kanada, als ich 14 Jahre alt war. Dort standen sechs Stunden Training pro Tag auf dem Programm, davon waren alleine morgens drei Stunden nur für das Schlittschuhlaufen vorgesehen.

Am meisten geprägt hat mich aber meine Zeit in Kanada, als ich 14 Jahre alt war. 

Seine Clubkarriere begann dann 2002 beim ESC Trier in der Landesliga, wo er zwei Spielzeiten im Einsatz war. Danach begann Cannon sein Studium – Psychologie und Kriminologie, gefolgt von einem Business- und Management-Master – in Nottingham, wo er auch für das lokale Eishockeyteam auflief.

Nach dem Studium nahm er sich eine einjährige Auszeit, um sich nur auf Eishockey zu konzentrieren. Mit Liège beendete er die belgische Meisterschaft auf Rang drei: „Es war immer ein Traum, wie ein Profi zu leben. Ich wusste aber auch, dass dies nur für einen begrenzten Zeitraum der Fall sein würde. Ich war nicht gut genug, um den Sprung ganz nach oben zu schaffen.“


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Dann kehrte Cannon nach Luxemburg zurück, wo er sich Tornado anschloss. „Ich hatte vorher nie für den Club gespielt, aber ich kannte bereits sehr viele Leute. Es war wie eine Rückkehr nach Hause.“ Vor fünf Jahren erhielt der Engländer, der bei einem Wirtschaftsdienstleister arbeitet, den Luxemburger Pass und kann seitdem auch für die Nationalmannschaft auflaufen. 

Unbekannte Gegner

Genau wie in seinem Geburtsland hat Eishockey auch in Luxemburg eine exotische Note. Cannon bestätigt: „Anfang der Woche waren wir in der Hauptstadt unterwegs, um Poster für die Olympia-Vorqualifikation aufzuhängen. Ich habe mich in meinem bescheidenen Luxemburgisch mit einer Frau unterhalten, die erstaunt war, dass es überhaupt ein Team gibt.“ Dennoch freut sich Cannon darüber, dass „Eishockey auf Vereinsniveau eine sehr treue Fanbasis hat. Bei den Spielen in Beaufort herrscht zum Beispiel immer eine hervorragende Stimmung“.

Der 33-Jährige sieht in den vergangenen Jahren eine „Entwicklung beim Spielniveau in Luxemburg. Als ich bei Tornado begonnen habe, war die Qualität eher durchschnittlich. Jetzt spielen aber bei Tornado und in Beaufort jeweils fünf, sechs Spieler, die ihre Erfahrungen im semiprofessionellen und professionellen Bereich gemacht haben“. Dennoch erfordere es „sehr viel Einsatz. Wir haben drei Mal pro Woche Vereinstraining und am Wochenende ein Spiel. Aber auf die emotionale Achterbahnfahrt, die diese Sportart bietet, will keiner in der Umkleide verzichten.“

Am Sonntagabend wollen Cannon und Co. jubeln: In dem Fall hätte die Mannschaft nämlich den Sprung in die nächste Phase der Qualifikation geschafft. Diese würde Mitte Dezember in Barcelona stattfinden. Aber zuerst muss Luxemburg im Kampf mit Bosnien-Herzegowina, Kirgistan und den Vereinigten Arabischen Emirate Platz eins belegen. Von den Gegnern ist nicht viel gewusst. „Wir werden versuchen, mit der bestmöglichen Vorbereitung in dieses Turnier zu gehen. Für unser Team ist es ungewöhnlich, drei Spiele in drei Tagen zu bestreiten. Wir wollen das Großherzogtum so gut wie möglich vertreten“, so Cannon, der am Freitag erstmals in einem offiziellen Spiel das Trikot mit dem „C“ überstreifen wird.


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