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Internationale Begeisterung nach der “Schleck-Attack”
Sport 4 Min. 15.03.2012 Aus unserem online-Archiv

Internationale Begeisterung nach der “Schleck-Attack”

Recht vielfältig waren die Meinungen zum Erfolg des Luxemburgers in der internationalen Presselandschaft.

Internationale Begeisterung nach der “Schleck-Attack”

Recht vielfältig waren die Meinungen zum Erfolg des Luxemburgers in der internationalen Presselandschaft.
Schaubild: wort.lu
Sport 4 Min. 15.03.2012 Aus unserem online-Archiv

Internationale Begeisterung nach der “Schleck-Attack”

Durchweg begeistert nahm die internationale Presse die Auftritte von Andy und Fränk Schleck bei der schweren Alpen-Etappe am Donnerstag auf. Viele Kommentatoren überschlugen sich mit Superlativen. Die Schleck-Brüder sorgten insgesamt für viel Wirbel in der Presselandschaft.

(str/jw) - Durchweg begeistert nahm die internationale Presse die Auftritte von Andy und Fränk Schleck bei der schweren Alpen-Etappe am Donnerstag auf. Viele Kommentatoren überschlugen sich mit Superlativen. Die Schleck-Brüder sorgten insgesamt für viel Wirbel in der Presselandschaft.

In Belgien war am Donnerstagabend die Schleckmania ausgebrochen. „Le leopard Andy Schleck croque tout le monde“ titelt etwa die Zeitung „vers l'avenir“. Gar übersinnliche Kräfte werden dem 26-jährigen Luxemburger in dem Artikel nachgesagt: „Andy Schleck s'est transcendé dans le Galibier pour empocher une victoire d'étape décisive“, heißt es. „7sur7.be“ ernennt den jüngeren Schleck-Bruder zum König vom Galibier. „Het Laatste Nieuws“ spricht von einer „Monsterflucht“ mit der Andy seine Verfolger in einem „Husarenstück“ abgehängt habe. Die Tour habe am Donnerstag ihre letzten Geheimnisse preisgegeben, schreibt „7sur7“ weiter.

„Le Soir“ beschäftigt sich vorrangig mit der Frage, welcher der Schleck-Brüder am Freitag angreifen wird. Andys Leistung am Galibier wird als eine der beeindruckendsten in der jüngeren Geschichte der Tour gelobt – mit einer Beherztheit, wie man sie von den Schleck Brüdern nicht gewohnt sei. „Die Tour explodiert“ schreibt die „Gazet van Antwerpen“ schwärmt von einem „heroischen“ Luxemburger Sieg und einer „Titanenflucht“.

„Le Galibier dit 'oui' à Andy, pas à Contador“ titelt „La dernière heure“. „Andy Schleck, l'imperturbable“ schreibt RTLsport.be. Der belgische Staatssender RTBF freut sich für Freitag auf eine weitere „Schleck-Offensive“.

Gegen alle Regeln

Andy Schleck habe gegen alle Regeln des modernen Radsport verstoßen, als er sich 60 Kilometer vor dem Ziel aus dem Staub gemacht habe, schreibt die französische Tageszeitung „La Croix“. Bei seinem „Geniestreich“ sei der Luxemburger „jenseits von allen Sportregeln, über jegliche Logik erhaben und alleine auf der Welt“ gewesen. „Impérial dans le Galibier“ beschreibt „L'Equipe“ den 26-jährigen, der am Galibier eine „majestätische Offensive“ geführt habe.

Viel mehr als mit Andy Schleck beschäftigt sich die französische Presse – verständlicherweise – mit dem Elsässer Thomas Voeckler, dessen Kampfgeist in den höchsten Tönen gelobt wird. In Frankreich glaubt man fest an einen Sieg des 32-Jährigen. Die Etappe an der Alpe d'Huez wird es wohl zeigen. In Internetnetzwerken wie etwa Twitter und Facebook erwartet man sich auf jeden Fall für Freitag „ a schlecktacular Race“.

“Husarenritt über die Alpen”

In den deutschen Medien wird die Tour de France seit den Dopingskandalen der letzten Jahre und dem Ausbleiben deutscher Erfolge relativ “stiefmütterlich” behandelt. “Spiegel-Online” spricht von einem “Husarenritt über die Alpen” und schreibt, dass jetzt nur “vier Fahrer den Sieg unter sich ausmachen”. Contador habe sich endgültig aus dem Titelrennen verabschiedet.

Weitaus enthusiastischer bewertet die österreichische Sportseite “sport10.at” den Erfolg des Luxemburgers. Dort freut man sich über die “Schleck-Attack” und den Mythos Alpe d'Huez. “Einfach unglaublich, was Andy Schleck auf der 18. Etappe geleistet hat - schon am Col d'Izoard, 60 Kilometer vor dem Ziel, hat er attackiert und dann mit einem unwiderstehlichen Husarenritt hinauf auf das in 2.645 Meter Höhe liegende Ziel am Col du Galibier den Etapppensieg eingefahren. Chapeau!”, schreibt der Blogger Peter “Paco” Wrolich.

Andreas Burkert von “sueddeutsche.de” beschreibt die Strapazen des Aufstiegs auf den höchsten Tourgipfel und sagt, dass der gefürchtete Col du Galibier “nun seit exakt 100 Jahren Helden produziert, daran können auch die schmutzigen Affären des Genres nichts ändern”. Dem Scheitern Contadors konnte der bekannte Doping-Jäger Burkert eine positive Seite abgewinnen. “Somit bliebe der Tour die Peinlichkeit erspart, dass ihr im August mit einem möglichen Schuldspruch im Dopingverfahren Contadors der Sieger abhandenkommt”, schreibt er.

Schmerzen in den Beinen

Das deutsche Fachmagazin “radsport-news.com” stellte weniger die Leistung Andy Schlecks sondern vielmehr die von Cadel Evans ins Rampenlicht. “Der Australier war neben Tagessieger Andy Schleck (Leopard-Trek) der stärkste Fahrer des Tages und hauptsächlich dafür verantwortlich, dass die Verfolgergruppe den Rückstand auf den Luxemburger von mehr als vier auf gut zwei Minuten reduzieren konnte”. Dort wird auch die belgische Radsportlegende Eddy Merckx zitiert: „Heute habe ich noch nicht den Sieger von Sonntag gesehen. Grenoble wird die Entscheidung zwischen Andy Schleck und Cadel Evans bringen”, sagte der mehrmalige Tour-Gewinner.

“Cyclingnews.com” bemerkt, dass Andy Schleck die Tour mit seiner beeindruckenden Leistung herumgerissen hat. “Ich habe mich auf die Schmerzen in meinen Beinen konzentriert, und Sie können mir glauben, dass es große Schmerzen waren”, zitiert die englischsprachige Radsport-Referenzseite den Luxemburger Fahrer.

Und schließlich zeigte "CNN.com" sich auch beeindruckt von der Leistung des jungen Luxemburgers: "Andy Schleck dramatically revived his Tour de France hopes with a stunning victory on an epic 18th stage which finished at the summit of the imposing Col du Galibier", umschrieb die amerikanische Nachrichtenseite den Luxemburger Glanztag.