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Gleichberechtigung im Sport: Nach Lust und Laune
Sport 3 Min. 20.11.2019

Gleichberechtigung im Sport: Nach Lust und Laune

Immer beliebter: Die Mitgliederzahlen im Mädchenfußball steigen in Luxemburg stetig an.

Gleichberechtigung im Sport: Nach Lust und Laune

Immer beliebter: Die Mitgliederzahlen im Mädchenfußball steigen in Luxemburg stetig an.
Foto: Nicolas Bouvy
Sport 3 Min. 20.11.2019

Gleichberechtigung im Sport: Nach Lust und Laune

Jan MORAWSKI
Jan MORAWSKI
Im Kampf gegen Geschlechterklischees im Nachwuchssport sind nicht nur die Vereine gefordert. Vor allem Mädchen haben es oftmals schwer.

Dass Sport mehr als Bewegung ist, weiß jeder, der schon einmal gemeinsam mit Freunden gegen einen Ball getreten hat. Allein die Definition bereitet den Soziologen bis heute Probleme. Unbestreitbar ist jedoch: Sport vermittelt, verbindet und schweißt zusammen. Besonders für Kinder, die auf Spielplätzen, in Hinterhöfen und Vereinen wichtige soziale Kontakte knüpfen, ist der Sport ein wichtiger Bestandteil der Entwicklung und Charakterbildung.

Doch ganz gesund ist die Branche nicht. Besonders beim Thema Gleichberechtigung offenbart der Sport auch im Jahr 2019 noch seine Schattenseiten. Bricht man dieses Thema auf eine Zahl herunter, wird die Problematik bereits deutlich: Unter den 100 Topverdienern der Sportwelt ist mit Tennisspielerin Serena Williams nur eine Frau.

Doch natürlich geht es um mehr als nur ums Geld. Viele Frauen, die sich im Sport engagieren, wünschen sich mehr Akzeptanz, Anerkennung und Respekt. „Seit Jahren beklagen sich Profisportlerinnen neben unfairen Preisgeldern auch über mangelnde Berichterstattung“, erklärt Luxemburgs Gleichstellungsministerin Taina Bofferding. „Dies beinhaltet neben Zugang zum Sport sowie Besetzung von Gremien und Ressourcenverteilung explizit auch die Gleichstellung in Sachen Medienpräsentation. Denn dies färbt sich auf das Image des Frauensports in der breiten Gesellschaft ab.“

Gleichstellungsministerin Taina Bofferding sieht viel Handlungsbedarf.
Gleichstellungsministerin Taina Bofferding sieht viel Handlungsbedarf.
Foto: Guy Wolff

Zumindest in diesem Bereich ist Besserung in Sicht: Die Fußball-WM der Frauen in diesem Jahr brach in puncto Einschaltquoten alle eigenen Rekorde. Ein wichtiges Zeichen – denn wenn junge Mädchen ihre Vorbilder im TV am Ball sehen, haben die Vereine bessere Chancen, bald neue Mitglieder begrüßen zu dürfen. 

 Hartnäckig  Stereotypen

Dass trotzdem weiterhin zu wenige Mädchen beispielsweise den Schritt in einen Fußballverein wagen, liegt auch an Geschlechterklischees, die sich bis zu den jüngsten Sportinteressierten hinab bemerkbar machen. Einfach gesagt: In den Augen der Gesellschaft gibt es Sportarten für Jungs und solche für Mädchen. Und der Quereinstieg ist hürdenreicher, als man meinen sollte.  

Mein Name ist Cathy Schmit und ich setze mich als Jugendbotschafterin bei der Unicef Luxemburg ein. Da alle Kinder gleich behandelt werden sollen, soll auch jedes Kind die Sportart ausüben, die es ausüben will. Zu häufig ist dies nicht der Fall, weil es in den Augen vieler Menschen typische Jungen- oder Mädchensportarten gibt. Dadurch können einige Kinder nicht die Sportart ausführen, die ihnen gefällt – oder werden nicht so gefördert wie ein Kind des anderen Geschlechts. Diese Problematik kann negative Auswirkungen auf das emotionale Wohlbefinden des Kindes haben.
Mein Name ist Cathy Schmit und ich setze mich als Jugendbotschafterin bei der Unicef Luxemburg ein. Da alle Kinder gleich behandelt werden sollen, soll auch jedes Kind die Sportart ausüben, die es ausüben will. Zu häufig ist dies nicht der Fall, weil es in den Augen vieler Menschen typische Jungen- oder Mädchensportarten gibt. Dadurch können einige Kinder nicht die Sportart ausführen, die ihnen gefällt – oder werden nicht so gefördert wie ein Kind des anderen Geschlechts. Diese Problematik kann negative Auswirkungen auf das emotionale Wohlbefinden des Kindes haben.
Foto: Unicef Luxemburg

„Die Entscheidung für eine bestimmte Sportart sollte das Kind ohne Beeinflussung fällen“, erklärt Bofferding. „Allerdings halten sich Stereotypen in Turnhallen und auf Trainingsplätzen hartnäckig. Sport ist eine der letzten Bastionen verstaubter Geschlechterklischees: Jungs machen Ball- oder Kampfsport, Mädchen tanzen und turnen.“ Dies habe negativen Einfluss auf die Entwicklung des Kindes. 

Dass die Widerstände gegen die uneingeschränkte Entfaltung junger Menschen auch aus dem direkten Umfeld kommen können, leugnet die Ministerin nicht: „Eltern sollten das Geschlecht nicht zu sehr in den Vordergrund stellen und es im alltäglichen Umgang nicht zu wichtig nehmen. Ob meine Tochter gerne kicken will, sollte mir einfach egal sein. Denn wichtig ist, dass mein Kind Freude an der Sportart hat.“

Förderung durch den Verband

Obwohl dieses Phänomen natürlich auch für Jungen gilt, die gerne eine Sportart ausüben wollen, in der hauptsächlich Mädchen engagiert sind, ist der Bereich Frauenfußball das einträglichste Beispiel. Der nationale Fußballverband sendet zu diesem Thema klare Signale. „Für die FLF ist es sehr wichtig, dass sich Kinder ohne jede Voreingenommenheit für ihren Sport entscheiden können“, heißt es vom Verband. „Die Fortschritte sind allerdings unverkennbar. Die Zahl der Mädchen, welche zum Fußball kommen, steigt stetig.“


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In der Pflicht sieht sich der Verband gemeinsam mit den Vereinen. So werden die Clubs beim Auf- und Ausbau des Jugendfußballs im Mädchenbereich unterstützt. Förderprogramme des europäischen Verbands UEFA sollen außerdem helfen, die allgemeine Anerkennung des Frauenfußballs zu vergrößern. „Jedes Mädchen, das in Luxemburg Fußball spielen möchte, kann dies tun.“

Doch nicht nur die Strukturen in Verbänden und Vereinen machen für die Gleichberechtigung unter Kindern den Weg frei. Jedes einzelne Mitglied ist gefordert. So seien Sportvereine in den Augen Bofferdings nicht nur dem sportlichen Erfolg verpflichtet, sondern müssen auch ihre gesellschaftliche Verantwortung erfüllen. „Der Sport sollte ein inklusiver Moment sein, der Mädchen und Jungen gleichermaßen die Möglichkeit bietet, Spaß zu haben, sich auszupowern und mit anderen zu messen. Das werden auch Kinder verstehen, wenn die Erwachsenen mit gutem Beispiel vorangehen und Inklusion vorleben.“

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Foto: Shutterstock



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