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Großes Schweigen zu Bianchis Zustand
Sport 7 3 Min. 06.10.2014 Aus unserem online-Archiv
Nach Operation am Gehirn

Großes Schweigen zu Bianchis Zustand

Sport 7 3 Min. 06.10.2014 Aus unserem online-Archiv
Nach Operation am Gehirn

Großes Schweigen zu Bianchis Zustand

Nach seinem schweren Unfall vom Sonntag befindet sich Formel-1-Pilot Jules Bianchi weiter in Japan in einem Krankenhaus. Sein Rennstall gibt vorerst keine Informationen zu seinem Gesundheitszustand. Kollegen beklagen, dass das Rennen nicht früher abgebrochen wurde.

(afp/ks/dpa) - Wie geht es dem Franzosen Jules Bianchi einige Stunden nach seinem schweren Unfall beim Grand Prix von Japan am Sonntag? Informationen zu seinem Gesundheitszustand gab es am Montag zunächst nicht. Unklar ist, ob er ein zweites Mal operiert wurde, ob er im Koma liegt und ob er beatmet werden muss. Bianchi war am Sonntag am Gehirn operiert worden.

Das Marussia-Team bat in einer ersten Stellungnahme um Geduld. Es respektiere bei der Kommunikation zu Bianchis Zustand die Wünsche seiner Familie. Das Krankenhaus von Yokkaichi werde Informationen veröffentlichen, wenn es dies für angemessen halte. Der Vater des Sportlers, Philippe Bianchi, und der Agent des Verletzten, Nicoals Todt, befanden sich am Montagmorgen an Bord eines Flugzeugs in Richtung Yokkaichi.

Linke Seite des Wagens komplett zerstört

Vor dem Klinikgebäude warteten am Montagmorgen mehrere Journalisten auf Neuigkeiten. Keiner der Besucher von Bianchi wollte auf die Frage antworten, wie es dem jungen Franzosen geht. "No comment", sagte etwa Marussia-Teamchef John Booth, als er mit dem Sportdirektor des Rennstalls, Graeme Lowdon, aus der Klinik kam.

Der Venezueler Pastor Maldonado (Lotus), der den gleichen Agenten wie Bianchi hat, besuchte den Verletzten noch am Sonntagabend und kam am Montag erneut ans Krankenbett. Auch er wollte keinen Kommentar abgeben und erklärte nur, er werde nun ins russische Sotschi reisen. Dort finden am nächsten Sonntag der nächste Grand Prix statt.

Der Unfall von Bianchi ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass seine Reifen recht abgefahren waren zu einem Zeitpunkt, an dem es auf der Rennstrecke stark regnete. Adrian Sutil, der eine Runde zuvor an der gleichen Stelle von der Piste abgekommen war, erklärte, die Sicht sei in dieser Kurve besonders schlecht gewesen. Es sei angesichts der Abenddämmerung sehr schwierig gewesen, die Wasserlachen auf der Fahrbahn zu erkennen. Möglich ist, dass Bianchi auch die gelben Fahnen nicht sah, die ihm anzeigten, dass er abbremsen soll.

Der Franzose geriet mit seinem Marussia so unter das Heck des Krans, der Sutils Auto barg, dass er vermutlich mit enormer Wucht am Kopf getroffen wurde. Die linke Seite des Wagens wurde komplett zerstört. Sogar der Überrollbügel direkt hinter dem Kopf des Piloten war gebrochen.

Massa: "Rennen zu spät beendet"

Einige Fahrer und Teamvertreter beklagten nach dem Großen Preis von Japan die schlechte Sicht, weil das chaotische Regenrennen noch in vollem Gange war, als die Lichtverhältnisse nachließen. „Sie haben das Rennen zu spät beendet“, kritisierte Williams-Pilot Felipe Massa. Ingenieur Rob Smedley sprach von den dunkelsten Verhältnissen in den 15 Jahren, die er in der Formel 1 sei.

Die teilweise extremen Bedingungen beim Grand Prix waren absehbar. Erstens, weil selbst bei normalem Wetter die Sonne gegen 17.30 Uhr über Suzuka untergeht. Damit kann es bei einem um 15.00 Uhr gestarteten Rennen mit Unterbrechungen sehr eng werden. Zweitens, weil diesmal auch noch die Vorboten von Taifun Phanfone - vor dem der Formel-1-Wetterdienst in den Tagen vor dem Grand Prix eindringlich und wiederholt gewarnt hatte - die Witterungslage erschwerten.

„Man hätte früher starten können, darüber gibt es keine Diskussion“, befand Mercedes-Teamaufsichtsratschef und RTL-Experte Niki Lauda. Der Internationale Automobilverband konnte sich mit den heimischen Betreibern und den Vermarktern aber offensichtlich nicht einigen. Rennstreckenbesitzer Honda soll sich gegen eine Vorverlegung des Starts gesträubt haben.

Auf Twitter ist die Anteilnahme seiner Rennfahrkollegen groß:


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