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Goldgrube Marathon
Sport 4 Min. 15.07.2015 Aus unserem online-Archiv
"ING Night Marathon"

Goldgrube Marathon

Die Bars, die sich entlang der Strecke des Marathons befinden, locken viele Kunden an.
"ING Night Marathon"

Goldgrube Marathon

Die Bars, die sich entlang der Strecke des Marathons befinden, locken viele Kunden an.
Foto: Fabrizio Munisso
Sport 4 Min. 15.07.2015 Aus unserem online-Archiv
"ING Night Marathon"

Goldgrube Marathon

Der „ING Night Marathon“ ist jedes Jahr einer der Höhepunkte im Luxemburger Sport. Aber nicht nur für die Laufbegeisterten besitzt er große Bedeutung, sondern auch für die Hotels und Restaurants.

von Joe Turmes

Der "ING Night Marathon" ist jedes Jahr einer der Höhepunkte im Luxemburger Sport. Aber nicht nur für die Laufbegeisterten besitzt er große Bedeutung, sondern auch für die Hotels und Restaurants. Aktuelle Zahlen, die den Einfluss des Hauptstadtmarathons auf die Luxemburger Wirtschaft belegen, liegen leider nicht vor. Auch das „Office national du tourisme“ konnte in dieser Hinsicht nicht weiterhelfen. Mit einer Hochrechnung kann man aber in etwa verdeutlichen, warum das Hotel- und Gastronomiegewerbe auf die Veranstaltung angewiesen ist. Im Jahr 2006, als der Marathon zum ersten Mal veranstaltet wurde und es 6 000 Anmeldungen gab, wurden einer Diplomarbeit zufolge* 5 221 Übernachtungen verzeichnet. Rechnet man diese jetzt auf dieses Jahr hoch, als 10 000 Laufbegeisterte am Start waren, dann müssten rund 7 300 Übernachtungen verzeichnet worden sein.

Die hohe Zahl an Übernachtungen ist damit zu erklären, dass rund 60 Prozent der Teilnehmer aus dem Ausland anreisen. Diese übernachten im Schnitt 2,1 Nächte in Hotels und werden von 1,6 Personen begleitet. Die Gesamtausgaben der Teilnehmer lassen das Herz der Geschäftsleute höher schlagen. Im Jahr 2006 waren es der Diplomarbeit zufolge rund 1,87 Millionen Euro. Mittlerweile dürften es mindestens 2,6 Millionen Euro sein. Diese Zahl beinhaltet die Ausgaben für Übernachtung, Verpflegung, kulturelle Einrichtungen, Verkehrsmittel, Kleidung, Sportartikel, Souvenirs und Zeitschriften.

Angesichts solcher Zahlen versteht man schon, dass sich Erich François, der 2006 den Marathon nach Luxemburg gebracht hat und nun bereits zehn Veranstaltungen organisiert hat, selbstbewusst zeigt. Seine Botschaft an die Verantwortungsträger in der Politik ist klar: „Luxemburg braucht den Marathon“!

Streitpunkt Polizeikosten

François redet nicht lange um den heißen Brei herum. „Es wird ja immer ein Betrag von 180 000 Euro genannt, die der Polizeieinsatz kostet und für den wir aufkommen sollen. Ich hatte in diesem Zusammenhang ein Treffen mit Nachhaltigkeitsminister François Bausch. Ich habe ihn darauf hingewiesen, welchen hohen Betrag an Steuereinnahmen der Marathon dem Land bringt. Stellt man eine Veranstaltung im Norden des Landes auf die Beine, zu der hundert Einheimische kommen und für die fünf Polizisten benötigt werden, um die Straßen abzusperren, so ist dies sicherlich gut für das Großherzogtum. Es bringt dem Land jedoch keine Steuereinnahmen. Beim Marathon ist dies anders. Er ist ein Wirtschaftsfaktor.“

Die Stadt Luxemburg sei sich dessen seit langem bewusst. Er ist optimistisch, dass auch die Regierung dies erkennt und es demnächst eine Lösung hinsichtlich der Kostenfrage des Polizeieinsatzes geben wird. Der Stadtmarathon war jedenfalls von Anfang an eine Erfolgsstory. Dies hatte jedoch auch zum Teil mit einem Zufall zu tun, wie François verrät. „2006 haben wir Wetten abgeschlossen, wie viele Teilnehmer sich anmelden würden. Die höchste Schätzung betrug 2 300. Letztlich waren es 6 000 Teilnehmer. Wir profitierten davon, dass eine Woche vor dem Marathon eine Laufveranstaltung in Mannheim wegen eines Sturms ausfiel. Viele Läufer suchten nach einem anderen Rennen und stießen dann auf Luxemburg. So war unser Marathon ausverkauft.

Laufen in der Mittagspause

Angesichts des Erfolgs des Marathons stellt sich die Frage, warum nicht weitere Veranstaltungen dieser Größenordnung in anderen Städten wie beispielsweise Esch/Alzette auf die Beine gestellt werden. François ist in diesem Zusammenhang eher skeptisch. „Es ist außerhalb der Hauptstadt sehr schwierig, große Sponsoren zu finden. Esch/Alzette ist eine tolle Stadt. Internationale Firmen kennen diese Stadt jedoch nicht, die kennen nur die Hauptstadt. Auch Remich ist ihnen kein Begriff. Deshalb kann ich es auch nicht nachvollziehen, warum der Ironman in Remich über die Bühne geht. Dieser müsste in der Hauptstadt organisiert werden.“ Aber auch in der Hauptstadt stoße man schnell an seine Grenzen. „In der Stadt Luxemburg ist es unglaublich schwer, weitere große Veranstaltungen auf die Beine zu stellen. Es ist vielleicht sogar gar nicht machbar. Dies hat einerseits mit dem Verkehr zu tun. Aber auch der politische Wille ist einfach nicht vorhanden.“ So organisiert François mit seiner Firma „step by step“ lediglich noch den „Color Run“ in Echternach.

Es ist kein Zufall, dass es sich auch hierbei um eine Laufveranstaltung handelt, für die François verantwortlich zeichnet. Er trägt der Laufbegeisterung im Großherzogtum Rechnung. „Früher sind die Berufstätigen mittags auf dem Kirchberg oder in Gasperich essen gegangen. Nun sind zwei oder drei Monate vor dem Marathon sehr viele Läufer auf den Straßen dieser Stadtviertel zu sehen. Davon profitieren auch die Firmen. Es handelt sich um unbezahlte Arbeitsstunden, wenn sich Angestellte während des Laufens austauschen.“ Aber auch auf die Krankenscheine habe das Laufen einen positiven Einfluss. „Berufstätige, die laufen gehen, sind im Schnitt einen Tag im Jahr weniger krank.“ Der „ING Night Marathon“ soll noch lange als Antriebsfeder für diese Läufer dienen. „Solange der politische Wille da ist, wird er existieren“, so François.

*Sabine Hauser, Regionale Bedeutung eines Sportevents in Luxemburg anhand des ING europe-marathon luxembourg


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