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Hotelangriff in Chile: Luxemburger Karatekas treten Rückreise an
Sport 1 2 Min. 24.10.2019

Hotelangriff in Chile: Luxemburger Karatekas treten Rückreise an

Bei den gewaltsamen Ausschreitungen kommen 18 Menschen ums Leben.

Hotelangriff in Chile: Luxemburger Karatekas treten Rückreise an

Bei den gewaltsamen Ausschreitungen kommen 18 Menschen ums Leben.
Foto: AFP
Sport 1 2 Min. 24.10.2019

Hotelangriff in Chile: Luxemburger Karatekas treten Rückreise an

Jan MORAWSKI
Jan MORAWSKI
Die Karate-Nationalmannschaft wird bei der Jugend-Weltmeisterschaft in Chile evakuiert, nachdem kämpfende Demonstranten in das Hotel eindringen. Sie bricht ihre Teilnahme ab und kehrt nach Luxemburg zurück.

(LS/jan/dpa) - Ausnahmezustand für die Luxemburger Karatekas: Im Rahmen der Jugend-Weltmeisterschaft in Chile ist das Hotel der Delegation von den Straßenkämpfen erfasst worden. "Die Demonstranten sind in unser Hotel eingedrungen", schreibt Kimberly Nelting bei Instagram. "Wir mussten evakuiert werden." Öffentliche Fernsehsender vermeldeten ebenfalls, dass ein Hotel in Santiago am Mittwoch geplündert worden sei.

Die Luxemburger Athleten reagieren mit Unverständnis.
Die Luxemburger Athleten reagieren mit Unverständnis.
Foto: Instagram / Kimberly Nelting

Nach den Vorfällen wird die luxemburgische Delegation nicht mehr an der WM teilnehmen, wie Tessy Scholtes, die Leiterin der Karateabteilung im Verband FLAM, gegenüber dem "Luxemburger Wort" mitteilt. "Allen geht es gut, niemand ist verletzt", erklärt sie weiter. Am Donnerstagnachmittag Luxemburger Zeit kam die Nachricht, dass die vorzeitige Rückreise der Sportler gesichert sei. Die Luxemburger Auswahl wird bereits am Freitagmorgen wieder auf heimischem Boden erwartet.  Insgesamt waren 23 Luxemburger in Santiago de Chile. Die WM geht währenddessen weiter.

"Wir haben die Entscheidung zur Abreise am Mittwochabend Lokalzeit nach Absprache mit den Athleten getroffen", so Delegationsleiter Leo Salvatore. "Verschiedene waren zwar traurig, weil es ihre letzte Möglichkeit zur Teilnahme an einer Jugend-WM war, sie haben aber verstanden, dass die Sicherheit vorgeht." Salvatore beteuerte, dass die Zusammenarbeit mit der belgischen Botschaft, die die Luxemburger Interessen vor Ort vertritt, beispielhaft verlaufen sei. Allerdings habe man rund sechs Stunden an einem sicheren Ort im Untergeschoss des Hotels ausharren müssen, ehe die Abfahrt zu einem anderen Hotel, in einem ruhigeren Stadtviertel, möglich war. "Die Sportler sind sehr cool geblieben."

Die Luxemburger Delegation kurz vor dem Rückflug nach Europa.
Die Luxemburger Delegation kurz vor dem Rückflug nach Europa.
Foto: Privat

Bereits 18 Todesopfer

Trotz von der Regierung angekündigter Sozialreformen zugunsten ärmerer Bevölkerungsschichten halten die Spannungen in Chile an. Hunderttausende Demonstranten nahmen am Mittwochabend an Kundgebungen teil. Auf dem zentralen Nunoa-Platz in der Hauptstadt Santiago weigerten sich Demonstranten, nach Beginn der Ausgangssperre den Platz zu verlassen - und wurden von der Polizei mit Tränengas auseinandergetrieben. In der fünften Nacht mit Ausgangssperre kam es wieder zu Plünderungen und Bränden, unter anderem in einem Supermarkt in einem Vorort der Hauptstadt, wie die Feuerwehr mitteilte.

Chiles Präsident Sebastian Pinera hatte am Dienstag eine Anhebung der Mindestrente und des Mindestlohns, niedrigere Medikamentenpreise, höhere Steuern für Spitzenverdiener und eine Senkung der Gehälter von Parlamentariern und Ministern angekündigt. Er reagierte damit auf massiven Unmut in der Bevölkerung, der von der Erhöhung von U-Bahn-Tarifen ausgelöst worden war. Am Sonntag hatte er die Ausschreitungen noch als „Krieg mit einem machtvollen und unerbittlichen Feind“ bezeichnet.


A demonstrator in distress is helped by others at Plaza Italia during the fifth straight day of protest which erupted over a now suspended hike in metro ticket prices, in Santiago, on October 22, 2019. - President Sebastian Pinera convened a meeting with leaders of Chile's political parties on Tuesday in the hope of finding a way to end street violence that has claimed 15 lives, as anti-government campaigners threatened new protests. (Photo by Pedro Ugarte / AFP)
Sicherheitsbestimmungen bei Karate-WM in Chile erhöht
Die seit mehreren Tagen anhaltenden Straßenkämpfe in Chile haben 15 Tote gefordert. Parallel dazu findet eine Jugend-WM im Karate statt.

Bei den Unruhen kamen seit Freitag mindestens 18 Menschen ums Leben. Nach Angaben des Nationalen Instituts für Menschenrechte wurden fünf der Opfer von Sicherheitskräften getötet. Das Institut registrierte 535 Verletzte und 2 410 Festnahmen. Die Interamerikanische Menschenrechtskommission verurteilte sowohl die „übermäßige Gewaltanwendung“ vonseiten der Sicherheitskräfte als auch die „Gewalttätigkeit von Zivilpersonen“ bei den Protesten.

In der Innenstadt von Santiago de Chile toben die Menschenmassen.
In der Innenstadt von Santiago de Chile toben die Menschenmassen.
Foto: AFP

 


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