Wählen Sie Ihre Nachrichten​

IAAF macht Rückzieher: Klishina darf nicht in Rio starten
Sport 2 Min. 13.08.2016 Aus unserem online-Archiv

IAAF macht Rückzieher: Klishina darf nicht in Rio starten

Darya Klishina tappt weiter im Dunkeln.

IAAF macht Rückzieher: Klishina darf nicht in Rio starten

Darya Klishina tappt weiter im Dunkeln.
Foto: Reuters
Sport 2 Min. 13.08.2016 Aus unserem online-Archiv

IAAF macht Rückzieher: Klishina darf nicht in Rio starten

Joe GEIMER
Joe GEIMER
Erst hat sie der Weltverband IAAF als einzige Russin für die Rio-Spiele zugelassen. Nun ist das Sonderstartrecht für die Weitspringerin Darya Klishina wieder aufgehoben. Hat sie doch eine Doping-Vergangenheit in Russland? Die Athletin klagt.

(dpa) - Der Leichtathletik-Weltverband IAAF hat der russischen Weitspringerin Darya Klishina nachträglich das Sonderstartrecht für die Olympischen Spiele in Rio entzogen. Klishina ging umgehend beim Internationalen Sportgerichtshof CAS gegen den Ausschluss vor. Der IAAF hatte 67 weitere russische Leichtathleten wegen systematischen Dopings suspendiert und damit von Olympia ausgeschlossen. Der Leichtathletik-Weltverband IAAF erwartet eine Klärung des Falls bis spätestens Montag.

Klishina postete auf ihrer Facebook-Seite: „Im Moment kann ich mich nur von einem System betrogen fühlen, dem es nicht darum geht, den Sport sauber zu halten und die breite Masse der Athleten zu unterstützen, sondern Siege außerhalb der Sportarenen zu erzielen.“

Der IAAF bestätigte am Samstag den Bann. Die 25-jährige Hallen-Europameisterin von 2011 und 2013 will am Dienstag in der Weitsprung-Qualifikation antreten. Klishina hatte zunächst die Starterlaubnis bekommen, weil sie in den USA lebt und sich dort regelmäßig auf Doping hat testen lassen.

Neue Informationen über Klishina

Die IAAF prüfte noch einmal den sogenannten McLaren-Report und die entsprechenden Passagen zu Klishina. Außerdem habe der Weltverband neue Informationen über die Athleten erhalten, sagte ein IAAF-Sprecher weiter.

Deshalb habe die IAAF die eigene Entscheidung vom 9. Juli, ihr ein Ausnahmerecht für die Rio-Spiele und alle anderen internationalen Wettkämpfe zu erteilten, am 10. August widerrufen. Klishina wurden demnach die Gründe für den nachträglichen Bann am Freitag übermittelt. Einen Tag später habe sie Einspruch beim CAS eingelegt. Was der Athletin im Nachhinein genau zur Last gelegt wird, blieb unklar.

Der Kanadier Richard McLaren hatte im Auftrag der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA in Russland ermittelt und ein staatlich gelenktes, flächendeckendes Doping nachgewiesen. Trotz dieses Berichtes hatte das Internationale Olympische Komitee auf einen Komplett-Ausschluss Russlands bei den Sommerspielen verzichtet. Nach einer vom IOC angeordneten Einzelüberprüfung der nominierten russischen Sportler wurden rund 270 Athleten aus dem Land zugelassen.

Klishina lebt in den USA

Klishina lebt und trainiert seit knapp drei Jahren in der IMG-Akademie in Florida. Zunächst galt es als akzeptiert, dass sie während des Aufenthalts im Ausland getestet worden ist und nicht im betrügerischen Sportsystem Russlands involviert gewesen war. Deshalb wurde bei ihr eine Ausnahme gemacht.

In ihrer Heimat sah man das nicht gern. Die nebenbei als Model arbeitende Athletin wurde von den Landsleuten als „Verräterin“ beschimpft. Klishina wollte die Anfeindungen bei Olympia ausblenden. „Sie wird Scheuklappen tragen und sich allein auf den Wettbewerb konzentrieren“, hatte ihr australischer Trainer Loren Seagrave gesagt.

Doping-Proben womöglich manipuliert

Nach Informationen der ARD sollen Doping-Proben der Weitspringerin in Russland entdeckt worden sein, die mutmaßlich illegal geöffnet wurden. Wie der TV-Sender am Sonntag aus Rio berichtete, wiesen die in einem Kühlschrank gelagerten Probenflaschen von ihr Kratzer auf. Dies habe die ARD aus sicherer Quelle erfahren. Zudem soll in den gefundenen Urin-Proben der Athletin die DNA von zwei verschiedenen Personen analysiert worden sein.

Möglicherweise hat der Leichtathletik-Weltverband IAAF diese Informationen für die Entscheidung herangezogen, Klishina das Sonderstartrecht für die Olympischen Spiele wieder zu entziehen.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema