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In Spanien geboren, in Marokko ein Held
Sport 3 Min. 06.12.2022
Fußball-WM

In Spanien geboren, in Marokko ein Held

Achraf Hakimi wurde bei Real Madrid ausgebildet.
Fußball-WM

In Spanien geboren, in Marokko ein Held

Achraf Hakimi wurde bei Real Madrid ausgebildet.
Foto: AFP
Sport 3 Min. 06.12.2022
Fußball-WM

In Spanien geboren, in Marokko ein Held

Achraf Hakimi ist der auffälligste Spieler in dem bislang so starken nordafrikanischen Team. Im WM-Achtelfinale trifft er jetzt auf viele Bekannte.

Zumindest einige Reporter aus Marokko erleben bei der Fußball-WM gerade die Zeit ihres Lebens. Sie tragen auch ein Trikot der Nationalmannschaft, wenn sie den Spielern ihre Fragen stellen. Und manchmal gibt es vor der Frage noch einen Schmatzer auf die Wange. Bei Achraf Hakimi allerdings stößt dieser Enthusiasmus an seine Grenzen. Der 24-Jährige von Paris Saint-Germain gibt seine Interviews in Katar auf Spanisch. Ausgerechnet den besten Spieler ihrer Mannschaft können die Reporter kaum verstehen.

Hakimi wurde in Madrid geboren und von seinem 8. bis zum 20. Lebensjahr bei Real ausgebildet. Wenn die WM-Überraschung Marokko heute (16 Uhr) im Achtelfinale auf Spanien trifft, kennt er zumindest einige Spieler des Gegners deutlich länger und vermutlich auch besser als die eigenen. Tauschen möchte er trotzdem nicht. „Unser Team ist mehr als ein Team, wir sind eine Familie. Unsere Generation ist da, um Geschichte zu schreiben“, sagte Hakimi.

Unser Team ist mehr als ein Team, wir sind eine Familie.

Achraf Hakimi

Der überzeugende Gruppensieg vor dem WM-Zweiten Kroatien und dem WM-Dritten Belgien bedeutete für Marokko bereits die erste Achtelfinal-Teilnahme bei einer Weltmeisterschaft seit 36 Jahren. Doch das ist dieser Mannschaft noch nicht genug. „Ich sage nicht: Wir werden das Turnier gewinnen. Aber wir können es gewinnen“, meinte der Bayern-Profi Noussair Mazraoui nach dem 2:1 gegen Kanada im letzten Vorrunden-Spiel.

Achraf Hakimi (l.) und Hakim Ziyech spielen beide bei europäischen Topclubs.
Achraf Hakimi (l.) und Hakim Ziyech spielen beide bei europäischen Topclubs.
Foto: AFP

Mazraoui und Hakimi stehen gleich in doppelter Hinsicht für Marokkos Erfolg bei dieser WM. Dem Kader gehören Spieler von Bayern (Mazraoui), PSG (Hakimi), Chelsea (Hakim Ziyech) und dem FC Sevilla (Bono und Youssef En-Nesyri) an. Die individuelle Klasse der Marokkaner übersteigt die der anderen afrikanischen Teams in Katar bei Weitem.

Ex-Clubs trauern ihm nach

Und dann ist da noch das Leitmotiv dieser WM-Kampagne, über nichts redet Marokkos Trainer Walid Regragui bei seinen Pressekonferenzen häufiger und lieber. „Wir müssen das Spiel der Europäer kopieren und unsere eigenen Werte einbringen. Wenn wir das machen, gewinnen wir“, sagte der 47-Jährige.


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Genau wie Hakimi oder Mazraoui wurde Regragui nicht in Marokko geboren. Er kam in einer Vorstadt von Paris zur Welt und spielte als Profi unter anderem für Toulouse und Ajaccio in Frankreich sowie für Santander in Spanien. Wenn er in Katar ständig von „europäischem State of mind“ oder „europäischer Haltung“ spricht, dann meint er damit das Ergebnisdenken und die Druckresistenz, die Spieler wie Hakimi bei PSG jede Woche brauchen.

Der Abwehrspieler verließ seinen Heimatclub Real Madrid einst, weil er dort ausgerechnet an Spaniens Rechtsverteidiger Daniel Carvajal nicht vorbeikam. Erst wechselte Hakimi von 2018 bis 2020 zu Borussia Dortmund, dann für eine Saison zu Inter Mailand, ehe Paris ihn vor anderthalb Jahren für eine Ablösesumme von rund 68 Millionen Euro in sein Starensemble einreihte.

Kontakt zum spanischen Verband

Jeder seiner Ex-Clubs kann bei dieser WM noch einmal sehen, was er an Hakimi hatte. Der Marokkaner kombiniert Schnelligkeit und Technik in einem Maße, wie das selbst auf diesem Niveau nur selten zu finden ist. Die Dortmunder holten einst den belgischen WM-Spieler Thomas Meunier als Ersatz und Inter den Niederländer Denzel Dumfries. Beide Clubs trauern Hakimi noch immer hinterher.

Achraf Hakimi (r.) dribbelt an Belgiens Thorgan Hazard vorbei.
Achraf Hakimi (r.) dribbelt an Belgiens Thorgan Hazard vorbei.
Foto: AFP

Selbst die Spanier wären mittlerweile wohl froh, wenn er sich in seiner Jugendzeit für ihr Land und nicht für Marokko entschieden hätte. Sein ehemaliger Konkurrent Carvajal jedenfalls verlor nach einem schwachen Auftritt beim 1:1 gegen Deutschland seinen Platz im Team.

Für Hakimi stand das aber nie ernsthaft zur Debatte. „Ich hatte Kontakt mit dem spanischen Verband, aber immer vor, für Marokko zu spielen“, sagte er schon vor der WM. „Ich bin ein Produkt der marokkanischen Kultur, meine Mutter hat immer arabisch gekocht und ich bin ein praktizierender Moslem.“ Vielleicht gibt er nach einem Sieg gegen Spanien sogar auch ein Interview auf Arabisch.

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