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Im Karate brodelt es gewaltig

Im Karate brodelt es gewaltig

Foto: Fernand Konnen
Sport 2 Min. 16.01.2019

Im Karate brodelt es gewaltig

Laurent SCHÜSSLER
Laurent SCHÜSSLER
Das Gros der Luxemburger Clubs liegt im Clinch mit den Karate-Verantwortlichen. Persönliche Interessen, Alleingänge, ja gar Lügen werden ihnen vorgeworfen. Eine Lösung scheint nicht in Sicht.

Der Karate-Sport schrieb einige der schönsten Seiten der Luxemburger Sportgeschichte. So wurde zum Beispiel 2002 Tessy Scholtes Vizeweltmeisterin der Senioren, Jenny Warling gewann 2014 Silber bei der EM der Senioren und Kimberly Nelting siegte vor knapp 15 Monaten bei der Weltmeisterschaft der Junioren. Das sind nur einige der Medaillen, die Luxemburger Sportler international gewinnen konnten.

Alles wäre also perfekt, wären da nicht die ständigen Dispute im administrativen Bereich der Karate-Sektion. Aktuell fordern zwei Drittel der Vereine Neuwahlen. Mittlerweile beschäftigt sich selbst der Vorstand des Luxemburger Kampfsportverbandes FLAM, zu dessen Mitgliedern der Karate-Sport zählt, mit dem Dossier.

Der administrative Bereich hält im Karate nicht mit dem sportlichen Schritt.
Der administrative Bereich hält im Karate nicht mit dem sportlichen Schritt.
Foto: Christian Kemp

Das Fass zum Überlaufen brachte - im Nachhinein betrachtet - die Entscheidung, keine Luxemburger Athleten für die WM im Oktober 2018 zu nominieren. Die Vereine zeigten sich absolut nicht einverstanden mit den vorgebrachten Argumenten. Die Situation spitzte sich zu, als die potenziellen WM-Starter (die jüngste war gerade 18 Jahre alt) einzeln zu Gesprächen mit dem gesamten Vorstand der Karate-Abteilung gerufen wurden. In der Folge kam es zu Rücktritten im Vorstand, die die Diskussion weiter anheizten, statt sie zu beruhigen. Die Zahl der Kritiker vergrößerte sich.

Parallel dazu wies der KC Differdingen den Vorstand der Karate-Sektion schriftlich darauf hin, dass Nationaltrainer Michael Lecaplain in eine Wirtshausschlägerei verwickelt worden sei. Ein Vorwurf, der, sollte er sich bestätigen, ernste Konsequenzen mit sich ziehen müsste. Auf eine Antwort warten die Vereine bis heute noch. "Die wollen alles aussitzen", so ein Vereinsverantwortlicher gegenüber dem "Luxemburger Wort" über den Vorsitzenden Jean-Claude Roob und dessen Vorstandskollegen.

Im September 2017 wurde in Strassen ein neues nationales Kampfsportzentrum eingeweiht.
Im September 2017 wurde in Strassen ein neues nationales Kampfsportzentrum eingeweiht.
Serge DALEIDEN

Ein erster Vermittlungsversuch von FLAM-Präsident Serge Schaul brachte nichts ein. Zu verhärtet sind die Fronten. Viele Clubs stört es, dass die Abteilung de facto ausschließlich von Strassen und Lintgen geführt wird. Alleingänge seien an der Tagungsordnung, zwei Vereine würden die restlichen 19 bestimmen, so lautet der Vorwurf. Jetzt sucht man Rat bei Juristen. Die Reglemente der FLAM und ihrer Unterabteilung sind nämlich teils kontradiktorisch. Die FLAM bevorzugt Neuwahlen, der aktuelle Karate-Vorstand sträubt sich aber dagegen.

Ein Dorn im Auge ist vielen Vereinen der ehrenamtliche Directeur technique Jean-Claude Henry. Er würde nach Gutsherrenart herrschen. Die Clubs wollen mit allen Mitteln verhindern, dass er die vom Sportministerium finanzierte Halbtagesstelle beim Verband antreten darf. Der Vorstand der FLAM hat die Karate-Sektion gebeten, vor dem vorherrschenden Klima des Misstrauens keine weittragenden Entscheidungen zu treffen. Eben auch jene eines professionellen Directeur technique auszusetzen.

Damit nicht genug: Kontrollen haben ergeben, dass Abrechnungen, die die Karate-Sektion dem „Comité Olympique et sportif luxembourgeois“ (COSL) vorgelegt hat, nicht regelkonform waren. Das Sportministerium, als größter Geldgeber der Karatekas, hält sich bedeckt. So wie es in Luxemburg Brauch ist, mischt man sich nicht in verbandsinterne Dinge ein.


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